{"id":1854,"date":"2013-11-15T17:05:47","date_gmt":"2013-11-15T17:05:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1854"},"modified":"2021-02-21T13:07:46","modified_gmt":"2021-02-21T13:07:46","slug":"lange-schatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2013\/11\/15\/lange-schatten\/","title":{"rendered":"Lange Schatten"},"content":{"rendered":"<p dir=\"ltr\"><strong><em>Die Eschenburg Vorlesung ist zur\u00fcck. Mit Eckart Conze sprach am Mittwochabend in diesem Kontext einer der renommiertesten Zeithistoriker Deutschlands im Audimax der Uni T\u00fcbingen. Doch auch dieser Vortrag blieb nicht vom Einfluss der Debatte um den Theodor Eschenburg Preis verschont.<\/em><\/strong><\/p>\n<div><!--more--><\/div>\n<div>\n<p dir=\"ltr\">Letztes Jahr sagte der K\u00f6lner Soziologe Wolfgang Streeck seinen Vortrag anl\u00e4sslich der T\u00fcbinger Eschenburg-Vorlesung ab. Er begr\u00fcndete dies damit, dass sein Vortrag \u201eals eine Parteinahme zugunsten einer Beibehaltung des von der Deutschen Vereinigung f\u00fcr Politische Wissenschaft (DVPW) verliehenen und derzeit umstrittenen Eschenburg-Preises gewertet werden k\u00f6nnte\u201c. Seit \u00a0Oktober diesen Jahres ist es offiziell: Der Eschenburg-Preis \u00a0wird ab sofort nicht mehr verliehen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><strong><em>\u201eDie heutige Veranstaltung ehrt den Gr\u00fcnder unseres Instituts \u2013 nicht mehr, und nicht weniger.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Die Eschenburg-Vorlesung, die vom T\u00fcbinger Institut f\u00fcr Politikwissenschaften organisiert wird, konnte also dieses Jahr fortgesetzt werden. Das diesj\u00e4hrige Thema war, wie passend: \u201eLange Schatten? Politische Institutionen und ihre Vergangenheit.Der Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakult\u00e4t, Josef Schmid, begr\u00fc\u00dfte den Gastredner und das Publikum mit den Worten: \u201eDie heutige Veranstaltung ehrt den Gr\u00fcnder unseres Instituts \u2013 nicht mehr, und nicht weniger.\u201c Diese ausgegebene Maxime f\u00fcr den weiteren Abend klang zun\u00e4chst vielversprechend.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Bei dem Gastredner handelte es sich um den renommierte Zeithistoriker Dr. Eckart Conze. In j\u00fcngster Vergangenheit leistete er vor allem gro\u00dfe Beitr\u00e4ge zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Ausw\u00e4rtigen Amtes. Die Auswahl dieses Gastes passte perfekt in den Kontext der gro\u00dfen Eschenburg Debatte. Schlie\u00dflich war Eckart Conze im Januar diesen Jahres zus\u00e4tzlich auch Teilnehmer einer Podiumsdiskussion in T\u00fcbingen zum Thema \u201eGebrochene Biographien in den Sozialwissenschaften\u201c. \u00a0Dennoch, und dies betonten alle Redner wiederholt, sollte es an diesem Abend nicht um eine erneute Aufbereitung von Theodor Eschenburgs Biographie und seiner NS-Vergangenheit gehen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><strong><em>\u201eDas unausgesprochene Hauptthema des Vortrags war eben dieser Theodor Eschenburg\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Stattdessen sollte es um die NS-Belastung von politischen Institutionen und deren Entwicklungen nach 1945 gehen, wie eingangs bereits erw\u00e4hnt. Mi\u00dft man nun Conze an seiner eigenen Zielsetzung f\u00fcr diesen Vortrag, muss man entt\u00e4uscht feststellen: Auch wenn nur zu Beginn seines Vortrags der Name Eschenburg fiel, so hatte man doch das Gef\u00fchl das unausgesprochene Hauptthema des Vortrags war eben dieser Theodor Eschenburg, um den es doch gar nicht gehen sollte. Trotzdem warf \u00a0Conze auch einige interessante Fragen auf: Wie vollzog sich der Mentalit\u00e4tswandel innerhalb vieler deutscher Institutionen nach &#8217;45, obwohl es auf der Personalebene eine starke Kontinuit\u00e4t gab? Wer steuerte die Rekrutierung, durch welche die personelle Kontinuit\u00e4t erst m\u00f6glich wurde? Gibt es einen allgemeinen Konsens innerhalb der deutschen Gesellschaft, was eine \u201eNS-Belastung\u201c ausmacht? Kann es so einen \u00fcberhaupt geben?<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><strong><em>Wer steuerte die Rekrutierung, durch welche die personelle Kontinuit\u00e4t erst m\u00f6glich wurde?<\/em><\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Zus\u00e4tzlich skizzierte Conze ein interessantes Bild des demokratischen und liberalen Wandels verschiedener Institutionen nach 1945. Er sprach von konstruierten Geschichtsbildern, die bestimmte Institutionen innerhalb Deutschlands rehabilitieren sollten, beispielsweise der \u201eunpolitischen Kriminalpolizei\u201c, der \u201esauberen Wehrmacht\u201c oder den \u201e 2 \u00c4mtern\u201c. Einer der wichtigsten Aspekte in dieser Zeit war demnach das Primat der Stabilit\u00e4t der noch jungen BRD unter Adenauer. Conze betonte auch den verbl\u00fcffenden Umstand, dass trotz einer starken personellen Kontinuit\u00e4t keine Informationen vorliegen, nach denen sich in deutschen Institutionen nach &#8217;45 breite anti-demokratische Bewegungen entwickelt h\u00e4tten.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Obwohl Herr Conze sicherlich einen inhaltlich wertvollen Vortrag gegeben hat, so war der lange Schatten Theodor Eschenburgs immer noch sp\u00fcrbar.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Eschenburg Vorlesung ist zur\u00fcck. Mit Eckart Conze sprach am Mittwochabend in diesem Kontext einer der renommiertesten Zeithistoriker Deutschlands im Audimax der Uni T\u00fcbingen. 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