{"id":1712,"date":"2013-11-06T09:47:58","date_gmt":"2013-11-06T09:47:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1712"},"modified":"2021-02-21T13:14:13","modified_gmt":"2021-02-21T13:14:13","slug":"auf-beunruhigende-art-beunruhigend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2013\/11\/06\/auf-beunruhigende-art-beunruhigend\/","title":{"rendered":"Auf beunruhigende Art beunruhigend"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es herrscht allgemeine Betroffenheit nach dem Vortrag von Dr. J\u00fcrgen Wertheimer, Professor der Komparatistik. Es ist die erste Tagung in T\u00fcbingen, die mit dem Titel \u201eHesse reloaded\u2026\u201c das Werk Hesse und dessen Aktualit\u00e4t wieder in das Bewusstsein der Leser rufen will. Aber statt Lobeshymnen \u00fcber Hesse zum Besten zu geben, betitelt Wertheimer den Nobelpreistr\u00e4ger mit Namen wie Kuschelrambo oder spie\u00dfiger Au\u00dfenseiter.\u00a0<\/strong><br \/>\n<em>von Lisa Wazulin<\/em><br \/>\n<strong><!--more--><\/strong><br \/>\n\u201eHesse Literatur ist wie ein s\u00fcffiges Gebr\u00e4u, das unbeachtet, was darin herumschwimmt, vom Leser heruntergest\u00fcrzt wird.\u201c Mit Aussagen wie dieser hat der T\u00fcbinger Professor J\u00fcrgen Wertheimer der anf\u00e4nglichen und \u00fcberschw\u00e4nglichen Begeisterung des Publikums einen harten D\u00e4mpfer versetzt. &#8222;Unzumutbar, konfus und ohne jeglichen literarischen Anspruch&#8220; , so schlie\u00dft sich Wertheimer der allgemein in der deutschen Literaturwissenschaft geltenden Meinung an. Hesse selbst ist zu Lebzeiten und auch nach dem Tod nie ganz von der Literaturwissenschaft ernst- und wahrgenommen worden. Seit der Erscheinung des ersten Hesse Romans, entbrannten hitzige Debatten \u00fcber den Autor und seine Texte. Er polarisiert, kritisiert und besitzt das Talent, Kompliziertes einfach und verst\u00e4ndlich ausdr\u00fccken zu k\u00f6nnen. Hesse ist ein Autor mit deutlichem Hang zur Rebellion und Eigensinn. Gerade deswegen war es auch den Veranstaltern Sara Hauser und Tibor Schneider wichtig, beide Seiten der Debatte um Hermann Hesse einzuladen.<br \/>\n<strong><em>&#8222;Hesse S\u00e4tze sind unzumutbar, ich verweise sie auf die \u00e4sthetische Anklagebank!&#8220;<\/em><\/strong><br \/>\nTrotz grober Kritik am Autor und dessen Werk, verweilte Wertheimer nach seinen Vortrag noch einige Minuten im Saal, aus Respekt vor der anderen Seite. Die andere Seite, das sind vor allem internationale Literaturwissenschaftler und der eingeladene Dr. Volker Michels, Herausgeber der Werke des Nobelpreistr\u00e4gers Hesse durch den Suhrkamp Verlag. Ein bisschen peinlich ber\u00fchrt scheint der Professor am\u00a0 Ende doch gewesen zu sein, als er zum Abschied pers\u00f6nlich Michels beschwichtigend die Hand sch\u00fcttelt. Aber auch Michels hat einige Argumentationen auf Lager, die entwaffnend wirken: So sind es die Germanisten, die sogenannten Wettermacher des Kulturbetriebs, die den Exoten Hesse nicht als solchen wahrnehmen. Demnach verwirrt Hesse mit seinem konfusen, unstrukturierten Schreibstil und scheint mit seinem Werk einen Nerv getroffen zu haben, der besonders junge Menschen betrifft. Hesse Literatur interpretiert sich selbst, was die Forderung einer Analyse seiner Texte \u00fcberfl\u00fcssig macht und somit auch die Literaturwissenschaft selbst. Sein Eigensinn, der sich in seiner Literatur wiederfindet, verhilft dem Leser\u00a0 zu \u201eeiner abenteuerlichen Erforschung zu sich selbst\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es herrscht allgemeine Betroffenheit nach dem Vortrag von Dr. J\u00fcrgen Wertheimer, Professor der Komparatistik. 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