{"id":17093,"date":"2019-11-13T17:33:07","date_gmt":"2019-11-13T17:33:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=17093"},"modified":"2021-02-17T22:39:19","modified_gmt":"2021-02-17T22:39:19","slug":"hank-m-flemming-und-der-schokoladenpokal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/11\/13\/hank-m-flemming-und-der-schokoladenpokal\/","title":{"rendered":"Hank M. Flemming und der Schokoladenpokal"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>\u201eDer Ton funktioniert, das Licht funktioniert, das Publikum ist da. Wir k\u00f6nnen anfangen\u201c. Mit diesen befl\u00fcgelnden Worten leitete <\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/hankmflemming.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong><em>Hank M. Flemming<\/em><\/strong><\/a><strong><em> als Moderator am Montag den Best of Poetry Slam #2 im <\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/www.landestheater-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong><em>LTT<\/em><\/strong><\/a><em><b> ein. Und so lie\u00dfen die Poet*innen des Abends mit aller M\u00fche die Magie ihrer Worte erklingen, um nicht nur den Sieg, sondern auch den Gewinnerpreis mit nach Hause nehmen zu k\u00f6nnen: einen Pokal aus abgelaufener Schokolade.<\/b><\/em><\/p>\n\n<!--more-->\n\n<p class=\"wp-block-preformatted\" style=\"text-align: justify;\">Zum zweiten Mal fand der Best of Poetry Slam am vergangenen Montag im LTT in T\u00fcbingen statt. Bevor die Wettstreiter die Chance bekamen \u201eum die Gunst des Publikums zu buhlen\u201c, musste Hank M. Flemming, Moderator des Abends und S\u00e4chsischer Poetry-Slam-Meister 2019,&nbsp; erst einmal die Qualit\u00e4t des Applauses testen. Wer n\u00e4mlich den sagenumwobenen Pokal aus Schokolade gewinnen sollte, das hing vom Publikum ab. Es wurde also erst der \u201esolide 5 Punkte Applaus\u201c auf einer Skala von 1 bis 10 getestet, bevor die erste Poetin mit einem 10 Punkte Applaus auf die B\u00fchne gelockt wurde.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wohin kommt man ohne Fl\u00fcgel?<\/h3>\n\n<p class=\"wp-block-preformatted\" style=\"text-align: justify;\">Den Auftakt machte Elena Illing, eine T\u00fcbinger Newcomer Poetin mit ihrem Text \u201eWarum ich meine Jugend im Bett verbracht habe\u201c. Durch ihre malerischen Worte versank das Publikum in den Erinnerungen eines kleinen M\u00e4dchens, welches mit Ritterschwert und Feen-Fl\u00fcgeln durch den Wald sauste und sich von nichts aufhalten lie\u00df. Schlie\u00dflich wird das M\u00e4dchen von der grausamen Realit\u00e4t der Gegenwart wieder eingeholt. Rucksack und Schulstoff werden schwerer, ebenso das Herz. \u201eDie Fl\u00fcgel erst verletzt, dann ersetzt durch Schulterbl\u00e4tter, die schmerzen, weil ich zu viel sitze, zu viel tippe, zu viel nippe, an Dingen, die nicht f\u00fcr junge Leute sind.\u201c<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone size-medium wp-image-17095\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Elena-Illing-FAVORIT2-969x672.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17095\"\/><figcaption>Elena Illing ist bereits Darmst\u00e4dter U20-Meisterin 2019.<\/figcaption><\/figure>\n\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der poetischen Einstimmung auf den Abend begann das eigentliche Battle. Urspr\u00fcnglich sollten vier SlammerInnen gegeneinander antreten. Leider mussten die Zuh\u00f6rer jedoch wegen eines Zugausfalls auf den Auftritt von <a href=\"https:\/\/www.theresahahl.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Theresa Hahl<\/a> aus Bochum verzichten. Es blieben also drei m\u00e4nnlichen Kandidaten \u00fcbrig.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schneeflocken und sterbende Rentiere<\/h3>\n\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Anfang machte <a href=\"http:\/\/www.versschmied.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wehwalt Koslovsky<\/a>. Der Dichter und Gewinner des ersten Platzes der Poetry Slam-Weltmeisterschaften 2000 vertrat ganz klar die Aussage \u201eich reime, also bin ich\u201c. Seine Meta-Ballade \u201eAnstandslos \u2013 reimo, ergo sum\u201c veranschaulichte einen \u201efruchtlosen Diskurs\u201c zwischen seinem lyrischen Selbst und dem \u201eIdioten\u201c. Den besagten Idioten, einen griesgr\u00e4migen alten Mann, versuchte Koslovsky zu Jugendzeiten von der Bedeutung seines Reims zu \u00fcberzeugen. Auch in seinem zweiten Text vertrat er seine Lebensweisheit als Special Agent des \u201eReimdepartment FBI\u201c mit den Worten \u201elass den Reim in Frieden, Junge, solange ich Koslovsky hei\u00dfe\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Reimen konnte <a href=\"https:\/\/www.marvinsuckut.