{"id":1999,"date":"2013-11-28T20:24:55","date_gmt":"2013-11-28T20:24:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=1999"},"modified":"2021-02-21T13:03:06","modified_gmt":"2021-02-21T13:03:06","slug":"deutschland-ist-ein-freiertourismusland-geworden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2013\/11\/28\/deutschland-ist-ein-freiertourismusland-geworden\/","title":{"rendered":"\u201eDeutschland ist ein Freiertourismusland geworden\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong><em><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2013\/11\/28\/deutschland-ist-ein-freiertourismusland-geworden\/filmfest-2\/\" rel=\"attachment wp-att-2004\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-2004\" title=\"13.Filmfest Frauenwelten in T\u00fcbingen\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Filmfest1-610x862.jpg\" width=\"220\" height=\"310\" \/><\/a>Im Rahmen der Frauenfilmfeste \u201eFrauenWelten\u201c von Terre De Femmes wurde bei der <strong>Podiumsdiskussion zum \u00a0Thema Zwangs- und Armutsprostitution im Museum<\/strong>\u00a0kein Blatt vor dem Mund genommen. Kinder, T\u00f6chter M\u00fctter, die Zwangsprostitution wird oft von Frauen sogar noch ausgebaut. Auch die Freier werden immer skrupelloser, eine Frau ist oftmals nicht mehr Wert als ein St\u00fcck Fleisch. Vom Albtraum, aus dem es kein gl\u00fcckliches \u00a0Erwachen gibt.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<em>\u00a0<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\nIn der Runde sa\u00dfen die Sozialarbeiterin Sabine Constabel, Helmut Sporer von der Kripo Augsburg, Manfred Paulus Kriminalhauptkommissar a.D., der Pr\u00e4ventionsarbeit gegen Frauenhandel in Osteuropa leistet und Dokumentarfilmer Lukas Roegler (\u201eWare Frau\u201c) beisammen.<br \/>\n<strong>\u201eEine typische Prostituierte kommt aus Osteuropa, ist Anfang 20 und hat zwei Kinder im Heimatland\u201c<\/strong><br \/>\nSabine Constabel gab zun\u00e4chst einen kurzen Einblick in das deutsche Rotlichtmilieu und umriss grob die Ver\u00e4nderungen in den letzten zwanzig Jahren. Wo fr\u00fcher noch selbstbewusste deutsche Frauen den Markt beherrschten, stehen nun osteurop\u00e4ische M\u00e4dchen Anfang 20, die zwei Kinder im Heimatland haben. Die Szene hat sich gewandelt, die Familienclans aus Ungarn, Bulgarien und Rum\u00e4nien schicken ihre T\u00f6chter nach Deutschland in die Prostitution und leben von deren Einnahmen. Sabine Constabel nennt dies Armutsprostitution und verbessert sich sogleich, denn \u201eeigentlich sind es Zwangsprostituierte\u201c.<br \/>\nAber nicht nur die Prostituierten haben sich ver\u00e4ndert, sondern auch die Freier, die zunehmend gewaltbereiter werden und die jungen M\u00e4dchen wie ein \u201eSt\u00fcck Fleisch\u201c behandeln.<br \/>\n<strong>\u201eDeutschland ist ein Freiertourismusland geworden\u201c<\/strong><br \/>\nAuch Helmut Sporer von der Kripo Augsburg kennt ganz \u00e4hnliche Szenarien und best\u00e4tigt die Aussagen von Sabine Constabel. In Augsburg wurden in diesem Jahr mehr als 150 M\u00e4dchen unter 21 Jahren befragt, davon waren nur drei oder vier aus Deutschland. Ein weiteres ernstzunehmendes Problem ist der Anstieg an ungesch\u00fctztem Sexualverkehr, den die Frauen des Geldes wegen leisten m\u00fcssen. Diese Frauen stehen zunehmend unter Druck, da die Nebenkosten, wie Bordellmiete, immer weiter ansteigen.<br \/>\nDes Weiteren beobachtet Helmut Sporer auch, dass immer mehr Freier nach Deutschland kommen, da das Angebot an Frauen hier so hoch ist, wie sonst nirgendwo.