{"id":2573,"date":"2014-01-13T01:48:57","date_gmt":"2014-01-13T01:48:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=2573"},"modified":"2021-02-21T12:43:48","modified_gmt":"2021-02-21T12:43:48","slug":"mit-snowboardklamotten-und-motorradhelm-in-der-sauna-seil-springen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/01\/13\/mit-snowboardklamotten-und-motorradhelm-in-der-sauna-seil-springen\/","title":{"rendered":"\u201eMit Snowboardklamotten und Motorradhelm in der Sauna Seil springen&quot;"},"content":{"rendered":"<p>Donnerstagmittag 12 Uhr in der Mensa Wilhelmstra\u00dfe. Die Tische sind voll besetzt. Studenten l\u00f6ffeln ihre Suppen. Durch die Reihen wandert ein \u00fcberdimensionaler Pl\u00fcschtiger, die Frauen an den Kassen unterhalten sich und hin und wieder f\u00e4llt ein Tablett oder Teller mit Get\u00f6se auf den Boden. Moment mal\u2026 ein \u00fcberdimensionaler Pl\u00fcschtiger?!<br \/>\n<strong> Wer steckt eigentlich hinter der Maske?<\/strong><br \/>\nEs handelt sich, wie oft donnerstags, um eine Werbeaktion der Walter Tigers. F\u00fcr die Studenten werden regelm\u00e4\u00dfig erm\u00e4\u00dfigte Tickets zu den Spielen angeboten. Bei diesen Spielen darf das Maskottchen nat\u00fcrlich nicht fehlen. Es ist das Markenzeichen der Mannschaft und bekannt f\u00fcr seine abgedrehte Show. Aber wer steckt eigentlich hinter dieser Maske?<br \/>\n<strong>Das schw\u00e4bische Tagblatt titelte am n\u00e4chsten Tag: \u201eMaskottchen wie auf Droge.\u201c<br \/>\n<\/strong><br \/>\nSein Name ist Thomas Schmitt. Er ist mittelgro\u00df, hat eine wilde Sturmfrisur und wache, gro\u00dfe blaue Augen. Er ist der einzig wahre Tiger, den die Mannschaft je hatte. Das kann man behaupten ohne zu \u00fcbertreiben, denn er macht den Job seit fast zehn Jahren. 2004 stiegen die Walter Tigers in die erste Liga auf und hatten ab dem Zeitpunkt ihr eigenes Maskottchen. Damals steckte bei jedem Spiel jemand anderes in dem Tiger Kost\u00fcm. Eines Tages gingen Freunde von Schmitt Tickets f\u00fcr das Spiel kaufen und erz\u00e4hlten sie h\u00e4tten jemanden der perfekt f\u00fcr den Job geeignet sei. Die Veranstalter meinten, derjenige solle einfach zum n\u00e4chsten Spiel vorbei kommen. \u201eDie zwei Kumpels sind dann prompt zu mir gefahren und haben mich so lange bearbeitet, bis ich mich bereit erkl\u00e4rte, ins Maskottchen Kost\u00fcm zu schl\u00fcpfen.\u201c Maskottchen wie auf Droge \u201eIch hab dann halt meine Show durchgezogen. Und Dinge gemacht, die die Leute vorher noch nicht gesehen hatten.\u201c, erinnert sich das Maskottchen. Der Auftritt schlug ein wie eine Bombe. Das schw\u00e4bische Tagblatt titelte am n\u00e4chsten Tag: \u201eMaskottchen wie auf Droge.\u201c Das war das letzte Spiel der Saison und gleichzeitig das erste Spiel mit Thomas Schmitt als Maskottchen. \u201eSogar der Sponsor war hellauf begeistert und setzte f\u00fcr eine weitere Zusammenarbeit voraus, dass ich Maskottchen bleibe.\u201c, so Schmitt. \u201eSo kam ich zu dem Job, wie die Jungfrau zum Kind.\u201c<br \/>\nUnertr\u00e4gliche Hitze Mittlerweile macht es immer noch Spa\u00df, erz\u00e4hlt der studierte Sportwissenschaftler, Schmitt, der jetzt 34 ist, weiter. Die Aufregung hat nachgelassen. \u201eZu Beginn war ich immer am Tag davor schon aufgeregt. Sp\u00e4ter am Tag des Spiels, dann als ich in die Halle kam. Mittlerweile werde ich erst nerv\u00f6s wenn die Flammen in die H\u00f6he schie\u00dfen und die Spieler einlaufen.\u201c Er sieht sich als Teil des Teams, nicht als Fan. \u201eWenn die Mannschaft gewinnt, f\u00fchlt man sich zu einem gewissen Grad beteiligt. Die Spieler merken ja, wenn das Publikum voll hinter ihnen steht und daf\u00fcr kann ich sorgen.\u201c Derzeit ist Schmitt leider verletzt. Eine Krankheitsvertretung gibt es nicht. Es gab sogar ein Casting um einen w\u00fcrdigen Vertreter zu finden, doch Schmitt bleibt unersetzlich. \u201eLetztes Mal hats ein Praktikant gemacht, aber das hat man sofort gesehen. Der Praktikant kam nach dem Spiel zu Schmitt: \u201eEr meinte, er h\u00e4tte immer schon Respekt vor meiner Arbeit gehabt, aber jetzt noch viel mehr.\u201c, sagt Schmitt. Tats\u00e4chlich ist Maskottchen sein kein leichter Job. Durch die kleinen \u00d6ffnungen am Kopf bekommt man wenig Luft und sieht gleichzeitig sehr schlecht. Dazu kommt eine unertr\u00e4gliche Hitze. \u00dcberhaupt macht das Kost\u00fcm jede Bewegung anstrengender. \u201eWenn man sich vorstellen will, wie sich ein Maskottchen f\u00fchlt, dann zieht man am besten Snowboardklamotten und einen Motorradhelm auf, geht in die Sauna und springt dort Seil.