{"id":15901,"date":"2019-06-28T10:02:50","date_gmt":"2019-06-28T10:02:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=15901"},"modified":"2021-02-19T17:55:49","modified_gmt":"2021-02-19T17:55:49","slug":"wie-wir-die-kurve-kriegen-ein-interview-mit-luisa-neubauer-und-caroline-kunz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/06\/28\/wie-wir-die-kurve-kriegen-ein-interview-mit-luisa-neubauer-und-caroline-kunz\/","title":{"rendered":"Wie wir &quot;die Kurve kriegen&quot; &#8211; Ein Interview mit Luisa Neubauer und Caroline Kunz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Ende Mai waren 3.000 Menschen im Zuge der Fridays for Future Demonstrationen allein in T\u00fcbingen auf der Stra\u00dfe. Kupferblau hat mit einer der bekanntesten Organisator*innen in Deutschland, Luisa Neubauer, und der T\u00fcbinger Aktivistin Caroline Kunz \u00fcber die Klimakrise, die Systemfrage und die Zukunft der Klimaschutzbewegung gesprochen.<\/strong> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: In Aachen waren nach Angaben von Fridays For Future (FFF) 40.000 Menschen auf der Stra\u00dfe am Freitag. Wart ihr da und wie war die Stimmung? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luisa<\/strong>: Ja, ich war da. Es war beeindruckend, es war unser Halbjahresstreik \u2013 der gr\u00f6\u00dfte Streik jemals in Deutschland mit FFF. Das spricht B\u00e4nde dar\u00fcber, wie gro\u00df die Unzufriedenheit mit der Regierung und wie gro\u00df die Motivation ist. 40.000 junge Menschen an einem Ort mit viel Musik, vielen tollen Reden und mit ganz viel Internationalit\u00e4t. Das ist nat\u00fcrlich eine sch\u00f6ne Veranstaltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caro<\/strong>: Ich war auch im Rheinland, aber nicht in Aachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Was hat euch politisiert und was motiviert euch zu eurem Engagement f\u00fcr den Klimaschutz?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caro<\/strong>: Ich hatte da ein einschneidendes Erlebnis. Ich war letztes Jahr im Oktober bei der Soli-Demo zu <em>Ende Gel\u00e4nde<\/em> und habe da zum ersten Mal einen Tagebau in live gesehen. Es f\u00fchlt sich einfach nur nach Zerst\u00f6rung an. Danach hat es bei mir Klick gemacht und dann bin ich irgendwie von Organisation zu Organisation getaumelt. Ich habe was gemacht bei Greenpeace und bei anderen Initiativen und dann haben wir hier im Januar die Ortsgruppe gegr\u00fcndet. Jetzt habe ich kaum noch Zeit f\u00fcr etwas anderes.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15908\" aria-describedby=\"caption-attachment-15908\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCF7434.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15908 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCF7434-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15908\" class=\"wp-caption-text\">Luisa Neubauer (23) studierte Geographie in G\u00f6ttingen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luisa<\/strong>: Mit dem Klima habe ich mich wie die meisten Leute in der Schule besch\u00e4ftigt. Das war so eine Doppelstunde im Erdkunde-Unterricht, eine Doppelstunde Klimawandel, dann eine \u00fcber Vulkane und eine zum Thema Wattenmeer. Ich fand es total krass, am Ende des Halbjahres hatten wir das alles gemacht und niemand hatte mehr Ahnung. Irgendwann habe ich ein bisschen mehr dazu gelesen und fand es merkw\u00fcrdig, dass wir sagen, es w\u00e4re ein gro\u00dfes Problem, aber gar nichts machen. Ich habe mich dann immer mehr damit besch\u00e4ftigt, weil ich dachte, irgendwas stimmt hier nicht. Aus dem Grund habe ich angefangen Geographie zu studieren, habe angefangen, das besser zu verstehen und habe mich auch im Klima- und Umweltbereich l\u00e4nger engagiert. Ich dachte immer, dass es zwar gut ist, das zu machen, aber dass es eine gew\u00e4hlte Regierung gibt, die sich darum k\u00fcmmert. Und es gab das Pariser Abkommen: Als es verabschiedet wurde war ich gerade 19, eigentlich in einer vollen Politisierungsphase und das hei\u00dft es war ja irgendwie klar, dass sich da jemand k\u00fcmmert. Und dann war Paris vorbei und es ging weiter und man h\u00f6rte aber \u00fcberall, dass eigentlich alles schlechter wird, obwohl es ja dieses Abkommen gab. Das hat uns sehr misstrauisch gemacht, und dann bin ich einmal zu einer Klimakonferenz hingefahren, habe mir das angeguckt letzten Dezember [<em>UN-Klimakonferenz in Katowice, Anm. d. R.