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Marvin Suckut<\/a> in seinem ersten Beitrag eher nicht punkten. \u201eDie \u00c4sthetik von Allem\u201c lautete der Name seines Textes. Diese sei ihm neben der spanischen Sprache und den unkaputtbaren Verpackungen von Scheren ein R\u00e4tsel. Wenn seine Freundin ihn frage ob ihr Oberteil sch\u00f6n sei, finde er: \u201eDa steht ganz klar der Nutzen vor der \u00c4sthetik\u201c. Seine Schuhe m\u00f6chte er am liebsten passend zu seinen F\u00fc\u00dfen und nicht zu der M\u00fctze. Nur bei Kunst und Katzenbabys k\u00f6nne er sich einen Reim auf \u00c4sthetik machen. Denn diese m\u00fcssten schlie\u00dflich einfach nur s\u00fc\u00df sein.&nbsp;<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone wp-image-17096 size-medium\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Mikrophon-1008x672.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17096\"\/><figcaption>Die Slammer hatten jeweils 12 Minuten Zeit, um das Publikum von der eigenen Life-Literatur zu begeistern.<\/figcaption><\/figure>\n\n<p style=\"text-align: justify;\">Suckuts zweiter Text handelte zur gro\u00dfen Erleichterung des Publikums nicht vom Brexit sondern von Weihnachten. Besser gesagt vom Weihnachtsmann und seinen Rentieren. Dass die Mischung von Vodka, Sauerkraut und Ecstasy t\u00f6dlich f\u00fcr Rentiere sein kann, musste wohl Blitzen (eines der fliegenden Rentiere des Weihnachtsmanns) am eigenen Leib erfahren. F\u00fcr die \u00fcbrig gebliebenen acht Rentiere hie\u00df es dann \u201epackt bei den Asiaten noch ein paar Kondome dazu, das kann so nicht weitergehen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu guter Letzt gab <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aron_Boks\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Aron Boks<\/a> seinen Text \u201eSchneeflocken in K\u00fcche und Wohnzimmer\u201c wieder, der die beiden Phasen eines Umzugs nach Berlin beschrieb. Die erste Phase der Euphorie und die zweite Phase nach \u00dcberleben der Zugfahrt. Mit Schneeflocken waren nat\u00fcrlich Spr\u00f6sslinge der Generation 1990 bis 2000 gemeint, welche \u201estetig am neu erfinden\u201c seien. Jeder versuche doch nur \u201eklug und charmant und lustig genug zu sein, um jemandem das Wasser reichen zu k\u00f6nnen\u201c. Man solle sich lieber warm anziehen im Leben und nicht wie alle anderen in der Masse versinken, war die Message.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">And the winner is\u2026<\/h3>\n\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem alle drei K\u00fcnstler ihre 12 Minuten Sprechzeit ersch\u00f6pft hatten und eine Pause gemacht worden war, um laut Hank M. Flemming an \u201efrische Feuchtware\u201c zu kommen, bekam nochmal jeder der Interpreten die Chance einen letzten Text vorzutragen. Das \u00fcbliche Finale fiel wegen der fehlenden letzten Kandidatin aus, deshalb wurde direkt im Anschluss der tosende Beifall bewertet. Schlie\u00dflich verlieh Hank den fast frischen (nur leicht durch das Scheinwerferlicht geschmolzenen) Schokoladenpokal an den K\u00fcnstler mit dem lautesten Applaus: Marvin Suckut.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone wp-image-17097 size-medium\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Hank-und-der-Schokopokal-2-1008x672.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17097\"\/><figcaption>Moderator des Abends und Poet Hank M. Flemming preist den Gewinn des Abends an: Einen Pokal aus abgelaufener Schokolade.<\/figcaption><\/figure>\n\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wie Hank M. Flemming so sch\u00f6n sagte, ging es schlie\u00dflich an diesem Abend nicht um das Gewinnen und um einen wertvollen Preis, sondern um die Poesie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/events\/450701618889815\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Am 20.11. findet der n\u00e4chste H\u00f6rsaal-Slam im Kupferbau statt.<\/a> Und wer sich selbst mal auf die B\u00fchne wagen will, der ist beim <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/events\/439111093410628\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Newcomer-Slam am 27.11.<\/a> im Friedrichs genau richtig.<\/em><\/p>\n\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Jennifer Heichel<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Ton funktioniert, das Licht funktioniert, das Publikum ist da. Wir k\u00f6nnen anfangen\u201c. Mit diesen befl\u00fcgelnden Worten leitete Hank M. 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