{"id":2421,"date":"2013-12-16T16:26:38","date_gmt":"2013-12-16T16:26:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=2421"},"modified":"2021-02-21T12:48:30","modified_gmt":"2021-02-21T12:48:30","slug":"jesus-maria-joseph-und-der-mann-mit-nacktem-popo-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2013\/12\/16\/jesus-maria-joseph-und-der-mann-mit-nacktem-popo-2\/","title":{"rendered":"Jesus, Maria, Joseph und der Mann mit dem nackten Popo"},"content":{"rendered":"<address><b>Das Erste, was eine ERASMUS-Studentin im Ausland lernt, ist das nicht alles so l\u00e4uft, wie sie es von Zuhause aus gewohnt ist. An der Uni, bei der Wohnungssuche und auch in der Vorweihnachtszeit. Andere L\u00e4nder, andere Krippen.<img decoding=\"async\" title=\"Weiterlesen \u2026\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/wordpress\/img\/trans.gif\" alt=\"\" \/><\/b><\/address>\n<address><b><!--more--><\/b><\/address>\n<address>Der Dekoterrorismus beginnt auch in Barcelona p\u00fcnktlich Mitte November. Sp\u00e4testens wenn amerikanische Kaffeeketten Weihnachtslieder in der Dauerschleife spielen, wird es Zeit sich dem Konsumexzess hinzugeben. Auf den ersten Blick ist in Barcelona kaum ein gro\u00dfer Unterschied zu einer anderen europ\u00e4ischen Gro\u00dfstadt festzustellen. \u201eAlles ziemlich globalisiert\u201c, w\u00fcrde der Hipster seine Nase r\u00fcmpfen. Auf der Suche nach \u201etypisch\u201c katalanischen Weihnachtsgeschenken f\u00fcr die Familie, begegnet dem Suchenden jedoch so manche au\u00dfergew\u00f6hnliche Weihnachtstradition.<\/address>\n<address>\n<h3>Caga T\u00edo oder T\u00edo Nadal, frei \u00fcbersetzt etwa \u201eSchei\u00df-Onkel\u201c<\/h3>\n<p>Ab Anfang Dezember findet sich auf allen Weihnachtsm\u00e4rkten ein mit Gesicht und F\u00fc\u00dfen versehener Baumstumpf. Dieser tr\u00e4gt eine typisch katalanische dunkelrote Wollm\u00fctze auf dem Kopf und nennt sich Caga T\u00edo oder T\u00edo Nadal, frei \u00fcbersetzt etwa \u201eSchei\u00df-Onkel\u201c. Er ist der \u00dcberbringer kleiner Geschenke am Weihnachtsabend. Der Baumstumpf \u2013 ob selbst geschlagen oder beim Supermercado von nebenan gekauft &#8211; wird ab Anfang Dezember in die eigene Wohnung gestellt. Dort hegen und pflegen ihn die Kinder des Hauses wie ein zus\u00e4tzliches Familienmitglied. Jeden Abend stellen sie ihm Orangen, N\u00fcsse, S\u00fc\u00dfigkeiten oder Essensreste bereit, um deren heimliche Entsorgung sich dann die Erziehungsberechtigten k\u00fcmmern d\u00fcrfen. Je mehr er gef\u00fcttert wird, desto gro\u00dfz\u00fcgiger sind sp\u00e4ter seine Geschenke, so hei\u00dft es. Abends wird der kleine Stumpf liebevoll in eine Decke geh\u00fcllt, damit er keine Erk\u00e4ltung bekommt. So wird der Caga T\u00edo bis zum 24. Dezember gem\u00e4stet. Am Weihnachtsabend singen die Kinder nun das Caga T\u00edo Lied und schlagen den Baumstumpf mit einem Stock. Danach sprechen sie ein Gebet und bitten den T\u00edo um m\u00f6glichst viele Geschenke. W\u00e4hrenddessen legen die Eltern N\u00fcsse und S\u00fc\u00dfigkeiten unter die Decke und erz\u00e4hlen sp\u00e4ter, der Caga T\u00edo h\u00e4tte diese \u201eausgeschissen\u201c (cagar = schei\u00dfen).<br \/>\nDie Entstehung des Brauchs des Caga T\u00edo ist nicht eindeutig gekl\u00e4rt. Es kursieren jedoch viele nette Geschichten f\u00fcr die Kinder. Manche erz\u00e4hlen sich, dass ein Kind zu Weihnachten im Wald umherlief und nach Holz zum Feuermachen suchte. Es fand jedoch nur einen\u00a0 ausgeh\u00f6lten, magischen Baumstamm. Aus Neugier steckte es seine Hand in diesen und fand dort Geld, sozusagen das Geschenk des Caga T\u00edo.\u00a0 Historisch l\u00e4sst sich der Caga T\u00edo vermutlich auf einen Bauernritus aus dem 18. Jahrhundert zur\u00fcckf\u00fchren. Die b\u00e4uerliche Bev\u00f6lkerung verbrannte damals nach dem Weihnachtsabend einen kleinen Baumstamm und bewahrte die restliche Asche als Talisman im Haus auf oder verstreute sie auf dem Feld. Dieses Ritual sollte einen fruchtbaren Sommer bescheren.<\/p>\n<h3>\u00a0Die Eltern legen N\u00fcsse und S\u00fc\u00dfigkeiten unter die Decke und erz\u00e4hlen sp\u00e4ter, der Caga T\u00edo h\u00e4tte diese \u201eausgeschissen\u201c (cagar = schei\u00dfen).<\/h3>\n<p>Doch auch Kataloniens Weihnachtskrippen bleiben nicht von F\u00e4kalien verschont. Mannsgro\u00dfe Figuren von Jesus, Maria und Joseph versch\u00f6nern die gotische Altstadt Barcelonas. Bei genauerer Betrachtung der Krippen, f\u00e4llt eine dezent im Hintergrund gehaltene, leicht deplatziert wirkende, kleine Figur eines katalonischen Bauern auf: der Caganer. \u00dcbersetzt bedeutet das so viel \u00a0wie \u201eSchei\u00dferle\u201c. Dieser befindet sich ganz im Zeichen seines Namens gerade dabei seine Notdurft zu verrichten. Mit heruntergelassener Hose beobachtet er die Szenerie um Jesus, Maria und Joseph aus den hinteren Reihen.<br \/>\n\u00dcber die Herkunft der Figur sind sich Fachm\u00e4nner abermals nicht einig. Sie taucht ebenfalls zum ersten Mal im 18. Jahrhundert auf und gilt als Symbol f\u00fcr den Kreislauf des Lebens. Geburt und Tod, Aufnehmen und Ausscheiden. Der kleine Bauer soll den Krippen einen lokalen Bezug geben und die ernste Stimmung um die Geburt Jesu etwas auflockern. Er ist Gl\u00fccksbringer und d\u00fcngt zugleich den Boden. Kinder machen sich einen Spa\u00df aus dem gemeinsamen Suchen nach dem kleinen Exhibitionisten. In Katalonien ist der Caganer derart beliebt, das mittlerweile auch Figuren ber\u00fchmter Pers\u00f6nlichkeiten in der typischen Hockposition dargestellt werden.<br \/>\nWer m\u00f6chte, kann seine heimische Krippe mit einer sich erleichternden Angela Merkel pimpen. Definitiv kein 08\/15-Weihnachtsgeschenk. Na dann, Feliz Navidad!<\/p>\n<\/address>\n<address>\u00a0<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Erste, was eine ERASMUS-Studentin im Ausland lernt, ist das nicht alles so l\u00e4uft, wie sie es von Zuhause aus gewohnt ist. 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