<\/em>] und festgestellt, dass da ganz viel passiert, die Leute dort aber nicht die Welt oder unsere Zukunft retten werden. Bei der Klimakonferenz habe ich mit Greta \u00fcber ihren Streik gesprochen und dachte, wir brauchen vielleicht so etwas in Deutschland. Ich fand das war ein sehr beeindruckendes Konzept, ein Format des Widerstands. Und dann haben wir gestreikt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: So wie dir ging es auch vielen anderen, die durch Greta Thunberg motiviert wurden. Fridays For Future ist mittlerweile in Deutschland gut vernetzt. Aber vielleicht kannst du, Luisa, was dazu sagen, wie das international funktioniert. Aachen war zum Beispiel eine internationale Klima-Demo. Wie funktioniert der Kontakt zu Aktivist*innen im europ\u00e4ischen und auch im au\u00dfereurop\u00e4ischen Ausland? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luisa<\/strong>: Zum einen haben wir eine AG, die sich mit Internationalem besch\u00e4ftigt. Das sind Menschen, die ganz explizit daf\u00fcr verantwortlich sind, Kontakte herzustellen, zu pflegen und ab und zu zu internationalen Konferenzen zu fahren. Wie das so ist mit zwischenmenschlichem Austausch funktioniert ganz viel immer \u00fcber pers\u00f6nliche Treffen. Zum Beispiel hatten wir jetzt in Aachen ganz viele Menschen eingeladen, die wir schon kannten und die wir aus dem Ausland dazu geholt haben. Ich bin auch ein paar Mal mit Greta zusammen ins europ\u00e4ische Ausland gefahren und habe da Leute kennengelernt. Dar\u00fcber kennen uns auch viele. Und nat\u00fcrlich gibt es nochmal eine andere Ebene der Kommunikation, die entsteht, wenn man h\u00f6rt, dass andere Leute etwas machen. Leute aus Afrika oder aus Amerika schreiben mir, weil sie davon geh\u00f6rt haben, was wir machen, mich damit assoziieren und in den Austausch treten wollen. Es gibt jetzt im Sommer die erste internationale Konferenz in Lausanne in der Schweiz. Da fahren circa 17 von uns hin. Da bin ich nicht dabei, aber das wird glaube ich ein ganz gutes Ereignis. Der gro\u00dfe Vorteil ist, dass wir so digital sind. Wir sind immer vernetzt. Es ist recht unkompliziert, obwohl \u2013 und ich glaube das geht fast allen so, auch im Ausland \u2013 wir alle so wahnsinnig besch\u00e4ftigt sind vor Ort. Die Zusammenarbeit, die Kontaktpflege, der Austausch mit Menschen aus dem Ausland ist selten eine Priorit\u00e4t. Und das hei\u00dft wenn man sich sieht, ist das besonders wertvoll, aber es ist auch keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15906\" aria-describedby=\"caption-attachment-15906\" style=\"width: 448px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCF7444-e1561482510721.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15906 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCF7444-e1561482510721-448x672.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15906\" class=\"wp-caption-text\">Caroline Kunz (20) studiert Empirische Kulturwissenschaft an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Caro, Ende Mai waren in T\u00fcbingen 3.000 Menschen auf der Stra\u00dfe. Aus deiner Sicht: Was sind das f\u00fcr Leute, die auf die Stra\u00dfe gehen? