{"id":17067,"date":"2019-11-27T19:30:03","date_gmt":"2019-11-27T18:30:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=17067"},"modified":"2019-11-27T19:30:03","modified_gmt":"2019-11-27T18:30:03","slug":"wer-war-eigentlichernst-bloch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/11\/27\/wer-war-eigentlichernst-bloch\/","title":{"rendered":"Wer war eigentlich\u2026Ernst Bloch?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Tagt\u00e4glich kommen wir an Orten vorbei, die nach historischen Pers\u00f6nlichkeiten benannt wurden. Doch wer waren diese Menschen und was leisteten sie, dass Stra\u00dfen, Pl\u00e4tze und Denkm\u00e4ler zu ihren Ehren erbaut wurden? Diese Woche haben wir einen der bekanntesten und ber\u00fcchtigsten Gastprofessore T\u00fcbingens im Fokus.\u00a0<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur wenn in T\u00fcbingen die <a href=\"https:\/\/www.blochwoche.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ernst und Karola Bloch Wochen<\/a> laufen lohnt es sich mehr \u00fcber den marxistisch gepr\u00e4gten Philosophen zu erfahren. Die ersten <a href=\"https:\/\/www.blochuni.org\/ueber\/geschichte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ernst-Bloch-Tage fanden im Jahr 1978 statt.<\/a> Seine Vita kann gelinde gesagt als turbulent bezeichnet werden: Eine umfassende akademische Ausbildung, viele Ortswechsel und die Flucht vor dem Naziregime als Sohn einer j\u00fcdischen Familie.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wer war Ernst Bloch und was hat er getan?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bloch war ein marxistisch gepr\u00e4gter Philosoph, der im 20. Jahrhundert gewirkt hat. Geboren ist er am 8. Juli 1885 in Ludwigshafen. Der Sohn eines j\u00fcdischen Eisenbahnbeamten begann im Jahr 1905, Philosophie, Physik, Germanistik und Musik in M\u00fcnchen zu studieren. Anschlie\u00dfend promovierte er an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg und befasste sich mit der modernen Erkenntnistheorie. W\u00e4hrend in Europa der Erste Weltkrieg tobte, zog er mit seiner damaligen Frau in die Schweiz und machte sich f\u00fcr die pazifistische Sache stark \u2013 er verfasste beispielsweise einen Essay, in dem er sich mit der Rolle und Funktion von politischen Anf\u00fchrern befasste: <em>\u00dcber den sittlichen und geistlichen F\u00fchrer<\/em>. Mit dieser Schrift wurde deutlich, dass sich Bloch zunehmend mit dem Leninismus und linker Weltanschauung besch\u00e4ftigte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17069\" aria-describedby=\"caption-attachment-17069\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-17069 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/bloch-2.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"212\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-17069\" class=\"wp-caption-text\">Ernst Bloch (2.v.r.) im Jahr 1971 in einem seiner Seminare, das er als Gastprofessor an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen hielt: Schein und Vorschein in der Kunst.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Zeit im Exil<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz nach Hitlers Machtergreifung wurde Ernst Bloch ausgeb\u00fcrgert, verlie\u00df zusammen mit seiner sp\u00e4teren (ebenfalls j\u00fcdischen) Frau, der Architektin Karola Piotrowska Deutschland und emigrierte in die Schweiz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der damals staatenlose Bloch verfasste in dieser Zeit ein Buch, in dem er sich gegen die Ideen des Nationalsozialismus aussprach: <em>Erbschaft dieser Zeit<\/em>, wodurch er gro\u00dfes Aufsehen erregte. Zwei Jahre sp\u00e4ter zog er nach Prag \u2013 dort kam auch sein einziges Kind zur Welt: Jan Robert Bloch, der wie sein Vater sp\u00e4ter an mehreren deutschen Universit\u00e4ten lehrte. Ende der 1930-er Jahre emigrierte Bloch schlie\u00dflich in die USA. Dort verfasste er auch eines seiner Hauptwerke: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Prinzip_Hoffnung\"><em>Das Prinzip Hoffnung<\/em><\/a><em>\u00a0und\u00a0Subjekt \u2013 Objekt. <\/em>Dort war er ebenfalls bei der Gr\u00fcndung des Aurora Verlags beteiligt, dessen Ziel es war, deutschen Autoren, die im amerikanischen Exil lebten, eine neue publizistische Plattform und Heimat zu geben.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Blochs Rolle bei der Studierendenbewegung 1968<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ernst Bloch betrachtete die Studierendenbewegungen der sp\u00e4ten Siebziger mit kritischem Wohlwollen. Er pflegte zu dem Wortf\u00fchrer der Studierendenbewegung in West-Berlin, Rudi Dutschke, eine enge Freundschaft. Dies lag unter anderem daran, dass Bloch in Dutschke jemanden sah, der seine Ideen weiterf\u00fchren k\u00f6nne. Teile der studentischen Aktivisten bezogen sich auch bei ihren Protestaktionen auf Blochs Schriften.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Ernst Bloch in T\u00fcbingen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 1960-er Jahren nahm Ernst Bloch &#8211; in inzwischen fortgeschrittenem Alter &#8211; eine Gastprofessur an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen an und hielt dort einige Seminare. Unter anderem wurde er auch in T\u00fcbingen (sowie den Universit\u00e4ten Zagreb und Sorbonne) mit der Ehrendoktorw\u00fcrde ausgezeichnet. Es gab sogar Bestrebungen, die Eberhard Karls Universit\u00e4t T\u00fcbingen zur Ernst Bloch Universit\u00e4t T\u00fcbingen umzubenennen \u2013 ausgehend vom Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) im Jahr 1977 \u2013 kurz nach Blochs Tod.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17548\" aria-describedby=\"caption-attachment-17548\" style=\"width: 474px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-17548 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/thDQ5Q2FT4.jpg\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"474\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-17548\" class=\"wp-caption-text\">Die Hochschulgruppe mit dem Namen Ernst Bloch Universit\u00e4t jedoch existiert noch heute.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Beschluss zur Umbenennung wurde jedoch im Jahr 2017 zur\u00fcckgenommen, da man bef\u00fcrchtete, dass sich nicht alle Studierenden mit der politischen Weltanschauung Blochs identifizieren k\u00f6nnten.\u00a0<br \/><br \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ernst Bloch ist im Jahr 1977 im Alter von 92 in T\u00fcbingen gestorben \u2013 seine Ideen und sein akademisches Wirken haben jedoch seinen Tod \u00fcberdauert und inspirieren noch heute Adressaten der unterschiedlichsten Gruppen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17547\" aria-describedby=\"caption-attachment-17547\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-17547 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/IMG_8004-896x672.jpg\" alt=\"\" width=\"896\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-17547\" class=\"wp-caption-text\">Den Grabstein von Ernst Bloch kann man sich auf dem T\u00fcbinger Bergfriedhof ansehen. Der Stein selbst ist mit einer philosophischen Inschrift versehen: Denken hei\u00dft \u00dcberschreiten.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p>Titelbild: Nicolas Oehler<br \/>Bild 1: Wikimedia Commons <br \/>Quelle: https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Bloch_Feb._1971.jpg<br \/>Bild 2: Ernst Bloch Uni T\u00fcbingen<br \/>Bild 3: Nicolos Oehler<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagt\u00e4glich kommen wir an Orten vorbei, die nach historischen Pers\u00f6nlichkeiten benannt wurden. 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