{"id":1807,"date":"2013-11-11T00:57:13","date_gmt":"2013-11-11T00:57:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1807"},"modified":"2021-02-21T13:10:37","modified_gmt":"2021-02-21T13:10:37","slug":"wettstreit-der-liedermacher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2013\/11\/11\/wettstreit-der-liedermacher\/","title":{"rendered":"Wettstreit der Liedermacher"},"content":{"rendered":"<p dir=\"ltr\"><strong>T\u00fcbingen ist um ein Kulturevent reicher geworden: Am 9.11.2013 startete der erste T\u00fcbinger Song Slam im L\u00f6wen. Bei dem ausverkauften Wettbewerb sangen Liedermacher aus ganz S\u00fcddeutschland um den Sieg. Moderiert wurde der Slam vom Quatsch-Philosophen H\u00e4ns D\u00e4mpf.<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\"><em>von Patrick Sorg<\/em><\/p>\n<p dir=\"ltr\"><!--more--><\/p>\n<p dir=\"ltr\">\u201eKomm wir gehn zum Arbeitsamt und machen ne Umschulung\u201c H\u00e4ns D\u00e4mpf, Chaot, Philosoph und Die Partei Mitglied, m\u00f6chte heute mal nicht Stuttgart in einen Stausee verwandeln, \u00a0sondern mit Gitarre und Gesang die Jury pr\u00fcfen. Sie besteht aus zuf\u00e4llig aus dem Publikum ausgew\u00e4hlten Personen. Diese Jury darf bis zur Finalrunde mit Punkten dar\u00fcber entscheiden, welcher K\u00fcnstler weiterkommt. Um sie zu \u00fcberzeugen, darf jeder Liedermacher beziehungsweise jede Gruppe zwei Songs spielen. Gecoverte Lieder sind strengstens verboten.<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><strong><em>Singer-Songwriter in allen Variationen<\/em><\/strong><\/p>\n<div>\u00a0Den Anfang machte Chantal Fatale mit Madam Lou von den \u201cTea Time Puppets\u201d aus Stuttgart. Sie spielen mit Ziehharmonika und gedoppeltem Gesang Folk-Songs mit ganz besonderem Charme. Darauf folgte Johanna Herdtfelder aus Reutlingen. \u201eBeziehungen sind Dauerbaustellen wie Stuttgart 21\u201c, so k\u00fcndigt sie ihren ersten Song an. Allein mit Gitarre und ihrer Stimme bezaubert sie das Publikum mit melancholischen Singer-Songwriter Kl\u00e4ngen und bildet damit einen Kontrast zu der heiteren Musik von Chantal Fatale und Madam Lou. Sp\u00e4testens jetzt ist das Publikum im ehemaligen Kinosaal voll bei der Sache. Das Duo \u201cElling\u201d f\u00e4llt zuerst durch das h\u00f6here Alter im Vergleich zu den sonst eher studentischen K\u00fcnstlern auf. Wegen des Ordnungsamts, witzelt H\u00e4ns D\u00e4mpf, w\u00fcrden die Beiden sonst eigentlich immer nur auf dem Stocherkahn musizieren. Das Duo spielt soliden Pop-Rock mit eing\u00e4ngigen Refrains, sticht dabei aber nicht durch besondere Originalit\u00e4t hervor. Allerdings binden sie als einzige das Publikum als Background-Chor ein. Mit \u201eNo Hurry in Universe\u201c sorgen die zwei Studenten von \u201cHead and Heart\u201d f\u00fcr Begeisterung im alten Saal. Ihr Mix aus Gesang und Rap gespickt mit gelegentlichen Gitarreneinlagen \u00fcberzeugt das Publikum. Die Veranstalter haben eine abwechslungsreiche Vorauswahl getroffen &#8211; jeder K\u00fcnstler deckt einen anderen Bereich des Singer-Songwriter-Spektrums ab, sodass sich nichts wiederholt. Die Band \u201cL&#8217;Ami \u2013 Die Liedermacher\u201d spielt, rhythmisch durch Kontrabass und Cajon unterst\u00fctzt, einen