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caro<\/strong>: Ich glaube es sind Menschen, die erkannt haben, dass eine Bambus-Zahnb\u00fcrste kaufen und die Gr\u00fcnen w\u00e4hlen nicht ausreicht, dass man sich irgendwie auch auf einer anderen Ebene politisch einbringen kann und muss. Demos sind einfach leicht zug\u00e4nglich. Im Vergleich zu Organisationen ist einmal die Woche auf die Stra\u00dfe gehen glaube ich relativ easy, auch wenn es teilweise schon mit Repressionen verbunden ist. In T\u00fcbingen sind es tats\u00e4chlich haupts\u00e4chlich Sch\u00fcler*innen, an Studis kommen wir leider nicht so gut ran. Ich kann das auch ganz gut nachvollziehen, weil wir eigentlich die Idee, die Ortsgruppe zu gr\u00fcnden, schon eine Woche nach dem ersten Streik in Berlin hatten. Wir waren aber nur Studis und dachten uns, wir lassen das erst mal die Sch\u00fcler*innen machen, wir wollten da nicht paternal sagen, dass sie streiken sollen. Dann kam leider nichts, dann haben wir es einfach trotzdem gemacht. Mittlerweile sind wir 50\/50 im Orga-Team und nicht mehr nur Studis. Eigentlich paradox, dass es haupts\u00e4chlich Studis organisieren und haupts\u00e4chlich Sch\u00fcler*innen hingehen. T\u00fcbingen ist eine Blase, in der die Klimakrise noch einmal abstrakter ist, weil hier zum Beispiel samstags der Bus kostenlos ist und die Stadtwerke haupts\u00e4chlich \u00d6kostrom beziehen. Dann f\u00e4hrst du ins Rheinland und siehst so eine Grube und bist w\u00fctend, aber wie willst du diese Wut nach T\u00fcbingen bringen? Das ist ein bisschen schwierig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Jetzt mal eine Frage an euch beide: Was ist f\u00fcr euch denn das Ziel von FFF? Einerseits h\u00f6rt man dieses Argument, \u201eWir wollen den Diskurs ansto\u00dfen, wir wollen, dass dar\u00fcber geredet und gehandelt wird\u201c, und andererseits kommen aber auch sehr konkrete politische Forderungen. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caro<\/strong>: Ich glaube man muss da kein \u201eentweder \u2026 oder\u201c daraus machen, es ist beides wichtig. Das \u00fcbergeordnete Ziel ist Klimagerechtigkeit und ich glaube man schafft keinen Systemwandel, ohne vorher alle Leute abzuholen und das schaffst du nur im Diskurs. Ich finde das hat den gleichen Stellenwert, f\u00fcr mich zumindest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luisa<\/strong>: Mittel zum Zweck. Am Ende des Tages bringt es dem Planeten nichts, wenn wir nur \u00fcber den Klimawandel reden oder \u00fcber die Klimakrise und wenn wir jeden Tag Systemwandel und Klimagerechtigkeit predigen, hat da niemand was davon. Wir sollten uns \u00fcberlegen, was uns in diese Krise gebracht hat, und das sind nun mal Kohle- und Gasverfeuerung. Nichts ver\u00e4ndert sich, wenn man es nicht erst mal zum Thema macht. Ich glaube, es ist an der Stelle entscheidend, dass man sich immer wieder darauf beruft, dass das noch \u00fcberhaupt nichts bringt auf geophysikalischer Ebene. Im Diskursiven, Politischen und Gesellschaftlichen sicherlich, im Medialen meinetwegen auch.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Fokus auf das gro\u00dfe Ganze, auf die Graphen, die die Kurve kriegen m\u00fcssen, ist entscheidend.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Luisa, wir hatten in den 80er Jahren schon mal eine Umweltbewegung, eine Friedensbewegung und eine Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland. Warum hat das nicht gereicht und was sind die Unterschiede zu FFF?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luisa<\/strong>: Die Emissionen seit den 70ern und 80ern in Deutschland sind nur unmerklich gesunken und nicht ann\u00e4hernd so weit, wie das h\u00e4tte passieren m\u00fcssen. Global sind sie weiter gestiegen. Obwohl damals das Umweltbewusstsein und die wissenschaftlichen Erkenntnisse schon da waren. Was in den 70ern und 80ern passiert ist, ist im Endeffekt eine andere Geschichte gewesen. Zum einen war das ganz eng verkn\u00fcpft mit einem kulturgesellschaftlichen Wandel, und es gab eine ganz konkrete Problematik: Die Ozonschicht, das Waldsterben in Deutschland und die Atomkraft. Das waren sehr konkrete, sehr greifbare und auch sehr l\u00f6sbare Probleme. Es war tats\u00e4chlich m\u00f6glich, in dem Rahmen Antworten zu finden, die der Sache gerecht werden konnten. Mittlerweile stehen wir vor einem Problem, das in der Komplexit\u00e4t weit dar\u00fcber liegt. Wo es keine einfachen