{"id":16330,"date":"2019-08-21T14:20:29","date_gmt":"2019-08-21T14:20:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=16330"},"modified":"2021-02-17T22:48:16","modified_gmt":"2021-02-17T22:48:16","slug":"die-zukunft-der-gartensia-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/08\/21\/die-zukunft-der-gartensia-7\/","title":{"rendered":"Die Zukunft der Gartensia 7"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Seit einem Monat besteht die Besetzung der Gartenstra\u00dfe 7 nun. Wie sieht der ehemalige Gemischtwarenladen heute von innen aus? Und wie wird es weitergehen f\u00fcr das Haus und die BesetzerInnen? Wir waren vor Ort und haben uns durch das Haus f\u00fchren lassen.<\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Nur noch Pflanzen fehlen&#8220; ist die fettgedruckte \u00dcberschrift eines Zeitungsartikels, der an einer Wand des Gartensia-Caf\u00e9s prangt. Mittlerweile wirkt dieser Satz fast schon ironisch, denn das Haus quillt vor Pflanzen in allen Ecken fast \u00fcber, manche stecken gar in Ermangelung von Blument\u00f6pfen in alten Milchkartons. Sie alle stammen von anonymen Spendern und Spenderinnen, wie das meiste des Inventars: Die Couch im zweiten Stockwerk, die Feuerstelle im Garten, das Essen in den Vorratsregalen, sogar der gro\u00dfe K\u00fchlschrank. Selbst ein Handy wurde ihnen geschenkt, mit dem sie nun ihre Social-Media-Kan\u00e4le bedienen. Es geh\u00f6re zur \u201eMagie der Gartensia\u201c, dass immer wieder Leute mit Spenden vorbeikommen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, erkl\u00e4rt der 22-j\u00e4hrige Kolibri.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er und Emmi, 25 Jahre, geh\u00f6ren zu den &#8222;G\u00e4rtnerInnen&#8220;, wie sich die BesetzerInnen der Gartensia selbst nennen. Sie haben vor einigen Wochen das verlassene Geb\u00e4ude der Gartenstra\u00dfe 7 besetzt, geputzt, und in ein kostenloses Caf\u00e9 mit Wohnfl\u00e4che im zweiten Stock verwandelt. Mit der Besetzung protestieren sie gegen die in T\u00fcbingen herrschende Wohnungsnot und den Mangel an \u00f6ffentlichen Orten ohne Konsumzwang.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16337\" aria-describedby=\"caption-attachment-16337\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-16337 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/IMG_3957a-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16337\" class=\"wp-caption-text\">Im Gartensia-Caf\u00e9 gibt es keine Bedienung: Jeder kann etwas mitbringen, Geschirr m\u00fcssen die G\u00e4ste selbst sp\u00fclen.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das kostenlose Caf\u00e9 ist das Herzst\u00fcck des Hauses. Die Vision dahinter ist ein Begegnungsort f\u00fcr Menschen aller Alters- und Gehaltsklassen, so Emmi und Kolibri. Gerade f\u00fcr T\u00fcbinger Familien sei das ein sehns\u00fcchtig erwartetes Angebot. \u201eHier wurden schon viele wichtigen Telefonate get\u00e4tigt\u201c, meint Kolibri schmunzelnd mit Blick auf das ausrangierte Schnurtelefon in der Kinderecke. Besonders wichtig sei es, dass man sich nicht gezwungen f\u00fchlen darf, hier Geld auszugeben, obwohl Spenden gerne erw\u00fcnscht sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16339\" aria-describedby=\"caption-attachment-16339\" style=\"width: 1007px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-16339 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/IMG_3975a-1007x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1007\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16339\" class=\"wp-caption-text\">Der Ofen in der alten K\u00fcche im zweiten Stock ist noch immer betriebsbereit. In ihm werden die Kuchen f\u00fcr das Caf\u00e9 gebacken.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>R\u00e4umung wird nicht erwartet<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich als Erstes Zugang in das alte Geb\u00e4ude verschafft hat, wisse man laut Emmi nicht: \u201eDie T\u00fcr war eines Tages offen, Banner hingen aus den Fenstern, und dann sind immer mehr Leute gekommen\u201c. Der Makler sei nat\u00fcrlich nicht sehr erfreut dar\u00fcber, sei aber dennoch gegen\u00fcber den BesetzerInnen h\u00f6flich geblieben. Die Stadt ist hierbei der Vermittler zwischen beiden Seiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;G\u00e4rtnerin&#8220; Emmi ist seit den Anf\u00e4ngen der Gartensia mit dabei, schl\u00e4ft allerdings nicht dort. Sie hat bereits ein Zimmer in einem Wohnprojekt, welches auch aus einer Hausbesetzung heraus entstanden ist. T\u00fcbingen hat seit den 70er Jahren eine ganze Historie an Hausbesetzungen hinter sich. Diese nehmen sich die \u201eG\u00e4rtnerInnen\u201c als Vorbild. Durch die vorhergegangenen Besetzungen wisse man, dass die Stadt in solchen F\u00e4llen die sogenannte \u201eT\u00fcbinger Linie\u201c fahre. Diese sei auf Deeskalation durch Verhandlungen und Gespr\u00e4che ausgerichtet, erkl\u00e4rt Kolibri. Deshalb sehen die BesetzerInnen einer m\u00f6glichen R\u00e4umung eher entspannt entgegen. Auch Emmi ist dahingehend zuversichtlich: \u201eMan hat uns auch nicht den Strom und das Wasser abgedreht, das werten wir als gutes Zeichen\u201c.