{"id":23257,"date":"2015-07-07T18:19:36","date_gmt":"2015-07-07T16:19:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=4889"},"modified":"2015-07-07T18:19:36","modified_gmt":"2015-07-07T16:19:36","slug":"querfeldein-mit-janna-nandzik-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/07\/07\/querfeldein-mit-janna-nandzik-2\/","title":{"rendered":"Querfeldein mit Janna Nandzik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Janna Nandzik ist nicht unbedingt das bekannteste Gesicht der Fernsehbranche. Als TV-Produzentin und Drehbuchautorin zieht sie die F\u00e4den eher im Hintergrund. Aber das ziemlich erfolgreich: Sie war der Kopf hinter Christian Ulmen und Creative Direktor bei Tele 5. Ihre Serie &#8222;SNOBS &#8211; Sie k\u00f6nnen auch ohne Dich&#8220; wurde f\u00fcr den Grimme-Preis nominiert.<\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist wahnsinnig hei\u00df im Ribingurumu. Dieser Moment, wenn der Nebensitzer einem seinen warmen Zigarettenrauch ins Gesicht f\u00e4chert. Der Zuschauer der 19. Veranstaltung von Querfeldein f\u00fchlt sich eher wie in einer texanischen Bar, als in der T\u00fcbinger Altstadt. Die batteriebetriebenen Mini-Ventilatoren, die das Querfeldein-Team ins Publikum wirft, sind gut gemeint, erweisen sich f\u00fcr die gl\u00fccklichen F\u00e4nger aber schnell als nutzlos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4903\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/11-1008x672.jpg\" alt=\"11\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Der Internetbeauftragte mit Papierzetteln<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ribi ist nicht ausverkauft, aber dennoch gut gef\u00fcllt. Die Stimmung ist gemessen an den Temperaturen gut, nur das Klatschen f\u00e4llt ein bisschen verhalten aus.<br \/>\nNandzik hat gute Laune, scheint aber auch nicht so richtig zu wissen, wo sie hier gelandet ist. Moderator Lukas Weyell nimmt ihr schnell die anf\u00e4ngliche Unsicherheit, moderiert souver\u00e4n und l\u00e4sst sich auch von gelegentlichen Technikpannen nicht aus dem Konzept bringen. Neu bei einer Querfeldein Veranstaltung: Moderator Max als Internetbeauftragter &#8211; man muss ja mit der Zeit gehen. Er erf\u00fcllt seine Aufgabe gut, trotz kaputtem W-Lan. Es gibt ja noch Whatsapp. Und nat\u00fcrlich analoge Papierzettel.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ich habe es nicht bereut.&#8220;<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">An den Internetbeauftragten kann das Publikum fragen schicken, die dann von ihm direkt an Nandzik gestellt werden. Das Konzept funktioniert gut. Die Fragen sind oft investigativer und frecher ohne den pers\u00f6nlichen Bezug. So l\u00e4sst ein Zuschauer fragen, wie lange sie von dem Youtube-Spot f\u00fcr eine Krankenkasse ihre Miete bezahlen konnte. Ihre Antwort in K\u00fcrze: &#8222;Ich habe es nicht bereut.&#8220; Au\u00dferdem habe sie ja dabei viele neue Erfahrungen sammeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch Moderator Lukas beginnt erst mit den biografischen Teil. Nandzik ist in Oldenburg aufgewachsen. &#8222;Oldenburg ist ganz h\u00fcbsch, aber langweilig&#8220;, sagt Nandzik dazu. Zum Studium der Filmwissenschaft, Neuerer deutscher Literatur und Kunstgeschichte zog sie nach Marburg, wo sie ihre Angst vor Fachwerkh\u00e4usern bemerkte. Diese Angst konnte sie Lukas nicht so richtig erkl\u00e4ren: &#8222;Ich mag halt das Mittelalter nicht.&#8220; Deshalb wechselte sie auch an die FU Berlin.