{"id":17170,"date":"2019-11-17T15:10:56","date_gmt":"2019-11-17T14:10:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=17170"},"modified":"2019-11-17T15:10:56","modified_gmt":"2019-11-17T14:10:56","slug":"xaelz-fuer-die-genossen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/11\/17\/xaelz-fuer-die-genossen\/","title":{"rendered":"X\u00e4lz f\u00fcr die Genossen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Postwachstums-\u00d6konom Niko Paech sprach bei der Vorstellung der neuen T\u00fcbinger Regionalgenossenschaft. Dabei wurde klar: Lebensmittelwirtschaft h\u00e4ngt mit ganz sch\u00f6n vielen Aspekten zusammen und ist auf allen Ebenen politisch.<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einheimische und gut integrierte \u201aNeigschmeckde\u2018 wissen genau, was \u201aGs\u00e4lz\u2018 bedeutet: Der Begriff ist eine schw\u00e4bische Bezeichnung f\u00fcr selbst eingekochte Marmelade. Seit kurzem allerdings hat das kultig-urige W\u00f6rtchen eine weitere Bedeutung hinzugewonnen \u2013 zumindest in der Region T\u00fcbingen und Umgebung. Denn am Freitagabend stellte sich in der Herrmann Hepper-Halle die neue T\u00fcbinger Regionalgenossenschaft vor, welche die Lautschrift des s\u00fc\u00dfen Brotaufstrichs als ihren Namen gew\u00e4hlt hat: X\u00e4ls.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17171\" aria-describedby=\"caption-attachment-17171\" style=\"width: 903px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-17171 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/1-903x672.jpg\" alt=\"\" width=\"903\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-17171\" class=\"wp-caption-text\">Rund 400 Menschen zog es zu der Vorstellung der Genossenschaft und dem Vortrag von Niko Paech.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">X\u00e4ls will regionale Erzeuger*innen (also Landwirte), Verarbeiter (Metzgereien, B\u00e4ckereien,&#8230; ), H\u00e4ndler und Verbraucher*innen an einen Tisch bringen und hat dabei ein klares Ziel vor Augen: Biologischer und regionaler Landwirtschaft eine Zukunftsperspektive zu bieten. Schlie\u00dflich wird es f\u00fcr Unternehmen, die auf diese beiden Qualit\u00e4tsmerkmale Wert legen, immer schwieriger, dem wachsenden Konkurrenzdruck Stand zu halten. X\u00e4ls-Mitinitiator Michael Schneider vom T\u00fcbinger Marktladen erkl\u00e4rte den interessierten Zuh\u00f6renden: \u201eIm Bio-Bereich sehen wir seit 10 Jahren einen Strukturwandel, der uns alle irgendwann erwischt\u201c. Das hei\u00dft: Dadurch, dass gro\u00dfe Discounterketten den Markt f\u00fcr regionale und biologische Produkte erschlossen haben, wird die Luft f\u00fcr diejenigen, die wirklich aus der Region kommen, immer d\u00fcnner. Schneider ist der \u00dcberzeugung:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eF\u00fcr die Gro\u00dfen geht es bei dem Begriff \u201aRegion\u2018 nur um Marketing.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<figure id=\"attachment_17172\" aria-describedby=\"caption-attachment-17172\" style=\"width: 868px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-17172 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/2-1-868x672.jpg\" alt=\"\" width=\"868\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-17172\" class=\"wp-caption-text\">F\u00fcr Michael Schneider arbeitet \u201aX\u00e4ls\u2018 f\u00fcr drei Dinge: Die Sicherung der regionalen Lebensmittelwirtschaft, Kooperation statt Konkurrenz und f\u00fcr die Verbraucher.