{"id":16140,"date":"2019-07-11T15:45:53","date_gmt":"2019-07-11T13:45:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=16140"},"modified":"2019-07-11T15:45:53","modified_gmt":"2019-07-11T13:45:53","slug":"querfeldein-juan-guses-albtraum-miami","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/07\/11\/querfeldein-juan-guses-albtraum-miami\/","title":{"rendered":"Querfeldein: Juan Guses Albtraum-Miami"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Am Sonntag Abend organisierte der junge studentische Kulturverein <\/strong><\/em><em><strong><a href=\"https:\/\/de-de.facebook.com\/querfeldeinEV\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Querfeldein <\/a><\/strong><\/em><em><strong>zum T\u00fcbinger B\u00fccherfest eine Veranstaltung mit\u00a0 dem deutschen Schriftsteller und Soziologe <a href=\"https:\/\/www.fischerverlage.de\/autor\/juan_s_guse\/23355\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Juan Guse<\/a>, der Tr\u00e4ger des Hallertauer Literatur Preises ist. Im Ribingur\u016bmu hat er \u00fcber sein neues Buch &#8218;Miami Punk&#8216; gesprochen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Juan S. Guse, geboren 1989, studierte Kreatives Schreiben an der Universit\u00e4t Hildeshein und sp\u00e4ter Literaturwissenschaften und Soziologie in Hannover. Der aufstrebende Autor wurde bereits mit dem Hallertauer Deb\u00fctpreis und dem Literaturpreis der Stadt Hannover ausgezeichnet. F\u00fcr seine Erz\u00e4hlung\u00a0<em>Pelusa<\/em>\u00a0gewann Guse als einer der j\u00fcngsten Teilnehmer den Berliner Literaturwettbewerb Open Mike. Heute arbeitet Guse als Doktorand am Institut f\u00fcr Soziologie in Hannover.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16145\" aria-describedby=\"caption-attachment-16145\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-16145 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190707201635_IMG_39462-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16145\" class=\"wp-caption-text\">Der Schriftsteller erz\u00e4hlt von seinem Roman &#8218;Miami Punk&#8216;.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u00dcber<strong> das Buch<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als etwas \u201eHochtrabendes, zugespitzt Au\u00dfergew\u00f6hnliches\u201c &#8211; so beschreibt die Moderatorin das Buch &#8218;Miami Punk&#8216;, bevor sie die erste Frage an seiner Autor stellte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das im M\u00e4rz ver\u00f6ffentlichte Buch stellt ein dystopisches Miami dar, in dem der Atlantik sich pl\u00f6tzlich zur\u00fcckgezogen hat und das Gebiet zwischen Florida und den Bahamas sich in eine W\u00fcstenlandschaft verwandelt. Das Meer ist weg, und was bleibt ist eine verwirrte und apokalyptische Stadt. Es gibt keinen Tourismus mehr, die Wirtschaft ist zerst\u00f6rt und die meisten Menschen haben ihre Arbeit verloren. In dieser Welt dringt die virtuelle Realit\u00e4t in die Wirklichkeit, und k\u00fcnstliche R\u00e4ume vermischen sich mit echten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Games und Gamer sind ein wichtiger Bestandteil des Buchs. Ein Hauptcharakter ist die Computerspielentwicklerin Robin. Sie programmiert ein Spiel, das zugleich ein Virus ist und auf die pers\u00f6nlichen Dateien seiner Benutzer zugreift, um diese f\u00fcr die eigene Weiterentwicklung zu nutzen. Die Charaktere des Romans fliehen aus ihrem Alltag in die virtuelle Welt der Videospiele, wie es auch im echten Leben beobachtbar ist. Au\u00dferdem trifft der Leser auf eine Gruppe Wissenschaftler, die einen Grund f\u00fcr das Geschehene suchen, und auf die militante Gruppierung &#8222;Miami Punk&#8220;, die ebenfalls nach einer L\u00f6sung sucht.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine einzigartige Geschichte <\/strong><\/h3>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cErleuchtet sind die Stra\u00dfenz\u00fcge der einsamen Stadt, gewaltsam errichtet auf tropischem Sumpf. Wo alles lastet und wankt auf Millionen von Baupf\u00e4hlen aus Stahlbeton und Holz, vor Jahren und Jahrzenten von anonymen Arbeitern in Schwemmsand und Lehm gerammt&#8220;.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">So beginnt der 640 Seite lange Roman. Als Juan am Sonntag ein paar Fragmente liest spitzen die Zuschauer neugierig die Ohren.\u00a0 Alle bleiben ganz ruhig sitzen und lassen sich begeistern, denn die Moderatorin hatte Recht: So ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Buch findet man nicht oft. In dieser Stadt ohne Meer ist alles kurios; eine Alligatoren-Plage beherrschen zu m\u00fcssen ist da nur ein Besipiel.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16144\" aria-describedby=\"caption-attachment-16144\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-16144 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190707200957_IMG_3936-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16144\" class=\"wp-caption-text\">Gespannt h\u00f6ren die G\u00e4ste im Ribi dem Autor zu, wie er \u00fcber virtuelle Welten spricht.