L\u00f6sungen gibt, wo es eine neue Dringlichkeit gibt, eine ablaufende Zeit, die vielleicht so auch bei dem Ozonloch da war, aber halt ohne, dass es die eine Antwort gibt. In dem Sinne ist das eine sehr spannende Entwicklung gewesen, weil der Lerneffekt aus diesen Ereignissen war, dass man Klima- und Umweltprobleme l\u00f6sen kann, wenn man zusammenkommt und Entscheidungen trifft. Was der Lerneffekt aber nicht war, war die Erkenntnis, dass wir etwas verschlafen haben. Heute ist die Lage eine andere und ein Abkommen wie das Montreal-Abkommen damals wird es nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen. Wir als Bewegung sind vielleicht punktuell vergleichbar mit den Umweltbewegungen aus den Achtzigern. Im Erscheinungsbild, in der Kommunikation, der Art und Weise wie wir wen adressieren, aber stark neuartig.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15920\" aria-describedby=\"caption-attachment-15920\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/61126861_2399170240104290_4183022147410591744_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15920 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/61126861_2399170240104290_4183022147410591744_n.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"640\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15920\" class=\"wp-caption-text\">Ende Mai sollen 3.000 Menschen in T\u00fcbingen demonstriert haben,<a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2019\/03\/15\/klimaschutz-statt-kohleschmutz\/\"> im M\u00e4rz waren es 2.600<\/a>.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Jetzt ein Blick in die Zukunft, Caro. Was denkst du, wie sieht FFF in zehn Jahren aus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caro<\/strong>: Ich hoffe, dass es FFF in zehn Jahren nicht mehr geben muss. Tats\u00e4chlich. Klingt vielleicht naiv. Wenn wir es in zehn Jahren nicht geschafft haben, dann ist halt \u2013 dann ist das Schei\u00dfe. Wir haben ja nur noch elf Jahre. Kampflos aufgeben werden wir nicht, aber in der Form wird es uns nicht mehr geben, weil wir dann ganz andere Probleme haben werden. 400 Millionen Gefl\u00fcchtete sind die Prognose bis 2050. Ich glaube, wir m\u00fcssen uns langsam immer mehr an diese Systemfrage herantrauen. In einem kapitalistischen System, was auf Wachstum ausgelegt ist, auf einem Planeten zu leben, der nicht unendlich weit w\u00e4chst, ist unlogisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Das ist eine perfekte \u00dcberleitung zum Thema Nachhaltigkeit und Wachstum. Der \u00d6konom Niko Paech ist der Meinung, dass wir uns vom Wachstumsdogma l\u00f6sen m\u00fcssen, um eine \u00f6kologische Wende und die Bew\u00e4ltigung der Klimakrise zu erreichen. Er sagt<em>: \u201eDie bisherigen Versuche ein umweltvertr\u00e4gliches Wachstum durch technische Innovationen oder nachhaltige Produktdesigns zu erreichen sind rigoros gescheitert\u201c.<\/em> Stimmt ihr Paech zu? Was w\u00fcrde das f\u00fcr unser Wirtschaftssystem oder f\u00fcr unser System zu Leben bedeuten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luisa:<\/strong> Also Niko Paech argumentiert nat\u00fcrlich aus einer Perspektive heraus, die ich sehr nachvollziehen kann. Ich finde es aber ein bisschen undifferenziert, Wachstum pauschal abzulehnen. Wir m\u00fcssen mehr dar\u00fcber reden, welches Wachstum wir meinen. Es geht darum, dass wir quantitatives Wachstum zu qualitativem Wachstum transformieren und statt Wachstum im Sinne von Umsatz zum Beispiel Wachstum an Gl\u00fcck, Wohlstand, Zufriedenheit, Naturqualit\u00e4t, Lebensraum etc. erreichen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Eindruck ist, dass es das System \u00fcberhaupt nicht interessiert, ob wir die Systemfrage stellen oder nicht.