{"id":16355,"date":"2019-11-20T09:40:00","date_gmt":"2019-11-20T09:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=16355"},"modified":"2021-02-17T22:37:52","modified_gmt":"2021-02-17T22:37:52","slug":"wer-war-eigentlich-elfriede-aulhorn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/11\/20\/wer-war-eigentlich-elfriede-aulhorn\/","title":{"rendered":"Wer war eigentlich \u2026 Elfriede Aulhorn?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Tagt\u00e4glich kommen wir an Orten vorbei, die nach historischen Pers\u00f6nlichkeiten benannt wurden. <a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/cat\/artikelreihen\/wer-war-eigentlich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Doch wer waren diese Menschen und was leisteten sie, dass Stra\u00dfen, Pl\u00e4tze und Denkm\u00e4ler zu ihren Ehren erbaut wurden?<\/a> Dieses Mal geht es um eine bemerkenswerte Frau namens Elfriede Aulhorn, die trotz fr\u00fcher Schicksalsschl\u00e4ge die erste Professorin T\u00fcbingens wurde. Hier erfahrt ihr, wer sie war und was sie erreicht hat!<br \/><\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer schon einmal mit dem Bus\u00a0 oder ganz sportlich, mit dem Fahrrad den Schnarrenberg zu den Universit\u00e4tskliniken hochgefahren ist, dem ist der Name Elfriede Aulhorn vielleicht schon begegnet. Zwischen der HNO-Klinik, der Augenklinik und der BG-Klinik f\u00fchrt n\u00e4mlich die Elfriede-Aulhorn-Stra\u00dfe entlang. Doch wer war diese Frau, nach der nicht nur diese Stra\u00dfe benannt ist, <a href=\"https:\/\/www.medizin.uni-tuebingen.de\/uktmedia\/Forschung\/PDF_Archiv\/Newsletter\/Aulhorn_Preis_2016-port-10443-p-72110.pdf\">sondern zu deren Ehre auch ein Preis gestiftet wurde?<\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Hannover \u00fcber Umwege bis nach T\u00fcbingen<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/><\/strong>Elfriede Aulhorn kam am 8. Januar 1923 als Elfriede Andreae in Hannover zur Welt. Nachdem sie die Schule mit dem Abitur abgeschlossen hatte und einen einj\u00e4hrigen Arbeitsdienst abgelegt hatte, begann sie w\u00e4hrend des zweiten Weltkrieges ihr Medizinstudium an der Universit\u00e4t in Freiburg. Ihrer akademischen Laufbahn konnte sie allerdings nur kurze Zeit folgen. Nach einem Jahr wurde sie zum Kriegsdienst eingezogen und verbrachte die letzten Jahre des Krieges als Sanit\u00e4terin. Am Ende des Krieges arbeitet sie in der f\u00fchrenden Position eines Sanit\u00e4tsfeldwebels im Hamburger Luftschutzbunker.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16357\" aria-describedby=\"caption-attachment-16357\" style=\"width: 276px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Aulhorn_Elfriede.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-16357\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Aulhorn_Elfriede-559x672.jpg\" alt=\"\" width=\"276\" height=\"332\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16357\" class=\"wp-caption-text\"><em>Elfriede Aulhorn im Jahr 1970. (Quelle: Universit\u00e4tsarchiv T\u00fcbingen, S35\/1,446)<br \/><\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Ende des Krieges setzte Elfriede Aulhorn ihr Medizinstudium dann an der Universit\u00e4t in G\u00f6ttingen fort. F\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse war das nicht selbstverst\u00e4ndlich. Die Universit\u00e4ten standen einem Frauenstudium Mitte des 20. Jahrhunderts noch eher skeptisch gegen\u00fcber und bevorzugten meist die m\u00e4nnlichen Kriegsheimkehrer. Dass Aulhorn trotzdem einen Studienplatz bekam, lag vermutlich an ihrem Arbeits- und Kriegsdienst, den sie zwei Jahre geleistet hatte. An manchen Universit\u00e4ten galt in diesem Fall eine Ausnahmeregelung, von der vermutlich auch Elfriede Aulhorn profitierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend ihres Studiums lernte sie dann den Physiologen Otfried Aulhorn kennen. 