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch ist aus experimentellen Fragmenten aufgebaut. Die Teile liegen achronologisch verstreut im Buch herum. Die Perpektive wechselt oft, und zwischen den Fragmenten finden sich\u00a0 Drehbuchpassagen, Tagebucheintr\u00e4ge und Beh\u00f6rdendokumente. Realit\u00e4t und Fantasie sind vermischt. Trotz den magischen Elementen meint Juan, dass diese chaotische Gesellschaft sehr nah an unserer Realit\u00e4t sei.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Bedeutungsverlust und Arbeitslosigkeit<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Juan m\u00f6chte nicht, dass sein Buch in einem Satz zusammengefasst wird. Er argumentiert: \u201eEin Buch \u00fcber Jordanien in den 80er Jahren oder ein Buch \u00fcber die Schere zwischen Arm und Reich im Lateinamerika, ich mag das nicht\u201c. Vielleicht findet man\u00a0deswegen keinen einzigen Satz, der &#8218;Miami Punk&#8216; umfasst. Es soll nicht kategorisch gelesen werden, nicht als Buch \u00fcber Computerspiele, nicht als Buch \u00fcber eine virtuelle Realit\u00e4t oder als Buch der Gesellschaftskritik. Sein surrealistisches und zugespitztes Werk ist zu vielschichtig daf\u00fcr. Dem Autor nach ist allerdings Bedeutungsverlust ein Gef\u00fchl, das durch das ganze Buch wirkt. Denn die Charakteren verlieren den Sinn hinter der Welt, wie sie ist, und hinter ihrem Leben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16147\" aria-describedby=\"caption-attachment-16147\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-16147 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/20190707200929_IMG_3935-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16147\" class=\"wp-caption-text\">Juan Guse m\u00f6chte nicht, dass sein Buch in einem Satz zusammengefasst wird, wie er im Interview verr\u00e4t.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anderes Hauptthema des Buchs ist die Arbeitslosigkeit. Auch der ber\u00fchmte Schriftsteller Charles Bukowski erz\u00e4hlt im Gedicht \u201eMy father and the bun\u201c, wie w\u00e4hrend der Wirtschaftskrise in den USA in den 30 Jahren sein arbeitsloser Vater jeden Tag zur selben Zeit seinen Anzug anzog, das Haus verlie\u00df und zur\u00fcckkam, als ob er immer noch zur Arbeit ginge, obwohl alle wussten, dass er arbeitslos war. In \u201eMiami Punk\u201c\u00a0 gibt es eine \u00e4hnliche Figur, \u00a0einen Hafenarbeiter, der seinen Job nach der Schlie\u00dfung der Docks einfach imitiert. Arbeit ist mehr als einfach eine Besch\u00e4ftigung oder ein Weg, Geld zu verdienen. \u201eMiami Punk\u201c zeigt, dass Arbeit unser Verh\u00e4ltnis zur Realit\u00e4t ver\u00e4ndern kann und auf der Suche nach Bedeutung und Sinnhaftigkeit eine gro\u00dfe Rolle spielt.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Albtraum Miami<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieso ausgerechnet Miami? Eine fiktive Stadt w\u00e4re auch passend gewesen, meinte einer der Zuh\u00f6rer im Ribi, da das Buch ja sowieso mit Fantasie und eigenartigen Ph\u00e4nomenen umgehe. Auf diese Frage antwortete Juan er habe keine fiktive Stadt gew\u00e4hlt, damit unsere Realit\u00e4t enger mit dem Roman zu verbinden w\u00e4re. Das Miami der Geschichte sei ein Experiment, ein abstrakter Ort, eine Albtraum-Version des echten Miami. Daf\u00fcr sei die Stadt k\u00fcnstlich genug, auch, wenn er selbst nie in Miami war und die Stadt nur aus der Ferne untersucht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Gizem G\u00fcler<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag Abend organisierte der junge studentische Kulturverein Querfeldein zum T\u00fcbinger B\u00fccherfest eine Veranstaltung mit\u00a0 dem deutschen Schriftsteller und Soziologe Juan Guse, der Tr\u00e4ger des &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":371,"featured_media":16143,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,534,62,316],"tags":[11,174,34,222,1547,547,106,50,194,196,225,458,18,19,145,20,21,22,1336],"class_list":["post-16140","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-alltagswelten","category-kultur","category-studentenleben","tag-featured","tag-interview","tag-kultur","tag-kupferblau","tag-lesen","tag-lesung","tag-nachhaltigkeit","tag-unipolitik","tag-querfeldein-2","tag-ribingurumu","tag-sommer","tag-studenten","tag-studierende","tag-tubingen","tag-uni","tag-uni-tuebingen","tag-universitaet","tag-universitaet-tuebingen","tag-zukunft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16140","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/371"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16140"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16140\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16140"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16140"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16140"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}