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht vielmehr darum, dass wir Konzepte, Ideen, Visionen vorstellen, die tats\u00e4chlich an dem Punkt ansetzen, an dem wir gerade sind. Ich vermute auch, dass ein kapitalistisches Wirtschaftssystem und die \u00dcberwindung der Klimakrise schwer zu vereinbaren sind. Die letzten zehn Jahre wurde der Kapitalismus immer wieder sehr intensiv in Frage gestellt, angefangen mit Occupy Wall Street. Das hat sich aber nicht ausgedr\u00fcckt oder manifestiert in irgendwelchen konkreten \u00c4nderungen in der Wirtschaft, im Gegenteil: Wir haben einen entfesselten Kapitalismus, der die ganze Welt umspannt und um sich schl\u00e4gt. Meine Lehre daraus w\u00e4re, dass wir anders herangehen m\u00fcssen. Man sieht teilweise, dass das St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck geht. Es gibt immer mehr Unternehmen, die sich fragen, <em>wohin <\/em>sie wachsen wollen. Wir sehen, dass Japan seit zehn Jahren praktisch kein Wirtschaftswachstum verzeichnet und trotzdem immer noch da ist. Ich denke, dass wir in der Herangehensweise durchaus aggressiver sein m\u00fcssten, weil so ein softes \u201eWir \u00fcberlegen was Green Growth sein k\u00f6nnte und stellen fest, dass wir unsere Fl\u00fcge \u00fcberkompensieren, wenn wir Business Trips machen\u201c, das wird es nicht sein. Das war jetzt eine recht abstrakte Geschichte, aber das ist bei Wachstum die Krux.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Anschlussfrage an dich Caro: Wir haben im Moment keine wachstumskritische Kraft als Partei in Deutschland, auch die Gr\u00fcnen nicht. Was sagst du dazu? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caro:<\/strong> Ja, nat\u00fcrlich brauchen wir das. Wenn man eine FDP hat, die sagt, \u201eDer Markt regelt alles\u201c, braucht man nat\u00fcrlich irgendeine Gegenkraft, die sagt, \u201eNee, der Markt regelt gar nix, au\u00dfer vielleicht Profitmaximierung und Ausbeutung\u201c, also Ausbeutung von Menschen und der Natur &#8211; wobei der Mensch auch Natur ist, das kann man nicht so klar trennen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15916\" aria-describedby=\"caption-attachment-15916\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCF7545.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15916 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCF7545-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15916\" class=\"wp-caption-text\">Das Interview kam im Rahmen der <a href=\"https:\/\/mrw-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Menschenrechtswoche <\/a>zustande. Bis Samstagabend k\u00f6nnen noch vielf\u00e4ltige, interessante Veranstaltungen besucht werden.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Luisa, du hast gerade schon gesagt Verallgemeinerungen sind nicht hilfreich. Die Klimakrise bedroht zwar die Lebensgrundlage von uns allen, aber sie trifft den globalen S\u00fcden jetzt schon viel h\u00e4rter als uns im globalen Norden; Stichwort Klimakrise und Menschenrechte. Wie beurteilst du diese Ungleichheit und was bekommt ihr von Mitstreiter*innen im globalen S\u00fcden mit, die in einem ganz anderen Umfeld streiken als ihr hier? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luisa:<\/strong> Im globalen S\u00fcden ist nicht nur das politische Umfeld ein ganz anderes. Der Streik an sich hat viel mehr H\u00fcrden zu \u00fcberwinden, bis er dann auf der Stra\u00dfe ist. Da hei\u00dft, da wird gestreikt, durchaus pr\u00e4sent und organisiert, aber oftmals kleiner, weniger gut vernetzt und mit anderen Schwerpunkten. In Uganda zum Beispiel wird ganz viel gegen Plastik gestreikt, in Chile geht es nat\u00fcrlich viel um lokale Fischereien und um den Abbau von Rohstoffen, also durchaus mit anderen Problematiken, die vor Ort pr\u00e4sent sind. Aber wie gesagt, das \u00fcber Menschenrechte zu interpretieren, ist eigentlich der richtige Weg.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur, dass Lebensgrundlagen in Gefahr sind, sondern auch politische Rechte.