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Schuhe bitte ausziehen!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oben im zweiten Stock macht ein Schild neben der Wohnzimmert\u00fcr BesucherInnen klar: Hier ist schuhfreie Zone! Einige Meter weiter finden sich noch mehr Plakate mit den Hausregeln wie Klo putzen, das Treppenhaus fegen, und so weiter. \u201eViele Leute, die hierher kommen, sagen, sie h\u00e4tten noch nie so eine spie\u00dfige Hausbesetzung erlebt\u201c, erz\u00e4hlt Emmi lachend. Dadurch, dass die Besetzung auf l\u00e4ngere Zeit ausgelegt sei, brauche man nun mal Regeln f\u00fcr das Zusammenleben. Und das trage auch dazu bei, dass sie vonseiten der Stadt und des Maklers ernst genommen werden in ihren Absichten. Generell scheinen die &#8222;G\u00e4rtnerInnen&#8220; viel Wert auf sorgf\u00e4ltige Organisation zu legen: Die <a href=\"http:\/\/gartensia.noblogs.org\">Website<\/a> ist stets aktuell, ein Verein wurde bereits gegr\u00fcndet, Entscheidungen trifft man grunds\u00e4tzlich gemeinschaftlich im Konsensverfahren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16340\" aria-describedby=\"caption-attachment-16340\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-16340 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/IMG_3979a-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16340\" class=\"wp-caption-text\">Kehrwoche statt Hausrandale: Wer sich den &#8222;G\u00e4rtnerInnen&#8220; anschlie\u00dft muss mithelfen und einige Regeln beachten.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie geht es nun weiter?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wird nun also aus dem gro\u00dfen Haus mit direktem Blick auf den Neckar? Die BesetzerInnen stehen in Kontakt zu dem Makler, der die Besitzerin vor Ort vertritt, denn die betagte Dame wohnt nicht in T\u00fcbingen. Verhandlungen sind f\u00fcr September geplant, es h\u00e4tten bereits \u201ekonstruktive Gespr\u00e4che stattgefunden\u201c, so die beiden. Der Plan sei aus dem Haus ein soziales Wohnprojekt zu machen. Dazu h\u00e4tten sich VertreterInnen des Mietsh\u00e4usersyndikats in der Gartensia bereits vorgestellt. Der T\u00fcbinger Baub\u00fcrgermeister sowie Architekten h\u00e4tten sich vom Haus bereits auch selbst ein Bild gemacht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16338\" aria-describedby=\"caption-attachment-16338\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-16338 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/IMG_3964a-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16338\" class=\"wp-caption-text\">Die gr\u00fcne Terrasse offenbart einen direkten Blick auf den Neckar.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Option w\u00e4re laut den BesetzerInnen auch aus dem Geb\u00e4ude ein Kulturzentrum zu machen, in dem kostenlose Angebote wie Konzerte veranstaltet werden k\u00f6nnten. Doch all das bedarf einer Renovierung des alten Geb\u00e4udes \u2013 fr\u00fchester Bezugstermin w\u00e4re grob gesch\u00e4tzt in anderthalb bis zwei Jahren. Tats\u00e4chlich werden derzeit noch m\u00f6gliche MieterInnen gesucht, denn viele der aktuellen BesetzerInnen wohnen bereits in Wohnprojekten. Wer Interesse an einem potenziellen Zimmer h\u00e4tte, solle sich den &#8222;G\u00e4rtnerInnen&#8220; anschlie\u00dfen, um in die Planungen involviert zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis dahin werden die BesetzerInnen wohl noch in den Mauern der Gartensia verharren. Nachdem das Haus begr\u00fcnt wurde, ist der verwilderte Garten eines der n\u00e4chsten Projekte der &#8222;G\u00e4rtnerInnen&#8220;, wobei sie ihrem Namen alle Ehre machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos<\/span>: Leonie M\u00fcller<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":325,"featured_media":16336,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,316],"tags":[1315,912,5069,11,3542,5070,2490,5071,2231,2085,18,19,508],"class_list":["post-16330","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-studentenleben","tag-besetzung","tag-cafe","tag-familien","tag-featured","tag-gaerten","tag-gartensia","tag-hausbesetzung","tag-kostenlos","tag-palmer","tag-stadt","tag-studierende","tag-tubingen","tag-wohnungsnot"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16330","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/325"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16330"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16330\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23484,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16330\/revisions\/23484"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16330"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16330"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}