{"id":17266,"date":"2019-11-19T19:00:13","date_gmt":"2019-11-19T19:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=17266"},"modified":"2021-02-17T22:38:08","modified_gmt":"2021-02-17T22:38:08","slug":"verschleppt-und-zur-arbeit-gezwungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/11\/19\/verschleppt-und-zur-arbeit-gezwungen\/","title":{"rendered":"Verschleppt und zur Arbeit gezwungen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges wurden mehr als 1600 M\u00e4nner und Frauen nach T\u00fcbingen rekrutiert, um Zwangsarbeit zu leisten. Sie hatten keine Rechte und ihre Herkunft bestimmte, wie sie behandelt wurden. Die Wanderausstellung \u201e<a href=\"https:\/\/www.tuebingen.de\/stadtmuseum\/26956.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zwangsarbeit in T\u00fcbingen &#8211; Ich habe hier meine Jugend und meine Gesundheit verloren<\/a>\u201c, die momentan im <a href=\"https:\/\/www.tuebingen.de\/stadtmuseum\/#\/27061\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stadtmuseum<\/a> zu sehen ist, bietet einen Einblick in die tragischen Lebens- und Arbeitsbedingungen dieser Menschen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMich pers\u00f6nlich erinnert der Zwangsaufenthalt in der sch\u00f6nen Universit\u00e4tsstadt T\u00fcbingen an die gr\u00f6\u00dfte Gewalt und Trag\u00f6die meines Leben[s] [\u2026]\u201c, schreibt der ehemalige polnische Zwangsarbeiter Wiktor M. in einem Brief im Jahr 1990. Um tragische Geschichten wie die von Wiktor M. aufzuarbeiten, hat der Verein Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus e.V. (LDNS) eine Wanderausstellung organisiert, die momentan ihre erste Station im Stadtmuseum hat. Durch Zitate, Fotos und Briefe kommen hier die Opfer der Zwangsrekrutierungen selbst zu Wort und erz\u00e4hlen von einem Lebensalltag voller Torturen und ohne Rechte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17267\" aria-describedby=\"caption-attachment-17267\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-17267\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Bild-1-1010x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1010\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-17267\" class=\"wp-caption-text\">Viele Arbeiter*innen mussten Abzeichen tragen. Polen \u201eP&#8220; und Ostarbeiter ein \u201eOst&#8220;-Abzeichen.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Zur Zwangsarbeit nach T\u00fcbingen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um deutsche Arbeitskr\u00e4fte zu ersetzen, die im Krieg eingesetzt waren, wurden w\u00e4hrend der Herrschaft des NS-Regimes bis zu 13,5 Millionen ausl\u00e4ndische Arbeiter*innen nach Deutschland verschleppt und zur Arbeit zwangsverpflichtet. Auch nach T\u00fcbingen. Hier war zum Ende des Krieges jeder Zw\u00f6lfte ein Zwangsarbeiter. Die Frauen und M\u00e4nner arbeiteten unter anderem f\u00fcr die Reichsbahn, in R\u00fcstungsbetrieben, auf Bauernh\u00f6fen und in der Universit\u00e4tsklinik. Meist unter schlechten Bedingungen. In 36 bewachten Lagern wurden sie in ganz T\u00fcbingen untergebracht und lebten zusammengepfercht ohne jegliche Privatsph\u00e4re. Nach den nationalsozialistischen Rassenkategorien hierarchisierte man die Menschen und behandelte sie dementsprechend. Zwangsarbeiter*innen aus verb\u00fcndeten Staaten waren bessergestellt als beispielsweise Arbeiter*innen aus Polen, Juden und Sinti und Roma. Doch alle litten unter Diskriminierung, Ausgrenzung und st\u00e4ndiger \u00dcberwachung. Von \u00f6ffentlichen Veranstaltungen wurden die Menschen ausgeschlossen und durften nur an gesonderten Orten ihre freie Zeit verbringen. Eine Eingliederung in die T\u00fcbinger Gesellschaft war damit nahezu unm\u00f6glich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17269\" aria-describedby=\"caption-attachment-17269\" style=\"width: 497px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-17269\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Bild-2-497x672.jpg\" alt=\"\" width=\"497\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-17269\" class=\"wp-caption-text\">Arbeitskarte f\u00fcr ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte in T\u00fcbingen.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Mit dem Erinnern beginnen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Ende des Krieges im Mai 1945 waren die Zwangsarbeiter*innen frei. Viele kehrten in ihre Heimatl\u00e4nder zur\u00fcck oder wanderten aus. Lange gerieten ihre Geschichten in Vergessenheit. Erst ab den 1980er Jahren wurden die Geschehnisse\u00a0 langsam aufgearbeitet &#8211; als Opfer des NS-Regimes wurden die Zwangsarbeiter*innen jedoch erst 56 Jahre sp\u00e4ter anerkannt. Die Bundesregierung veranlasste ab 2001 erste Entsch\u00e4digungszahlungen. Doch viele der Opfer warten noch heute auf eine Anerkennung. Mit der Wanderausstellung will der Verein LDNS nun \u00fcber die T\u00fcbinger Geschichten aus der Zeit 1939-1945 aufkl\u00e4ren und eine Erinnerungskultur f\u00fcr die Opfer der Zwangsarbeit schaffen.<\/p>\n<p>Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Januar 2020 im dritten Stockwerk des Stadtmuseums T\u00fcbingen zu sehen. Der Eintritt ist frei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span> Stadtarchiv T\u00fcbingen, E 419\/10, Stadtarchiv T\u00fcbingen, D 150\/060-000\/09, Stadtarchiv T\u00fcbingen, D 150\/060-000\/08<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges wurden mehr als 1600 M\u00e4nner und Frauen nach T\u00fcbingen rekrutiert, um Zwangsarbeit zu leisten. 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