{"id":15826,"date":"2019-10-24T13:00:25","date_gmt":"2019-10-24T11:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15826"},"modified":"2019-10-24T13:00:25","modified_gmt":"2019-10-24T11:00:25","slug":"kulturschock-a-la-spaetzlespresse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/10\/24\/kulturschock-a-la-spaetzlespresse\/","title":{"rendered":"Kulturschock \u00e0 la Sp\u00e4tzlespresse"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>24 internationale Studierende treffen auf 24 T\u00fcbinger*innen: Da ist Rummel vorprogrammiert. Unser Autor hat sich auf das Buddy-Programm, organisiert von <\/em><\/strong><strong><em><a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/international\/studierende-aus-dem-ausland\/sommerkurse-und-kurzzeit-programme\/international-european-studies\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">International &amp; European Studies<\/a>, eingelassen und berichtet von seinen Erfahrungen. Eine Reportage \u00fcber Kulinarisches und Kulturelles, sowie schw\u00e4bische Eigenheiten.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">T\u00fcbingen ist eine sehr internationale Stadt und damit eher eine Ausnahme im Schwabenl\u00e4ndle, wo man sonst doch eher skeptisch gegen\u00fcber \u201e<em>Neigschmeckten<\/em>\u201c ist. Um Menschen aus aller Welt den Start in T\u00fcbingen zu erleichtern, hat das IES ein Programm organisiert, das es internationalen Studierenden erm\u00f6glichen soll, T\u00fcbingen mit \u201e<em>Locals<\/em>\u201c kennenzulernen. Ich selbst war \u00fcber zwei Freunde auf das Angebot aufmerksam geworden und beschloss, zusammen mit ihnen daran teilzunehmen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Das Buddy-Programm<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Idee des Programms, das drei bis vier Mal im Jahr angeboten wird, ist simpel: Studierende aus der ganzen Welt kommen f\u00fcr einen Monat ins sch\u00f6ne T\u00fcbingen, um an Seminaren und Deutschkursen teilzunehmen und nebenbei die Stadt zu entdecken. Ein Schnupperkurs Deutschland sozusagen, der auch Ausfl\u00fcge zum Bundestag, dem EU-Parlament in Stra\u00dfburg oder einer deutschen Backstube einschlie\u00dft. T\u00fcbinger Studierende werden den Internationalen als Buddies zugeordnet und erleben mit ihnen die gro\u00dfen und kleinen Schwierigkeiten des ungewohnten Alltags in einer neuen Umgebung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15831\" aria-describedby=\"caption-attachment-15831\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/26907231_1810617722344390_1709644648449852253_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15831 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/26907231_1810617722344390_1709644648449852253_n.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"640\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15831\" class=\"wp-caption-text\">Die internationalen Studierenden reisten im Rahmen des Programms nach Berlin, Stra\u00dfburg und in die Alpen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als meine Bewerbung also angenommen wurde bekam ich zwei Wochen vor Beginn des Programms die Kontaktdaten von Shengfeng aus China. Als die Internationalen dann Anfang Januar in T\u00fcbingen ankamen, erz\u00e4hlte mein Buddy mir, sie studiere Wirtschaft. Mit zwei riesigen Koffern war Shengfeng &#8211; die bald nur noch Sara genannt wurde &#8211; in T\u00fcbingen angekommen und richtete sich in einem Wohnheim auf der Wanne ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleich von Beginn an hatten wir T\u00fcbinger*innen eine gute Zeit mit den internationalen Studierenden: Als wir auf der Suche nach etwas zu Essen ein gutes St\u00fcck durch die Stadt gelaufen waren, wurde ich gefragt, warum es denn in hier keine \u201aSubway\u2018 g\u00e4be. Etwas verdutzt antwortete ich, dass doch am Bahnhof ein gro\u00dfer Subway sei, dieser aber zur Mittagszeit recht voll sein wird. Als dann alle in Gel\u00e4chter ausbrachen wurde mir klar, dass es wohl nicht um Fastfood ging.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Von t\u00fcrkischen Hamburgern und anderen Verirrungen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Veranstaltungen des Programms selbst starteten jedoch erst mit einem gemeinsamen Fr\u00fchst\u00fcck. Am Fr\u00fchst\u00fcckstisch hatten wir in kleineren Gruppen die M\u00f6glichkeit uns kennenzulernen, zu essen oder schon die ersten Ausfl\u00fcge zu planen. Bei der Begr\u00fc\u00dfung zeigte eine der Organisatorinnen des Programms, wie man mit einer \u201e<em>typical german Pretzel<\/em>\u201c zu verfahren hatte: Sie schnitt den Bauch des Geb\u00e4cks auf, beschmierte ihn mit Butter und pr\u00e4sentierte das Resultat mit den Worten \u201e<em>now you can put Nutella on it<\/em>\u201c. Als Sara und ich uns daraufhin mit ekelverzerrtem Gesicht anschauten, bemerkte ich, dass wir uns wohl gut verstehen werden. Und dass sich \u00fcber Geschmack wohl streiten l\u00e4sst.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15829\" aria-describedby=\"caption-attachment-15829\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/26168772_1786074264798736_322350556449002459_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15829 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/26168772_1786074264798736_322350556449002459_n.