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Menschen<\/em>rechte im weitesten Sinne, die dadurch, dass Menschen nicht streiken k\u00f6nnen, noch einmal eine ganz andere Aufmerksamkeit bekommen m\u00fcssen. Und ich glaube, da sind wir nicht gut genug drin, das zusammen zu denken. Nicht nur, dass Menschen bedroht sind von der Klimakrise und in Kenia, Uganda, Nigeria oder Bangladesch streiken, sondern dass selbst die Artikulation dieser Sorgen vor Ort durch politische Gewalt nicht erm\u00f6glicht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage, ob wir globale Ungleichheit als Klimagerechtigkeit framen k\u00f6nnen, ist sehr spannend. Meiner Ansicht nach ist ein gro\u00dfer Grund, warum wir seit 30 Jahren wissen was los ist und gerade in Deutschland, in einem der reichsten L\u00e4nder der Welt, nichts machen, dass wir \u00fcberhaupt nicht in irgendeiner Art verstanden haben, was Klimagerechtigkeit bedeutet. Wir sehen Klimaschutz stattdessen als ein Wohlstandsproblem von uns wohlst\u00e4ndigen L\u00e4ndern gegen\u00fcber dem \u201earmen\u201c globalen S\u00fcden, der betroffenen ist \u2013 uns betrifft es aber nicht. Das ist ein elit\u00e4res Problem in unserem Narrativ. Klimaschutz ist eine Sache, die man machen kann, aber niemand zwingt einen, weil es ja ein reiner Gefallen ist. Dass wir als die Nation, die mehr Treibhausgase kumuliert emittiert hat, als kaum ein anderes Land auf der Welt, in direkter historischer und moralischer Verantwortung stehen und auch hier zu sp\u00fcren bekommen was jetzt schon, in der Gegenwart, los ist, das haben wir nicht verstanden. Da haben wir uns ein Narrativ aufgebaut, was absolut desastr\u00f6s ist. Eine enorme Herausforderung ist gerade das zu transformieren in ein Narrativ, was es schafft Klimagerechtigkeit zu transportieren und eine Sprache f\u00fcr diese extreme Ungerechtigkeiten zu finden, die uns zu tats\u00e4chlichen Mitschuldigen machen und zu Mitverantwortlichen, in Partnerschaft mit anderen Teilen der Welt zu agieren. \u00a0Kann ich noch was erg\u00e4nzen? Mich st\u00f6rt, dass wir hier nur vom globalen Norden und globalen S\u00fcden reden, dabei gibt es auch in Deutschland und in Europa gro\u00dfe Diskrepanzen was die Art und Weise angeht, wie uns die Klimakrise betrifft, wie wir daran Schuld haben und verantwortlich sind. Da m\u00fcssten wir mehr Sensibilit\u00e4t schaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caro:<\/strong> Auf der anderen Seite ist es aber auch krass, wie die armen Leute instrumentalisiert werden von Menschen, die keinen Bock auf Kohleausstieg haben. <em>(zu Luisa)<\/em> Das hast du doch getwittert, mit diesem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Luisamneubauer\/status\/1140965434046464001\">\u201eOld White Men for Future\u201c?<\/a> Da ging es um jemanden, der keinen Bock mehr darauf hatte, st\u00e4ndig das Gesicht zu sein von den \u201earmen Menschen\u201c, die ja irgendwie ihre Lebensgrundlage verlieren w\u00fcrden, dadurch, dass man Klimaschutz macht. Dabei ist das ja nicht so, dass das nicht sozial vertr\u00e4glich ginge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luisa:<\/strong> Ja, oder was wir gerade in der Kohle erleben: 20.000 Arbeitspl\u00e4tze sind auf einmal ein Riesenthema. Die letzten 100.000 Arbeitspl\u00e4tze, die in der Branche verlorengegangen sind, haben niemanden gest\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caro:<\/strong> Und dass Arbeitspl\u00e4tze durch die Digitalisierung wegfallen ist irgendwie selbstverst\u00e4ndlich, aber wenn es um eine Energiewende geht, wird massiv blockiert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15913\" aria-describedby=\"caption-attachment-15913\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCF7522.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15913 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCF7522-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15913\" class=\"wp-caption-text\">Luisa Neubauer repr\u00e4sentierte die Fridays for Future Bewegung bislang in mehreren Fernsehsendungen, unter anderem bei Markus Lanz, Hart aber fair und Anne Will.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Caro, du hattest vorhin diesen Mann angesprochen, der sein Gesicht nicht mehr einspannen lassen wollte. Ihr habt mit Greta Thunberg auch ein Gesicht, das weltweit zur Ikone geworden ist. Inwiefern nutzt es eurem Anliegen und inwiefern vielleicht auch nicht?