{"id":2680,"date":"2014-01-29T10:35:42","date_gmt":"2014-01-29T09:35:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=2680"},"modified":"2021-02-21T12:35:55","modified_gmt":"2021-02-21T12:35:55","slug":"das-schlechte-gewissen-im-studentischen-alltag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/01\/29\/das-schlechte-gewissen-im-studentischen-alltag\/","title":{"rendered":"Das schlechte Gewissen im studentischen Alltag"},"content":{"rendered":"<address><strong>F\u00fcr viele hat sie schon begonnen, bei anderen geistert sie bisher nur im Kopf herum und verursacht ein schlechtes Gewissen \u2013 Die Pr\u00fcfungsphase. Ist das schlechte Gewissen vor den Pr\u00fcfungen Fluch oder vielleicht sogar ein Segen?<\/strong><\/address>\n<address><!--more--><\/address>\n<p>Noch etwa eine (!) Woche bis zu den Pr\u00fcfungen. Ein beliebiger Student, nennen wir ihn im Sinne der Einfachheit und im Jargon der Uni Studierender, hat ein schlechtes Gewissen. Er hat ein schlechtes Gewissen, wenn er sich in Facebook herumtreibt, er hat ein schlechtes Gewissen, wenn er sich anstelle einer Tiefk\u00fchlpizza ein anst\u00e4ndiges Essen macht, er hat ein schlechtes Gewissen, wenn er l\u00e4nger als die n\u00f6tigen sieben bis acht Stunden schl\u00e4ft, und wenn er sich zwischendurch mit Freunden trifft sowieso. Das Gewissen des Studierenden verlangt quasi, dass er sich wie Martin Luther in einer kleinen Kammer verbarrikadiert, sein Vorlesungsskript wie die Bibel huldigt und m\u00f6glichst einem asketischen Ideal fr\u00f6nt. Kurz: Das Gewissen verlangt von einem Menschen mit einer halbwegs intakten sozialen Kompetenz das Unm\u00f6gliche.<\/p>\n<h3>Das Gewissen verlangt das Unm\u00f6gliche<\/h3>\n<p>Nat\u00fcrlich darf man dem Gewissen seine N\u00fctzlichkeit nicht absprechen. Auch ohne ein gro\u00dfer Philosoph zu sein, darf man wohl behaupten, dass das Gewissen eine wichtige Eigenschaft ist, die uns als Menschen definiert und eine wichtige Komponente unseres Zusammenlebens darstellt. Allerdings geht es beim schlechten Gewissen des Studierenden erst mal nicht um die Grundlage unseres sozialen Zusammenlebens, sondern lediglich darum, ob heute f\u00fcnfzig oder hundert Seiten gelernt wurden. Dementsprechend ist die Aussage, die der Studierende oft von Kommilitonen h\u00f6rt, mit denen er \u00fcber sein schlechtes Gewissen spricht, f\u00fcr den Zusammenhalt unserer Gesellschaft unbedenklich und im Sinne des Nervenkost\u00fcms richtig: Es bringt nichts, wenn wir uns verr\u00fcckt machen. Dein Gewissen wirst du nicht beruhigen k\u00f6nnen. Es verlangt das Utopische und ist dann immer noch nicht zufrieden. Im Grunde ist auch schon jeder einmal zu dieser Erkenntnis gelangt, aber meistens war sie zu schwach, um das schlechte Gewissen in die Schranken zu weisen. Also was tun? Alkohol ist nat\u00fcrlich eine L\u00f6sung, aber wohl nur tempor\u00e4r. Des Weiteren verst\u00e4rkt er das schlechte Gewissen am n\u00e4chsten Tag betr\u00e4chtlich. Andere Drogen werden wohl dasselbe Ergebnis zeitigen. Der Pragmatiker, der schon l\u00e4ngst aufgeh\u00f6rt hat, diese Glosse zu lesen, wird einem lapidar raten: Das ist der Preis der Freiheit im Studium. Du hast ja sonst keine Probleme. Lebe damit!<\/p>\n<h3>Lebe damit!<\/h3>\n<p>Genau in dieser Feststellung der Freiheit liegt wohl auch die N\u00fctzlichkeit des schlechten Gewissens fernab elementarer philosophischer Erw\u00e4gungen: Das Gewissen fungiert als Motivator, als ein Kompass in der zugegebenerma\u00dfen mittlerweile auch schon eingeschr\u00e4nkten Freiheit des Studiums.\u00a0 Hand aufs Herz: Wer w\u00fcrde denn sonst eine Kneipentour ausschlagen, um zu lernen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr viele hat sie schon begonnen, bei anderen geistert sie bisher nur im Kopf herum und verursacht ein schlechtes Gewissen \u2013 Die Pr\u00fcfungsphase. 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