experimentellen Folk, der mal lustig, mal melancholisch und mal nachdenklich \u00fcber das Leben nachdenkt. Die \u00d6kogeologen haben dabei vor allem das Studentenleben im Visier. Den Abschluss des ersten Durchlaufs macht Laurin Freiberg aus Freiburg. Sein erster Song \u201eDie To-do-Liste\u201c l\u00e4sst seinen Wortwitz schon erahnen. Mit seinem Song Augenlied, in dem er beschreibt, wie sich das Auge f\u00fchlt, wenn es das Lid verl\u00e4sst und in die Welt hinausgeht, scheint er den Humor des Publikums endg\u00fcltig getroffen zu haben.<\/p>\n<div><em>\u00a0<strong>\u201cIch bin trisexueller Fallobstveganer\u201d<\/strong><\/em><\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<p dir=\"ltr\">Eben dieses Publikum ist f\u00fcr T\u00fcbinger Verh\u00e4ltnisse \u00e4u\u00dferst zahlreich. Scheinbar haben nicht einmal die Veranstalter mit einer solchen Nachfrage gerechnet. Schon eine halbe Stunde vor Beginn war der Slam komplett ausverkauft.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Die zweite Runde findet dann ohne Chantal Fatale und Elling statt \u2013 sie bekommen nicht genug Punkte von der relativ ausgeglichenen Jury. In dieser Runde treten immer zwei Slampoets in Gruppen gegeneinander an. L&#8217;Ami \u2013 Die Liedermacher nehmen das alternative T\u00fcbinger Lebensgef\u00fchl mit Zeilen wie \u201eIch bin ein trisexueller Fallobstveganer\u201c oder \u201cHier ist die Moral zu Hause\u201d \u00a0auf den Arm und siegen damit \u00fcber \u201cHead and Heart\u201d. In der anderen Gruppe unterliegt Johanna Herdtfelder knapp Laurin Freiberg, der mit \u201eVaginal mit einem Wal\u201c wieder einmal \u00a0Lachkr\u00e4mpfe bei den Zuh\u00f6rern ausl\u00f6st. D\u00e4mpf muss zunehmend das Tempo steigern, weil mittlerweile schon seit fast drei Stunden geslammt wird. In der Finalrunde misst Moderator H\u00e4ns D\u00e4mpf mit seiner \u201eMess-App\u201c die L\u00e4nge des Applauses. Ob dieses App einwandfrei funktioniert, ist jedoch fraglich. Allerdings kann man auch ohne \u201cMess-App\u201d erkennen, dass der Sieger des Abends Laurin Freiberg hei\u00dfen soll. Und so \u00fcberreicht ihm D\u00e4mpf auch die goldene Spaghettisch\u00fcssel. Es ist bereits seine zweite Sch\u00fcssel, die andere hat er beim Stuttgarter Slam gewonnen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><strong><em>Altbackene Kunstformen?!<\/em><\/strong><\/p>\n<div>\n<p dir=\"ltr\">F\u00fcr die einen sind Slams ein Spiegel unserer konkurrenzorientierten Leistungsgesellschaft, f\u00fcr die anderen ein Mittel, um als altbacken geltende Kunstformen, wie Dichtung und Liedermacherei, in ein moderneres Umfeld zu \u00fcbertragen. Konkurrenz gab es schon immer in der Kunst, ist jedoch nicht Kern dieser Veranstaltung. Es geht vor allem darum, mit Wortwitz und viel Inhalt seinen Spa\u00df zu haben. In T\u00fcbingen ist das gelungen. Hoffentlich wird es in Zukunft noch mehr Sieger beim T\u00fcbinger Song Slam geben. Es w\u00e4re eine Bereicherung f\u00fcr das st\u00e4dtische Kulturleben.<\/p>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00fcbingen ist um ein Kulturevent reicher geworden: Am 9.11.2013 startete der erste T\u00fcbinger Song Slam im L\u00f6wen. 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