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caro:<\/strong> Ich glaube dadurch, dass eine Bewegung ein Gesicht hat, wird sie greifbarer und vielleicht auch zug\u00e4nglicher. Auf der anderen Seite macht man sich dadurch nat\u00fcrlich auch angreifbar, wenn dieses Gesicht Dinge tut, die Menschen nicht passen. Dann hei\u00dft es \u201eGreta hat xy gesagt, und deswegen seid ihr alle nicht mehr legitim in dem was ihr tut\u201c, was nat\u00fcrlich Quatsch ist. Und vielleicht ist es auch ein Problem, dass man durch einen Personenkult ganz viele Menschen ignoriert, die sich ja irgendwo auch den Arsch aufrei\u00dfen. Das wird halt nicht gesehen und das kann nat\u00fcrlich auch demotivierend sein. Wenn innerhalb von Deutschland zum Beispiel immer f\u00fcnf Menschen in der Presse sind und dann ruft Konstanz als erste Stadt den Klima-Notstand aus, aber dann sieht man kein Gesicht aus Konstanz in der Presse. Aber ich glaube, das ist ein mediales und kein inhaltliches oder innerstrukturelles Problem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Stichwort Medien: Du, Luisa, wirst in den Medien oft als \u201eGesicht von Fridays for Future Deutschland\u201c bezeichnet. Wie stehst du dazu und wie gehst du mit der Kritik an deiner Person um, die vor allem in sozialen Medien stattfindet?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luisa:<\/strong> Ich w\u00fcrde mich Caro anschlie\u00dfen. Protestforscher sagen, dass Bewegungen am st\u00e4rksten sind, wenn sie Gesichter haben, das macht sie signifikant \u2026 nachhaltiger im weitesten Sinne. Es erh\u00f6ht die Chancen, dass sie in irgendeiner Form damit Erfolg haben k\u00f6nnen. Das ist aber wichtig, aber entscheidend ist es, dass es nicht ein Gesicht ist, sondern mehrere Gesichter. Ich glaube, es gibt Statistiken dazu, was die beste Zahl w\u00e4re, f\u00fcnf bis zehn oder sowas. Ich denke schon, es ist okay, Personen zu haben, die mit der Bewegung assoziiert werden, es schafft enorme Anschlusspunkte. In L\u00e4nder wie \u00d6sterreich und der Schweiz dagegen findet bei FFF eine Medienrotation statt. Wenn jetzt Greta aber nach \u00d6sterreich eingeladen wird, dann hat sie dort keinen zentralen Ansprechpartner, dann fragen die Leute dort mich, ob ich sie anschreiben kann. Das sind so Kleinigkeiten, aber daran sieht man auch die Praktikabilit\u00e4t an so einem System.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Deutschland haben wir eine sehr m\u00e4chtige Presse, anders als in Frankreich oder England, wir haben eine enorme Pressepr\u00e4senz, und wir arbeiten seit Tag Null daran, dass sehr viele Leute gesehen werden. Aber es ist sehr z\u00e4h, und ich verbringe sehr viele Stunden damit, dass andere Menschen irgendwo medial pr\u00e4sent werden und das ist eine sehr undankbare Angelegenheit f\u00fcr alle Beteiligten. Nicht nur f\u00fcr mich ist das m\u00fchsam zu sagen \u201eNehmt bitte Person xy\u201c, es ist auch undankbar f\u00fcr die Person zu wissen, ich bin eigentlich nur zweite Wahl, und es ist auch undankbar f\u00fcr die Medien. Das ist eine Medienlogik, die sehr gegen die Bewegungslogik und gegen unsere gesellschaftliche Logik arbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass ausgerechnet ich das bin, erkl\u00e4rt sich dadurch, dass ich im ersten Monat eine wichtige organisatorische Rolle gespielt habe, da hatten wir einen gigantischen Streik in Berlin und es gab noch keine Ortsgruppe. Mittlerweile wird diese Bewegung getragen von so vielen Menschen, die ganz \u00e4hnliche Pensen erf\u00fcllen, wie ich das mache. Da hat sich viel verschoben, aber viel reproduziert sich auch wieder. Als im Januar und Februar eine Hasswelle \u00fcber mich kam, war das Thema in den n\u00e4chsten drei\u00dfig Interviews dieser Hass im Netz.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15915\" aria-describedby=\"caption-attachment-15915\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCF7553.