\u201c, vergleicht Schmitt grinsend. \u201eEigentlich ist es Quatsch sich so zu qu\u00e4len\u201c, gibt er zu \u201eaber man ist halt der Tiger.\u201c<br \/>\n<strong>Turnen und Tanzen f\u00fcr die Tigers<\/strong><br \/>\nHauptberuflich ist Thomas Schmitt professioneller Mountainbiker. F\u00fcr seine Auftritte als Maskottchen bekommt Schmitt eine &#8222;Aufwandsentsch\u00e4digung&#8220; die aber nicht wirklich ausschlaggebend ist f\u00fcr sein Engagement. \u201eMeine Berufe machen mich in vielerlei Hinsicht reich \u2013 nur nicht in finanzieller.\u201c, beschreibt das Mannschaftsmaskottchen. Er hat in T\u00fcbingen Sportwissenschaften studiert. W\u00e4hrend seines Studiums besuchte er Turn- und Tanzkurse Das kommt ihm bei seinen Tiger-Auftritten zugute. Stefan Raabs drittbestes Maskottchen Ein Maskottchen tritt \u00fcbrigens fast immer nur bei den Heimspielen der Mannschaft auf. Wenn Thomas Schmitt mal auf ein Ausw\u00e4rtsspiel f\u00e4hrt, dann also nur als Fan. Einmal im Jahr findet der \u201eAllstarday \u201cstatt, bei dem die besten nationalen und internationalen Basketballspieler der Liga ihre Kr\u00e4fte messen. Dort treffen sich dann Maskottchen von allen Basketballmannschaften. Das T\u00fcbinger Tigerle war sogar auf einer Maskottchen Weltmeisterschaft. Diese wurde von Stefan Raab in seiner Sendung \u201eTV total\u201c veranstaltet. Damals wurde Thomas Schmitt \u201enur\u201c dritter, da ihn das Duisburger Zebra b\u00f6s faulte. \u201eDie ganze \u201aWeltmeisterschaft\u2018 bestand eigentlich nur aus einem Wettrennen. Mit ein paar Hindernissen h\u00e4tte das ganze schon anders ausgesehen.\u201c, berichtet er.<br \/>\n<strong>Bei dem vielen Unfug &#8211; ist das Maskottchen denn schon mal zurecht gewiesen worden?<\/strong><br \/>\n\u201eIch habe Gott sei Dank noch nie ein technisches Foul bekommen. Aber man probiert nat\u00fcrlich immer so weit zu gehen wie man kann.\u201c, berichtet Schmitt \u201eEinmal wurde ich negativ in einem Spielbericht erw\u00e4hnt. Da haben wir gegen Ulm gespielt. Kurz davor war die Geschichte mit der Ulmer Schachtel, einem Boot das auf dem Neckar untergegangen ist. Ich habe dann ein Boot nachgebaut und mir einen Riesenspa\u00df daraus gemacht, dieses am Ende mit Krawall zu zerst\u00f6ren.\u201c Die T\u00fcbinger Fans waren hellauf begeistert. Aber im Spielbericht stand, das Maskottchen solle solche Aktionen doch bitte in Zukunft unterlassen. \u201eIch versuche meinen Radius beim Spiel auch immer etwas auszuweiten und da wird man vom Schiedsrichter schon mal zurechtgewiesen.\u201c Wirklich schlimme Konsequenzen gab es aber noch nicht. \u00a0Seit einiger Zeit engagiert sich das Tigerle alias Thomas Schmitt auch f\u00fcr Wohlt\u00e4tige Aktionen. Zum Beispiel f\u00fcr die Bonhoeffer Stiftung. Die haben mehrere H\u00e4user in T\u00fcbingen f\u00fcr Kinder die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen k\u00f6nnen. Oder auf der Kinderkrebsstation in Stuttgart. Da war das Maskottchen unterwegs, um den kleinen Patienten ein L\u00e4cheln aufs Gesicht zu zaubern.<br \/>\nWenn der Pl\u00fcschtiger in der Mensa herumwandelt, handelt es sich allerdings nicht um Schmitt. F\u00fcr ein richtiges Autogramm geht man also besser direkt zu einem Spiel, nur so ist es das Original.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Donnerstagmittag 12 Uhr in der Mensa Wilhelmstra\u00dfe. Die Tische sind voll besetzt. Studenten l\u00f6ffeln ihre Suppen. Durch die Reihen wandert ein \u00fcberdimensionaler Pl\u00fcschtiger, die Frauen &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":264,"featured_media":2574,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[469,600,601,17,602,584],"class_list":["post-2573","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kupferplausch","tag-ausergewohnlicher-studentenjob","tag-handball","tag-maskottchen","tag-sport","tag-tigerle","tag-walter-tigers"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2573","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/264"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2573"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2573\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24159,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2573\/revisions\/24159"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2573"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2573"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2573"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}