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"538\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15829\" class=\"wp-caption-text\">Das Fr\u00fchst\u00fcck im Gemeindehaus bot Gelegenheit, sich kennenzulernen oder Brezeln mit Nutella zu verschandeln.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant zu sehen war aber vor allem, wie man selbst einen anderen Blick auf die eigene Kultur bekommt, wenn man mit Menschen zusammenkommt, die diese gerade kennenlernen: Da wird der D\u00f6ner schon mal zum \u201et\u00fcrkischen Hamburger\u201c. Ganz Unrecht hatte Sara damit wohl nicht, wohingegen mir \u201eschw\u00e4bische Spaghetti\u201c als Bezeichnung f\u00fcr Sp\u00e4tzle zu weit ging &#8211; da h\u00f6rt\u2019s dann wirklich auf!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die goldgelbe Leckerei der schw\u00e4bischen Hochkultur begleitete uns dennoch durch den gemeinsamen Monat. Als wir den Geburtstag von Alex, dem australischen Buddy einer meiner Freunde, in T\u00fcbingen feierten, kam das wohl herausragendste Erzeugnis deutscher Ingenieurskunst zum Einsatz: Die Sp\u00e4tzlespresse. Dabei sorgte wohl nicht nur der sperrige Name, sondern auch die Bedienung des befremdlichen K\u00fcchenutensils beim Geburtstagskind f\u00fcr Staunen. Ein &#8222;Kulturschock&#8220; \u00e0 la Sp\u00e4tzlespresse quasi.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">T\u00fcbingen warum bist du so h\u00fcgelig?<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der interkulturelle Austausch beschr\u00e4nkte sich jedoch nicht nur auf Kulinarisches. Schnell kamen wir T\u00fcbinger*innen mit den Internationalen auch \u00fcber Politisches, Pers\u00f6nliches oder Geschichtliches ins Gespr\u00e4ch. Der Australier Robert hatte ein Faible f\u00fcr politische Diskussionen, was mich als Politikstudent nat\u00fcrlich mit Freude erf\u00fcllte. Mit Sara gestaltete sich das zwar schwieriger, daf\u00fcr tauschten wir uns \u00fcber Famili\u00e4res und Rollenbilder in Deutschland und China aus. Selbst Landschaft und Natur wurden nat\u00fcrlich mit der heimischen verglichen, was Sara bei einem Spaziergang durch die Stadt die Aussage abrang, dass T\u00fcbingen ziemlich h\u00fcgelig sei. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5xBSrqpiiCk\">Warum wir dabei anfingen zu lachen und zu singen verstand sie erst, nachdem wir ihr die inoffizielle T\u00fcbinger Hymne zeigten. <\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/5xBSrqpiiCk\" width=\"1349\" height=\"480\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gesungen wurde auch am Interkulturellen Abend, eine der letzten Veranstaltungen im Rahmen des Programms. Ein chinesischer Student f\u00fchrte uns seine Version eines chinesischen Hits vor, gesungen durch das Handymikrofon, welches an alte PC-Boxen angeschlossen war. Besser gefiel mir dagegen das Video, das uns der indische Buddy eines Freundes vorf\u00fchrte: Ein professioneller indischer Volkstanz mit knallbunten Kost\u00fcmen, Musikinstrumenten und viel K\u00f6rpereinsatz. Zum Schluss erkl\u00e4rte er zu unserem Erstaunen, dass die Farben f\u00fcr verschiedene Regionen des Landes stehen und dass er selbst im Video tanzend zu sehen war. Obwohl der Vortrag zweier Brasilianerinnen \u00fcber ihr einzigartiges Heimatland auch interessant war, konnten der Tanzshow nur die Guaca-Maultaschen das Wasser reichen: gebratene Maultaschen mit Guacamole serviert, die geniale Erfindung eines T\u00fcbinger Studenten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn w\u00e4hrend der vielen Kurse und Exkursionen der Internationalen (an denen die T\u00fcbinger Buddies leider nicht teilnehmen durften) nicht immer viel Zeit blieb um gemeinsam etwas zu unternehmen, war die Teilnahme an dem Programm eine sch\u00f6ne und wertvolle Erfahrung. Zwischen den Problemchen, die der ungewohnte Alltag der Internationalen mit sich bringt, ob ausgefallene Heizung oder verlorener Schl\u00fcssel, bleibt doch immer Zeit nette Leute kennenzulernen, feiern zu gehen und die eigene Kultur einmal durch die Augen eines \u201e<em>Neigschmeckten<\/em>\u201c zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Buddy-Programm findet mehrmals im Jahr statt. Voraussetzungen um Buddy zu werden sind nur, dass man an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen studiert und \u00fcber Englischkenntnisse verf\u00fcgt. Bis zu 4 ECTS-Punkte k\u00f6nnen in dem Programm erworben werden. Anmelden kann man sich f\u00fcr das Programm im Januar noch bis Freitag 29. November,\u00a0 <\/em><a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/de\/57648\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>hier<\/em><\/a><em>. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Bilder<\/strong><\/span>: IES<span style=\"text-decoration: line-through;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24 internationale Studierende treffen auf 24 T\u00fcbinger*innen: Da ist Rummel vorprogrammiert. 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