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15915 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCF7553-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15915\" class=\"wp-caption-text\">Die FFF-Ortsgruppe T\u00fcbingen existiert seit Januar 2019. Das Plenum findet mittwochs 18 Uhr im Clubhaus statt.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Caro, was kann ich als Studierende*r an der Uni konkret tun, um die Klimakatastrophe aufzuhalten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caro:<\/strong> An der Uni f\u00e4llt mir gerade ganz aktuell unsere \u201etolle\u201c Mensa ein. Unser Studierendenwerk hat vor kurzem eine Nachhaltigkeitswoche gemacht. H\u00f6rt sich gut an, war es aber nicht. Es gab das gleiche Men\u00fc wie immer, nur dass es Nachhaltigkeitswoche hie\u00df und die CO2-Bilanz neben den Gerichten stand. Es hat irgendwie niemanden gest\u00f6rt, dass die CO2-Bilanz von dem Fleischgericht dreimal so hoch war wie die des vegetarischen. Innerhalb der Woche gab es dreimal Fleisch und zweimal vegetarisch und kein einziges Mal vegan. Zu propagieren, Fleisch k\u00f6nnte nachhaltig sein, ist ein Skandal finde ich. Wir haben dann um ein Statement gebeten, aber es kam keine Antwort. Dann haben wir kostenlos Essen verteilt an einem Tag an dem es Rindfleisch gab und dabei 250 Essen ausgegeben. Darauf kam auch keine Antwort. Mal gucken, wo das noch hinf\u00fchrt \u2026 also da kann man sich gerne beschweren beim StuWe! An der Uni selber kann man sich einbringen, indem man sich in irgendeiner Initiative engagiert, die sich f\u00fcr Nachhaltigkeit einsetzt, da gibt es ja viele. Und dann gibt\u2019s nat\u00fcrlich noch den Stura, der nat\u00fcrlich auch ein wichtiges Organ ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Ihr beide besch\u00e4ftigt euch jeden Tag mit den Auswirkungen des Klimawandels. Da kann man schon mal den Kopf in den Sand stecken. Wie k\u00f6nnt ihr euch \u00fcberhaupt noch motivieren?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luisa:<\/strong> Es gibt die sehr realistische Wahrscheinlichkeit, dass wir hier alles umsonst machen. Dass wir am Ende des Jahrhunderts dastehen mit 3,5 Grad Erw\u00e4rmung und uns die \u00d6kosysteme auseinanderrei\u00dfen und die Arten sterben und Leute keine Kinder mehr bekommen, weil die Welt so schrecklich ist. Und weil die Chance besteht, m\u00fcssen wir alles, was wir jetzt machen, mit guter Laune machen und an der Stelle auch \u00fcberlegen, wie wir das verbinden mit pers\u00f6nlicher Lebensqualit\u00e4t. Das ist worauf wir uns im Zweifel einlassen m\u00fcssen. Ganz ehrlich, ich finde auch, es ist alles irgendwie dramatisch und gruselig und man kriegt Weltschmerz, wenn man sich anguckt, was Wissenschaftler t\u00e4glich herausfinden, aber alles was wir machen, machen wir in bester Gesellschaft und zumindest an der Stelle mangelt es uns nicht. <em>[l\u00e4chelt]<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caro:<\/strong> Da w\u00fcrde ich mich anschlie\u00dfen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will nicht, dass ich mal Kinder habe, die mich fragen, warum ich nichts getan h\u00e4tte.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke immer Samstag bis Donnerstag, dass mir alles \u00fcber den Kopf hinausw\u00e4chst und dann ist Freitag und die Leute gehen auf die Stra\u00dfe und haben gute Laune und Bock, die Welt zu retten, und dann geht\u2019s mir wieder gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kupferblau: Vielen Dank f\u00fcr das Interview.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Interview<\/strong><\/span>: Clara Thier &amp; Florian Sauer<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Fotos<\/strong><\/span>: Thomas Dinges<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende Mai waren 3.000 Menschen im Zuge der Fridays for Future Demonstrationen allein in T\u00fcbingen auf der Stra\u00dfe. 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