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Am Ende wird eh alles gek\u00fcrzt<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach ihrem Studium stieg sie als Produktionsassistentin bei Christian Ulmen ein. Das Querfeldein-Team zeigt eine Szene mit Ulmen, in der er mit einer Prostituierten schlafen m\u00f6chte, aber ihr nicht sagen kann, was er von ihr verlangt. Die Anweisungen \u00fcbernimmt deshalb sein Assistent. Man traut der freundlichen Nandzik so einen Hau-Drauf-Humor gar nicht zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Ulmen.TV ist sie dann zur stellvertretenden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin aufgestiegen. Das war zun\u00e4chst eine schizophrene Doppelrolle als ausf\u00fchrende Produzentin und Autorin in ihrem ersten Serienprojekt &#8222;Die Snobs&#8220;. Da man als Produzentin auf das Geld achten muss und als Autorin gleichzeitig auf die Verwirklichung seiner Ideen hofft.<br \/>\nAber schon als Autorin habe sie gelernt: &#8222;Der Kreativit\u00e4t sollte man freien Lauf lassen. Am Ende wird eh alles gek\u00fcrzt.&#8220;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Jacket bei gef\u00fchlten 40 Grad<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lustige Zwischenfrage, die beim Internetbeauftragten eingegangen ist, der seine Aufgabe wirklich gut macht und an den richtigen Stellen Moderator Lukas unterst\u00fctzt: &#8222;Warum tr\u00e4gt der Moderator eigentlich bei dem Wetter ein Jacket?&#8220; Und man hat sich wirklich schon die ganze Zeit gefragt, wie er das aush\u00e4lt. Lukas antwortet humorvoll: Er orientiere sich an Markus Lanz, der sei nie ohne Jacket zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so geht es munter weiter: Humor wird mit Information vermischt. Besonders interessant ist das Projekt &#8222;About: Kate&#8220;, ein Crossmedia Projekt in Zusammenarbeit mit Arte. Nandzik schrieb die Drehb\u00fccher und f\u00fchrte Regie. Die Serie handelt von der Gedanken- und Gef\u00fchlswelt einer Frau Ende zwanzig namens Kate Harff. Sie l\u00e4sst sich in eine Nervenklinik einweisen. Der Zuschauer surft quasi durch ihren Bewusstseinsstrom, der durch Fernsehbilder, Gedanken- und Erinnerungsschnipsel dargestellt wird. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen analog und digital.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/14.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-4904\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/14-448x672.jpg\" alt=\"14\" width=\"380\" height=\"570\" \/><\/a><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wir mussten ein Seelsorge-Team engagieren&#8220;<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die sozialen Netzwerke konnten die Zuschauer die Serie mit ihrem eingesendeten Content selbst mitgestalten. Das sei sehr anstrengend gewesen, weil man neben der Produktion auch noch mit den Zuschauern interagieren musste. &#8222;Man wird irgendwann selber zu Kate Harff, wenn man die ganze Zeit die sozialen Medien neben dem Schnitt betreuen muss.&#8220; Die Interaktion mit den Zuschauern habe so be\u00e4ngstigend gut funktioniert, dass sie sogar ein Seelsorge-Team f\u00fcr Zuschauer engagieren musste, die der fiktiven Kate ihre echten Gef\u00fchle mitteilten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Momentan schreibt Nandzik an einem dystopischen Roman, der sich aber noch verz\u00f6gert, weil sie so viel zu tun hat.<br \/>\nGegen 22 Uhr ist die Veranstaltung zu Ende und die Leute sind durchgeschwitzt und zufrieden. Anlass f\u00fcr Kritik boten eigentlich nur Technik und ein Trailer-Einspieler des Querfeldein-Teams, der mehr wie Werbung in eigener Sache wirkte, als sinnvolle Erg\u00e4nzung des Dialogs.<\/p>\n<p>Und wer wei\u00df: Vielleicht wird T\u00fcbingen ja demn\u00e4chst mal Schauplatz in einer Comedy-Serie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Fotos: Paul Mehnert<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Janna Nandzik ist nicht unbedingt das bekannteste Gesicht der Fernsehbranche. Als TV-Produzentin und Drehbuchautorin zieht sie die F\u00e4den eher im Hintergrund. 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