<br \/>\n<strong>\u201eDas Rotlichtmilieu ist eine Parallelgesellschaft\u201c<\/strong><br \/>\nManfred Paulus beschreibt das Rotlichtmilieu als eine Art Parallelgesellschaft, in der andere Gesetze und Wertvorstellungen herrschen. F\u00fcr ihn ist klar, dass der Frauen- und Kinderhandel eine Organisation der albanischen Mafia ist. Die Anwerbung, Einschleusung und Ausbeutung junger Frauen bestimmt deren Lebensunterhalt. Auch Kinder zwischen neun und elf Jahren werden zunehmend in die Prostitution gezw\u00e4ngt. Doch der deutsche Staat hat keinerlei Mittel geschaffen, um der organisierten Kriminalit\u00e4t aus Albanien entgegentreten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nManfred Paulus beschreibt auch im Detail seine Pr\u00e4ventionsarbeit in Osteuropa. Er bedauert allerdings, dass potenzielle Opfer nicht direkt angesprochen werden k\u00f6nnen, da diese oft nicht auffindbar sind. Doch um Vernetzungen aufzubauen, werden verschiedene Kongresse mit Schulleitern, Politikern und Polizei organisiert, um Aufkl\u00e4rungsarbeit zu leisten.<br \/>\n<strong>\u201eIn Nigeria sind die Zuh\u00e4lter oft Frauen\u201c<\/strong><br \/>\nEinen anderen Blickwinkel offenbart uns Lukas Roegler, der sich mit der Prostitution nigerianischer Frauen in Deutschland besch\u00e4ftigt. Aus Recherchen f\u00fcr zwei seiner Filme \u00fcber dieses Thema hat er interessante Erkenntnisse gesammelt. So gibt es f\u00fcr ihn eine Parallele zwischen der osteurop\u00e4ischen und nigerianischen Prostitution, da die meisten nigerianischen Frauen ebenfalls aus Armutsgr\u00fcnden nach Deutschland kommen.<br \/>\nBei Dreharbeiten in Nigeria hat Lukas Roegler die Hilflosigkeit der Frauen beobachtet, die Angst davor haben, den Anspr\u00fcchen der Familien nicht gerecht zu werden. Denn oft wird der Menschenhandel in der Familie organisiert und eine sogenannte \u201eMadame\u201c, die Zuh\u00e4lterin, schleust die Frauen nach Deutschland. Vor diesen Zuh\u00e4lterinnen m\u00fcssen die Frauen dann einen Eid ablegen und schw\u00f6ren, dass sie ihnen eine f\u00fcnfstellige Eurosumme zur\u00fcckzahlen werden. Ein enormes Problem in der nigerianischen Gesellschaft ist das hohe Ansehen dieser Zuh\u00e4lterinnen, die mit ihrem Reichtum protzen und jungen Frauen ein Vorbild sind. So entwickelt sich ein immer undurchschaubareres System aus Prostituierten, Zuh\u00e4ltern und Freiern. Und weder Europa noch Deutschland machen Fortschritte in der L\u00f6sung dieses Problems.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Frauenfilmfeste \u201eFrauenWelten\u201c von Terre De Femmes wurde bei der Podiumsdiskussion zum \u00a0Thema Zwangs- und Armutsprostitution im Museum\u00a0kein Blatt vor dem Mund genommen. &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":263,"featured_media":2345,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[509,62],"tags":[551,61,513,552,514,553,554],"class_list":["post-1999","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-klartext","category-kultur","tag-551","tag-dokumentation","tag-film","tag-filmfest-frauenwelten","tag-kino","tag-prostitution","tag-terre-des-femmes"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1999","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/263"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1999"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1999\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24203,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1999\/revisions\/24203"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1999"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1999"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1999"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}