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Professor Paech, der Postwachstums-Papst<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn die neu gegr\u00fcndete Genossenschaft im Mittelpunkt stand, war wohl f\u00fcr viele im Publikum der Auftritt von Professor Niko Paech das Highlight des Abends. Der <a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2017\/12\/05\/weizenbier-und-wirtschaftskritik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Postwachstums-Professor<\/a> ist schon fast sowas wie ein Star in dem links-alternativen Milieu, dass man in T\u00fcbingen so h\u00e4ufig antrifft wie kaum anderswo. Das wichtigste Argument von Paechs Forschung k\u00f6nnte man folgenderma\u00dfen herunterbrechen: Auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen ist unendliches Wachstum nicht m\u00f6glich. Aus seiner Perspektive m\u00fcssen wir vor allem im Angesicht der globalen \u00f6kologischen Krise unseren Konsum verringern. Hierbei sieht er explizit die Verbraucher in der Pflicht, denn: \u201eDie Politik ist l\u00e4ngst \u00fcberfordert damit, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu verfolgen, die mehr als Symbolik ist\u201c, so seine Beobachtung. Paech meint: \u201eReduktion hei\u00dft nicht immer Verzicht, sondern kann lebensrettend sein\u201c und illustrierte die These mit einer Metapher. Bef\u00e4nden wir uns in einem Hei\u00dfluftballon, der eine gro\u00dfe Menge an Gold und Schmuck im Gep\u00e4ck hat und sich im Sinkflug befindet, w\u00fcrden wir dann lieber etwas von den Wertsachen abwerfen oder in den sicheren Tod st\u00fcrzen? Ein krasses Beispiel von unn\u00f6tigem \u00dcberkonsum ist f\u00fcr den Wachstumskritiker der Umstand, dass in unseren Breiten ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte aller Lebensmittel weggeworfen werden. Das f\u00fchrt er unter anderem darauf zur\u00fcck, dass wir durch das st\u00e4ndige \u00dcberangebot im Discounter um die Ecke den Bezug zur Erzeugung unseres Essens verloren haben. Genau an diesem Punkt schl\u00e4gt Paech die Br\u00fccke zur\u00fcck zum eigentlichen Anlass des Abends mit dem Satz: \u201eDie R\u00fcckkehr zur Regionalit\u00e4t ist die R\u00fcckkehr zur Verantwortlichkeit\u201c, und spricht eine klare Investitionsempfehlung aus: \u201eWenn sie Geld vern\u00fcnftig anlegen wollen, kaufen sie Genossenschaftsanteile.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_17173\" aria-describedby=\"caption-attachment-17173\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-17173\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/3-1038x574.jpg\" alt=\"\" width=\"1038\" height=\"574\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-17173\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Nichts und niemand h\u00e4lt uns davon ab, unser Geld Projekten zu geben, die unsere Lebensgrundlagen sicherstellen&#8220;, meint Niko Paech.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Alle Genoss*innen bestimmen mit<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus sieben Partnerbetrieben besteht X\u00e4ls bislang, neben dem T\u00fcbinger Marktladen geh\u00f6rt zum Beispiel das Rottenburger Hofgut Martinsberg und die Reutlinger B\u00e4ckerei Berger dazu. Freundinnen und Freunde regionaler und \u00f6kologischer Lebensmittelerzeugung- und Verarbeitung k\u00f6nnen sich f\u00fcr je 100\u20ac Genossenschafts-Anteile erwerben, hinzu kommt ein j\u00e4hrlicher Mitgliedsbeitrag von weiteren 100\u20ac. Jedes Genossenschaftsmitglied darf dann an der j\u00e4hrlichen Generalversammlung teilnehmen und kann durch seine Stimme mitbestimmen, wohin sich die Genossenschaft entwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit konkreten Projektideen konnten die Initiatorinnen und Initiatoren bei der Vorstellung noch nicht aufwarten, was f\u00fcr leichten Unmut in der anschlie\u00dfenden Fragerunde sorgte. Allerdings, so Michael Schneider, h\u00e4tte die Genossenschaft sich bewusst daf\u00fcr entschieden, noch nicht zu konkrete Vorstellungen auszuarbeiten, da man den neuen Genossinnen und Genossen von Anfang an die Chance geben wolle, mitzugestalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Bilder:<\/u> Michael Schlegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Postwachstums-\u00d6konom Niko Paech sprach bei der Vorstellung der neuen T\u00fcbinger Regionalgenossenschaft. 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