{"id":23285,"date":"2018-06-27T20:10:54","date_gmt":"2018-06-27T18:10:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=11988"},"modified":"2018-06-27T20:10:54","modified_gmt":"2018-06-27T18:10:54","slug":"man-sollte-einfordern-gestalten-zu-koennen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2018\/06\/27\/man-sollte-einfordern-gestalten-zu-koennen-2\/","title":{"rendered":"\u201eMan sollte einfordern, gestalten zu k\u00f6nnen\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Am 3. und 4. Juli sind StuRa-Wahlen. Die Wahlbeteiligung in den letzten Jahren war leider immer sehr niedrig. Wie sich das erkl\u00e4rt und warum es wichtig ist zu w\u00e4hlen, haben wir Dr. Sebastian Dippelhofer von der Justus-Liebig-Universit\u00e4t in Gie\u00dfen gefragt. Im Dezember letzten Jahres war er bereits hier zu Gast und referierte auf Einladung der Fachschaft Politik zu diesem Thema.<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wieso interessieren Sie sich f\u00fcr allgemeinpolitische und hochschulpolitische Einstellungen von Studierenden? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Interesse an diesem Thema hat sich zum einen durch meine Arbeit als studentischer Vertreter auf Uni- und Fachebene entwickelt. Zum anderen habe ich als Hiwi in der AG Hochschulforschung, die an der Uni Konstanz sitzt, Einblicke in verschiedene Thematiken bekommen, die sich mit Hochschule an sich und mit Studierenden im Besonderen besch\u00e4ftigen. In diesem Rahmen konnte ich auch immer in den repr\u00e4sentativen Studierendensurvey schauen und mir mal aus einem anderen Blickwinkel anschauen, was Studierende interessiert \u2013 oder eben auch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H\u00e4ngt \u2013 Ihrer Meinung nach \u2013 allgemeinpolitisches Interesse und (hochschul-)politisches Engagement\u00a0 zusammen? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja \u2013 da gibt es positive Zusammenh\u00e4nge.<\/p>\n<blockquote><p>Je h\u00f6her das Interesse am allgemeinpolitischen Geschehen ist, desto nachdr\u00fccklicher engagiert man sich auch f\u00fcr hochschulpolitische Zusammenh\u00e4nge.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferner ist besonders das politische Interesse quasi eine tragende S\u00e4ule des hochschulpolitischen Engagements.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Laut Ihrem Beitrag aus dem Jahr 2012 zum Studierendensurvey interessieren sich mehr Studierende f\u00fcr Hochschulpolitik, als sich tats\u00e4chlich daf\u00fcr engagieren. Warum ist das so?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hat zum einen sicherlich damit zu tun, dass sich in den letzten Jahren der Wertehorizont der Studierenden verschoben hat \u2013 besonders was Aktivit\u00e4ten angeht: Weg von der Hochschule, hin zu famili\u00e4ren, freizeitlichen und anderen au\u00dferhochschulischen Feldern. Da d\u00fcrfte es noch einfacher sein, sich zwar zu interessieren, aber sich nicht zu engagieren. Wobei man auch sagen muss, dass je spezieller das politische Feld wird, desto weniger Menschen interessiert es von vornherein. Vielleicht h\u00e4ngt das auch mit den immer wieder auftauchenden Spielchen zusammen: Wenn parteipolitische Gliederungen vorhanden sind, geht es oftmals prim\u00e4r darum, wer mit wem koalieren kann, will, m\u00f6chte oder auch nicht, sodass einem die Lust vergeht sich zu engagieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11990\" aria-describedby=\"caption-attachment-11990\" style=\"width: 149px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11990 size-full\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/IMG_0011.jpg\" alt=\"\" width=\"149\" height=\"200\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11990\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Sebastian Dippelhofer von der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K\u00f6nnte die geringe Teilnahme auch auf ein Gef\u00fchl der Machtlosigkeit unter Studierenden zur\u00fcckzuf\u00fchren sein?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das d\u00fcrfte auch ein Grund sein \u2013 man m\u00f6chte sich f\u00fcr etwas engagieren, was einen interessiert, ggf. auch was \u00e4ndern, was einem unter den N\u00e4geln brennt und merkt, dass man nichts \u00e4ndern kann bzw. auch nicht wirklich geh\u00f6rt wird. Das kann nicht nur nervig sein, sondern eben auch zu einer Distanz und einer Apathie beitragen, sich einzumischen und etwas bewirken zu wollen \u2013 besonders wenn man ein Angeh\u00f6riger der gr\u00f6\u00dften Statusgruppe an der Hochschule ist.<\/p>\n<blockquote><p>Allerdings muss man auch sagen, dass sich viele Dinge nicht \u00fcber Nacht \u00e4ndern lassen und hin und wieder ein langer Atem n\u00f6tig ist. Dennoch darf man sich nicht entmutigen lassen, etwas zu tun.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie stellen fest: \u201eSozialwissenschaftler engagieren sich am meisten\u201c. Liegt das an einem bestimmten Schlag Menschen, die von den Sozialwissenschaften angezogen werden oder an einer Besonderheit der Lehre in diesen Studieng\u00e4ngen, die ebendas herausbildet?