{"id":181,"date":"2011-02-15T19:44:49","date_gmt":"2011-02-15T19:44:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=181"},"modified":"2021-02-21T14:01:57","modified_gmt":"2021-02-21T14:01:57","slug":"ein-exot-auf-universitarem-parkett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2011\/02\/15\/ein-exot-auf-universitarem-parkett\/","title":{"rendered":"Ein Exot auf universit\u00e4rem Parkett"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bereits zum WS 2011\/2012 werden die ersten Studenten ihr Studium am neuen Zentrum f\u00fcr islamische Theologie aufnehmen. Die Grundsteine sind bereits gelegt, es bleibt aber noch vieles zu planen, noch mehr umzusetzen \u2013 und die Uhr tickt.<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Arial,serif;\">von <\/span><span style=\"font-family: Arial,serif;\"><em>Hannah Kommol<\/em><\/span><span style=\"font-family: Arial,serif;\"> und <\/span><span style=\"font-family: Arial,serif;\"><em>Isabel Kommol<\/em><\/span><\/span><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,serif;\">Mit dem \u201eZentrum f\u00fcr islamische Theologie\u201c kommt eine, f\u00fcr die deutsche Hochschullandschaft, neue und junge wissenschaftliche Disziplin an die Eberhard Karls Universit\u00e4t. Seinen Exotenstatus erh\u00e4lt das Zentrum zum einen dadurch, dass es deutschlandweit nur ein einziges Pendant in M\u00fcnster\/Osnabr\u00fcck gibt. Zum anderen weil es sich im Gegensatz zu den bereits bestehenden s\u00e4kularen Islamwissenschaften erstmals um ein islamisches Theologiestudium handeln wird. Dementsprechend k\u00f6nnen sich die zuk\u00fcnftigen Absolventen zu Imamen, muslimischen Religionslehrern oder Sozialarbeitern ausbilden lassen. Auch Anstellungen bei der Presse, in Kommunen oder bei Vereinen und Verb\u00e4nden sind denkbar. Hier werden sich die Berufsfelder, in denen die Absolventen dann tats\u00e4chlich Fu\u00df fassen k\u00f6nnen, erst im Laufe der Zeit herauskristallisieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,serif;\"><strong>Interdisziplinarit\u00e4t hat einen hohen Stellenwert <\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,serif;\"> Zun\u00e4chst werden alle Studenten im vierj\u00e4hrigen Bachelor b\u00fcffeln. Arabisch wird Pflichtfach sein, da zur Lekt\u00fcre des Korans in der Originalsprache alle f\u00e4hig sein sollen. Weiter wird auf die Interdisziplinarit\u00e4t im Studium Wert gelegt. M\u00f6glichkeiten hierf\u00fcr bieten unter anderem die P\u00e4dagogik, die Medienwissenschaften, die Rhetorik oder auch die Soziologie. Der Besuch von Lehrveranstaltungen dieser Fachrichtungen k\u00f6nnte bis zu einem Drittel der zu belegenden Kurse ausmachen. Viel weiter ist die Planung zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht gediehen. So hat das Asien-Orient-Institut bisher keine genauen Infos f\u00fcr eine Kooperation erhalten. Und dies, obwohl der Planungsaufwand bei interdisziplin\u00e4ren Lehrveranstaltungen besonders gro\u00df ist. Bisher lediglich pers\u00f6nlicher Wunsch von Rektor Bernd Engler ist ein verpflichtender Auslandsaufenthalt der Studierenden. Nach zwei Jahren gemeinsamer Grundlagen werden sich die Studenten dann spezialisieren und dies im Master vertiefen k\u00f6nnen. Doktoranden promovieren an einem Graduierten-Kolleg und auch einige Postdoktoranden sollen noch Unterschlupf finden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,serif;\">Jene k\u00f6nnen sp\u00e4ter sogar auf eine Anstellung in T\u00fcbingen hoffen. Es ist denkbar dass der eigene, gut ausgebildete Nachwuchs m\u00f6gliche L\u00fccken im Lehrk\u00f6rper schlie\u00dfen wird. Denn diese Problematik zeigt sich bereits jetzt schon mehr als deutlich. Die Seltenheit des neuen Fachbereichs macht die Suche nach geeigneten Professoren au\u00dferordentlich schwierig. So gibt es bspw. f\u00fcr das islamische Recht in Deutschland lediglich zwei Experten. Aus diesem Grund werden die zu besetzenden Professuren international ausgeschrieben. Zus\u00e4tzlich fordert auch das Prinzip der Bestenauslese seinen zeitlichen Tribut. Trotzdem sollen, so der ehrgeizige Plan, bereits zu