1947 heirateten die Beiden und \u00a0kurze Zeit sp\u00e4ter brachte Elfriede Aulhorn die gemeinsame Tochter Dietlinde zur Welt. Doch eineinhalb Jahre nach der Hochzeit stand sie vor einem Schicksalsschlag: Ihr Mann stirbt an den Folgen seiner Kriegsverletzung. Schon mit 25 Jahren wird die Medizinstudentin alleinerziehende Mutter und Witwe. Eine herausfordernde Situation, fr\u00fcher wie heute. Trotzdem studiert sie weiter und schlie\u00dft ihr Studium 1950 mit dem Staatsexamen ab. 1952 promoviert Aulhorn dann mit ihrer Arbeit \u201e\u00dcber Fixationsbreite und Fixationsfrequenz beim Lesen gerichteter Konturen\u201c und zieht anschlie\u00dfend mit ihrer Tochter nach T\u00fcbingen, um an der Augenklinik eine Ausbildung zur Augen\u00e4rztin zu beginnen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>Pionierin an der Uni T\u00fcbingen<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/><\/strong>Bei einer Promotion sollte es f\u00fcr Aulhorn allerdings nicht bleiben. Nachdem sie ihre Ausbildung zur Augen\u00e4rztin abgeschlossen hatte, habilitierte sie 1961 mit einer preisgekr\u00f6nten Arbeit \u00fcber \u201e<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007%2FBF00684291\">Die Beziehungen zwischen Lichtsinn und Sehsch\u00e4rfe<\/a>\u201c. Anschlie\u00dfend lehrte sie ab 1962 als Dozentin und ab 1963 als au\u00dferordentliche Professorin an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Diese Position zu erreichen, war zu dieser Zeit ein gro\u00dfer Schritt. In den f\u00fcnfzehn Jahren vor Aulhorns Habilitation gab es in T\u00fcbingen nur drei Frauen, die eine Lehrberechtigung erlangten. Keine der drei Frauen erhielt aber tats\u00e4chlich eine Professur. Denn w\u00e4hrend es immer normaler wurde, dass Frauen studierten, waren weibliche Wissenschaftlerinnen noch rar und ungern gesehen. Elfriede Aulhorn war damit die erste lehrende Professorin an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen und setzte ein Zeichen f\u00fcr weibliche Wissenschaftlerinnen in der Universit\u00e4tsstadt. Als sie 1970 dann als erste Frau deutschlandweit einen Lehrstuhl im Bereich der Augenheilkunde erhielt, kn\u00fcpfte sie, vielleicht auch unbewusst, an ihre emanzipatorische Vorreiterrolle an.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16358\" aria-describedby=\"caption-attachment-16358\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3578.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-16358 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3578-1038x584.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"584\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16358\" class=\"wp-caption-text\"><em>1865 er\u00f6ffnete Albrecht Nagel eine private Augenklinik in der Wilhelmstra\u00dfe und f\u00f6rderte damit das Fachgebiet der Augenheilkunde. Heute steht die Augenklinik in der Elfriede-Aulhorn-Stra\u00dfe bei den Uni-Kliniken Berg und z\u00e4hlt zu den f\u00fchrenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis zu ihrer Emeritierung 1988 lehrte sie in T\u00fcbingen und leitete die Abteilung <a href=\"https:\/\/www.medizin.uni-tuebingen.de\/de\/Presse_Aktuell\/Einrichtungen+A+bis+Z\/Institute\/forschungsinstitut%20f%C3%BCr%20augenheilkunde\/pathophysiologie%20des%20sehens.html\">Pathologie des Sehens<\/a>. Sie spezialisiert sich dabei auf Nervenerkrankungen im Zusammenhang mit dem Sehsinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 4. M\u00e4rz 1991 verstarb Elfriede Aulhorn im Alter von 68 Jahren nach schwerer Krankheit in T\u00fcbingen. Einige Jahre nach ihrem Tod stiftet die \u201eGesellschaft zur F\u00f6rderung der neuroophtalmologischen Forschung e.V.\u201c zu ihrer Ehre den <a href=\"https:\/\/www.medizin.uni-tuebingen.de\/uktmedia\/Forschung\/PDF_Archiv\/Newsletter\/Aulhorn_Preis_2016-port-10443-p-72110.pdf\">Elfriede-Aulhorn-Preis<\/a>. Der Preis f\u00f6rdert WissenschaftlerInnen, die im Bereich der Physiologie und Pathophysiologie des Sehens, sowie der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neuroophthalmologie\">Neuroophthalmologie<\/a> forschen und arbeiten. Vor allem erinnert er aber an eine Frau, die als alleinerziehende Mutter eine bemerkenswerte und vorbildliche Laufbahn verfolgt hat.<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Titelbild<\/span><\/strong>: Frederike Streib<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagt\u00e4glich kommen wir an Orten vorbei, die nach historischen Pers\u00f6nlichkeiten benannt wurden. 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