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben einem durchaus m\u00f6glichen Anziehungspunkt von Menschen, die sich von vorherein besonders engagieren und bestimmte gesellschaftliche Werte vertreten, d\u00fcrfte das sicherlich mit dem Fach an sich, den dortigen Themen, den Auseinandersetzungen und Gestaltungen zusammenh\u00e4ngen \u2013 also auch mit der Lehre. Zum einen besteht hier zum einen immer das fachliche Selbstverst\u00e4ndnis Dinge zu hinterfragen, zu politisieren, zu kritisieren und gesamtgesellschaftlich zu betrachten; zum anderen bestehen hier seit jeher auch weniger strukturelle Reglementierungen \u2013 auch wenn diese im Zuge der Bologna-Reformen eingeschr\u00e4nkt worden sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11994\" aria-describedby=\"caption-attachment-11994\" style=\"width: 906px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-11994\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/stura-1-906x672.jpg\" alt=\"\" width=\"906\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11994\" class=\"wp-caption-text\">Die studentischen Vollversammlungen des StuRas sind selten wirklich voll \u2013 trotz Werbung und kostenlosen Brezeln.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was k\u00f6nnte ge\u00e4ndert werden, damit mehr Studierende sich aktiv engagieren oder zumindest w\u00e4hlen? Braucht es eine Strukturreform? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es bieten sich ein paar Stellschrauben an: Etwa, dass die engagierten Studierenden mehr auf sich, ihre Arbeit, die M\u00f6glichkeiten sich zu engagieren und ggf. Erfolge aufmerksam machen \u2013 bspw. mittels steter Informierung \u00fcber die zu Verf\u00fcgung stehenden Medien.<\/p>\n<blockquote><p>Man k\u00f6nnte auch Themen st\u00e4rker in die Studierendenschaft tragen und \u00f6ffentlich diskutieren. Dabei ist es generell wichtig, dass eine f\u00fcr alle klare und verst\u00e4ndliche Sprache benutzt wird,<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft keine Kommunikation und kein Verhalten, bei dem Au\u00dfenstehende das Gef\u00fchl haben, dass das nur Eingeweihte verstehen. Ebenso k\u00f6nnte man neben mehr Transparenz und Aufforderung zur Teilhabe auch auf eine Fachkultur bauen, wie sie in den Sozialwissenschaften noch am ehesten existiert. Man k\u00f6nnte in allen F\u00e4chern versuchen, mehr zu sensibilisieren f\u00fcr die gesellschaftlichen Folgen des wissenschaftlichen Handelns bzw. entsprechender Errungenschaften. Ein weiterer Baustein k\u00f6nnte umgekehrt sein, dass hochschulische und politische Entscheidungen auf ihre Wirkung f\u00fcr Hochschule, Studium und Studierende reflektiert werden. Auch ein Blick auf die Studiendauer d\u00fcrfte sinnvoll sein, da man sich mit einem kurzen Studium nicht wirklich bet\u00e4tigen und entsprechend entwickeln und ausprobieren kann \u2013 gerade Uni ist ja der Ort, in dem es darum geht, zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung beizutragen, neue Ideen zu entwickeln und zu verinnerlichen; und daf\u00fcr braucht es eben auch Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gibt es etwas, was Sie direkt an die Studierenden richten wollen? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass es wichtig ist, sich zu engagieren, dass man auch einfordern sollte, gestalten zu k\u00f6nnen. Dies ist besonders bei Studierenden auch deswegen zentral, da sie sp\u00e4ter \u00fcberproportional h\u00e4ufig in gesellschaftlichen Schl\u00fcsselpositionen vertreten sind, in den sie aktiv und gestaltend sein m\u00fcssen. Und da man daf\u00fcr gerade in einer Demokratie m\u00fcndige, kritische und engagierte B\u00fcrger\/innen braucht, sollte man diese F\u00e4higkeiten so intensiv als m\u00f6glich beherrschen und einen Ort haben, das einzu\u00fcben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Als Schlusswort: Warum ist es wichtig zur \u201eStuRa-Wahl\u201c am 3.\/4. Juli zu gehen oder dort zumindest per Briefwahl zu w\u00e4hlen? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine solche Wahl ist allein deswegen wichtig, um nicht nur die eigenen Vertreter zu st\u00e4rken, sondern sich selber als Gruppe eine starke Stimme zu geben und entsprechend aufzutreten.<\/p>\n<blockquote><p>Allerdings sollte es nicht nur beim W\u00e4hlen bleiben \u2013 es geht vielmehr darum, selber aktiv zu werden und zu gestalten.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch, Herr Dippelhofer!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Titelbild: <\/u> Creative Commons\/ StuRa <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/events\/1271147466348869\/\">Uni-Wahlen 2018<br \/>\n<\/a><span style=\"text-decoration: underline;\">Beitragsbild:<\/span> Felix Kraus<br \/>\n<u>Kopfbild:<\/u> Dr. Sebastian Dippelhofer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 3. und 4. Juli sind StuRa-Wahlen. 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