Beginn des WS 11\/12 drei bis vier der sechs Lehrst\u00fchle fest besetzt sein. Die Abdeckung dann noch offener Fachgebiete soll durch Gastprofessoren gew\u00e4hrleistet werden. Diese m\u00fcssen selbstverst\u00e4ndlich \u2013 wenn nicht deutschsprachig \u2013 so wenigstens des Englischen sehr gut m\u00e4chtig sein, um Sprachbarrieren zwischen Professoren und Studenten zu vermeiden. Grund zur Sorge, man hole sich radikale Ansichten und \u00dcberzeugungen ins Haus, bestehe nicht. \u201eDenn die Auseinandersetzung mit dem Islam auf wissenschaftlichem Niveau l\u00e4sst dieses Risiko verschwindend gering werden\u201c, so Rektor Prof. Engler.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,serif;\"><strong>Keine dritte theologische Fakult\u00e4t<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,serif;\">Zum Start im Winter dieses Jahres wird das Zentrum f\u00fcr islamische Theologie 40 Erstsemestern seine T\u00fcren \u00f6ffnen.<\/span><span style=\"font-family: ArialMT,serif;\"> Diese Anzahl wird in den folgenden Jahren konstant bleiben.<\/span><span style=\"font-family: Arial,serif;\"> F\u00fcr eine vollwertige Fakult\u00e4t ist das Zentrum daher vorerst zu klein. Eine Gleichstellung mit den bestehenden Fakult\u00e4ten soll aber selbstverst\u00e4ndlich gew\u00e4hrleistet sein. Daf\u00fcr wird ein ihnen analoger Rechtsstatus geschaffen. Rektor Bernd Engler hebt ausdr\u00fccklich hervor: \u201eEs wird jedoch keine Sonderrolle im universit\u00e4ren Gebilde geben\u201c. F\u00fcr die r\u00e4umliche Unterbringung muss eine \u00dcbergangsl\u00f6sung gefunden werden. Die Villa K\u00f6stlin und die Alte HNO Klinik haben es in die engere Auswahl geschafft. Die Entscheidung, welches Geb\u00e4ude die Studenten beherbergen wird, steht aber noch aus. In drei bis vier Jahren soll der eigens f\u00fcr das Zentrum geplante Neubau realisiert sein. Dieser wird sich dann in unmittelbarer N\u00e4he zu den anderen beiden Theologien befinden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,serif;\">Das Interesse an den Studienpl\u00e4tzen kann bisher niemand einsch\u00e4tzen. Daher ist eine zulassungsfreie Einschreibung vorgesehen. Sollte es zu viele Bewerber geben, lassen sich Zulassungsvoraussetzungen aber nicht vermeiden. Ob die Abiturnote oder eine Aufnahmepr\u00fcfung ausschlaggebend sein wird, ist noch nicht entschieden. Die Zahl der Neuank\u00f6mmlinge k\u00f6nnte sich au\u00dferdem auch auf die bereits bestehenden Lehrkapazit\u00e4ten auswirken. Diese sind im Moment nur f\u00fcr den bisherigen Unibetrieb ausgelegt. Zur Bew\u00e4ltigung des zus\u00e4tzlichen Lehrbedarfs entstehen daher vielleicht auch in anderen Fachbereichen neue Arbeitspl\u00e4tze. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Zun\u00e4chst m\u00fcssen die genauen Lehrinhalte festgelegt werden. Zu diesem Zweck werden gerade die Curricula von zehn internationalen Zentren ausgewertet. Mit dabei sind Universit\u00e4ten aus Holland und England, aber Hauptinformationsquelle ist nat\u00fcrlich die islamische Welt. Auf diese Orientierungshilfe ist man auf Grund der Neuartigkeit der Wissenschaft angewiesen. Die Uni T\u00fcbingen kann ihren Studenten dabei \u201enichts genuin Neues\u201c offerieren. Das Curriculum wird sich auf bereits international bew\u00e4hrte Lehrinhalte st\u00fctzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,serif;\"><strong>Imaminnen in T\u00fcbingen<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,serif;\">Der Beruf des Imam wird nach wie vor fast ausschlie\u00dflich von M\u00e4nnern ausge\u00fcbt. In T\u00fcbingen werden aber auch Frauen das Imamstudium aufnehmen k\u00f6nnen. Inwieweit die muslimischen Gemeinden die Absolventinnen annehmen, wird sich zeigen. Mit einem Bachelor sind sie zumindest theoretisch gut gewappnet. Denn ein Pendant zum theologischen Examen der christlichen Geistlichen ist im Islam nicht erforderlich. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits zum WS 2011\/2012 werden die ersten Studenten ihr Studium am neuen Zentrum f\u00fcr islamische Theologie aufnehmen. 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