{"id":17664,"date":"2019-12-05T13:20:39","date_gmt":"2019-12-05T12:20:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=17664"},"modified":"2019-12-05T13:20:39","modified_gmt":"2019-12-05T12:20:39","slug":"als-kind-hatte-ich-angst-vor-menschen-mit-behinderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2019\/12\/05\/als-kind-hatte-ich-angst-vor-menschen-mit-behinderung\/","title":{"rendered":"\u201eAls Kind hatte ich Angst vor Menschen mit Behinderung.\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>In \u00fcber 100 deutschen St\u00e4dten wurde am Dienstagabend der Film \u201eMenschsein\u201c vorgef\u00fchrt. Mit den Worten \u201eAls Kind hatte ich Angst vor Menschen mit Behinderung\u201c begann der Film eines T\u00fcbinger Realschullehrers, der sich auf eine Reise durch 23 Nationen gewagt hatte. Getrieben wurde er von der Frage \u201eWas hat verdammt nochmal Menschsein mit Behinderung zu tun?\u201c. Mehr \u00fcber die Filmvorf\u00fchrung und die Hintergr\u00fcnde erfahrt ihr hier.<\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 3. Dezember war internationaler Tag der Menschen mit Behinderung. An diesem Tag begann ebenfalls die Veranstaltungsreihe \u201e10 Jahre Erkl\u00e4rung von Barcelona\u201c in T\u00fcbingen. Die Erkl\u00e4rung von Barcelona, die T\u00fcbingen vor 10 Jahren unterschieb, hat zum Ziel, Menschen mit Behinderung am Leben in der Kommune vollumf\u00e4nglich teilhaben zu lassen. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung am Dienstagabend in der Aula (Uhlandstra\u00dfe) wurde der Film \u201eMenschsein\u201c des T\u00fcbinger Realschullehrers Dennis Klein vorgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-17677\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/DSC00583-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eIch<strong> wei\u00df nicht, wie das ist.\u201c<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch wei\u00df nicht, wie das ist, im Zug Probleme beim Einsteigen zu haben oder im Supermarkt nicht an neu einger\u00e4umte Lebensmittel zu gelangen.\u201c Die T\u00fcbinger B\u00fcrgermeisterin f\u00fcr Soziales, Ordnung und Kultur, Daniela Harsch er\u00f6ffnete die Veranstaltung am Dienstag mit einer Rede. Sie sprach von dem, was in T\u00fcbingen im Bereich der Barrierefreiheit schon alles erreicht wurde, wie beispielsweise die Absenkung von Bordsteinen oder die Inklusion in Kitas und Schulen, dass aber auch noch viel zu tun sei. Immer wieder lie\u00df sie ehrlich ihre pers\u00f6nliche Unsicherheit beim Thema Inklusion durchblicken, da sie schlichtweg nicht in der Situation der B\u00fcrger mit Behinderung sei und meinte, dass sie eben \u201enicht wei\u00df, wie das ist\u201c.<\/p>\n<h3><strong>Der Film und seine Wirkung<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Film begleitet die Reise des T\u00fcbinger Realschullehrers Dennis Klein, der f\u00fcr ein Jahr durch 23 Nationen weltweit reist, getrieben von der Frage, was Menschsein mit Behinderung zu tun haben soll. Ohne Ber\u00fchrungspunkte mit Menschen mit Behinderung zu haben, entwickelt Dennis Klein beim Aufwachsen eine Angst vor dem Anderssein dieser Menschen. Ausrufe wie \u201eDu bist doch behindert\u201c sind Alltag. Seine Perspektive \u00e4ndert sich, sobald er pers\u00f6nliche Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit Behinderung macht. Es werden Aufnahmen von Jugendlichen auf einer inklusiven Freizeit gezeigt, die beim gemeinsamen Fu\u00dfballspielen ihren Spa\u00df haben. Dennis Klein meint, es sei dort komplett selbstverst\u00e4ndlich, dass alle Teilnehmer gleichwertig sind. Doch sobald die Freizeit endet und man wieder zur\u00fcck in der \u201erealen Welt\u201c ist, sei doch alles anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Reise f\u00fchrt ihn durch das afrikanische Lesotho, Indien, Guatemala, Neuseeland und viele weitere Nationen, die unterschiedlicher nicht sein k\u00f6nnten. Die Verkn\u00fcpfung von Behinderung und dem Leben in Armut, das oft menschenunw\u00fcrdige Dasein, der Ausschluss aus der Gesellschaft\u2026 Oft trifft Dennis Klein Menschen, die ganz auf sich allein gestellt sind. M\u00e4dchen, die aufgrund ihrer Behinderung und dem Scham ihrer Familien noch nie das Haus verlassen haben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-17678\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/DSC00594-1008x672.jpg\" alt=\"\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aufnahmen des Films ber\u00fchrten und erschreckten. Die gemischten Gef\u00fchle, die Dennis Klein offensichtlich selbst durchgemacht hat, \u00fcbertrugen sich auf die Zuschauer. Gef\u00fchle der Betroffenheit, der Wut und der Ungerechtigkeit. Doch es wurde auch gelacht. Es gab auch Lichtblicke. Der Film zeigt wie Ehrenamtliche, die nicht vergeblich auf staatliche Hilfe warten wollen, Projekte starten, die Bildung und Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderung zum Ziel haben. Die Aussage der Ehrenamtlichen ist klar: \u201eInklusion findet dort statt, wo man nicht dar\u00fcber reden muss.\u201c Dort, wo es eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit ist.<\/p>\n<h3><strong>\u201eKein Film kann die Welt ver\u00e4ndern, aber\u2026\u201c<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Ende der Veranstaltung fand Dennis Klein selbst noch Worte zu seinem Film. Ihm sei es wichtig, dass man durch den Film seinen eigenen Umgang reflektiert. Der Film solle einen Prozess in den Zuschauern ausl\u00f6sen. \u201eKein Film kann die Welt ver\u00e4ndern.\u201c, erkl\u00e4rte er ganz realistisch, doch durch kleine Impulse k\u00f6nne viel Ver\u00e4nderung stattfinden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17666\" aria-describedby=\"caption-attachment-17666\" style=\"width: 721px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-17666 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Mensch-sein-3.jpg\" alt=\"\" width=\"721\" height=\"480\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-17666\" class=\"wp-caption-text\">Dennis Klein berichtet \u00fcber die Entstehung des Films und beantwortet Fragen der Anwesenden.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><br \/>Die Veranstaltung endete mit den Worten \u201eEs ist normal, verschieden zu sein\u201c, woraufhin Dennis Klein noch erg\u00e4nzte, dass aber durch Begegnungen auch viele Gemeinsamkeiten der Menschheit entdeckt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos<strong>:\u00a0 <\/strong><\/span>Maren Luithlen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":375,"featured_media":17665,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,534],"tags":[577,5238,11,3211,344,5239,2811,179,5240,18,19,145],"class_list":["post-17664","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-alltagswelten","tag-barcelona","tag-erklaerung-von-barcelona","tag-featured","tag-filmvorfuehrung","tag-inklusion","tag-menschen-mit-behinderung","tag-menschsein","tag-sozial","tag-sozialbuergermeisterin","tag-studierende","tag-tubingen","tag-uni"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17664","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/375"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17664"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17664\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}