{"id":2685,"date":"2014-02-08T11:50:57","date_gmt":"2014-02-08T11:50:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=2685"},"modified":"2021-02-21T12:35:34","modified_gmt":"2021-02-21T12:35:34","slug":"nach-den-sternen-greifen-ein-blick-in-die-sterne-verraet-viel-ueber-uns-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/02\/08\/nach-den-sternen-greifen-ein-blick-in-die-sterne-verraet-viel-ueber-uns-selbst\/","title":{"rendered":"Nach den Sternen greifen &#8211; ein Blick in die Sterne verr\u00e4t viel \u00fcber uns selbst."},"content":{"rendered":"<address><strong>Im Januar diesen Jahres (23.01.) wurde die Langzeitaustellung \u201eNach den Sternen greifen\u201c im Schlossmuseum Hohent\u00fcbingen er\u00f6ffnet. Mit eindr\u00fccklichen Originalen wie\u00a0 dem Buch \u201eMysterium Cosmographicum\u201c (Kepler: 1596), alten Teleskopen, aber auch fiktiven, \u00a0einfallsreichen Zeitungsmeldungen rund um den Fall Kopernikus, ist die kleine Ausstellung ideal, um einen anschaulichen und vielf\u00e4ltigen Einblick in Wissenschaft und Kultur des Mittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit zu erlangen.<!--more--><\/strong><\/address>\n<p>Seit Jahrtausenden beobachten Menschen den Himmel und erkennen immer wiederkehrende Muster oder au\u00dfergew\u00f6hnliche Ereignisse. Doch wie diese erkl\u00e4ren? \u00a0Naturkundliche, naturwissenschaftliche und religi\u00f6se Konzepte standen gleichberechtigt nebeneinander, Astronomie und Astrologie waren eine Wissenschaft.<br \/>\nDer Lauf der Gestirne war auf das Engste mit dem Schicksaal der Menschen verkn\u00fcpft. Dies war auch noch lange Zeit nach der kopernikanischen Wende bis weit ins 18. Jahrhundert zu sp\u00fcren. Selbst heute richten sich manche Menschen nach den Mondphasen, wann z. B. die Haare schneiden.<\/p>\n<h2><b>Der Mikro-Makrokosmos<\/b><\/h2>\n<p>Seit dem fr\u00fchen Mittelalter geh\u00f6rte die Astronomie und Astrologie zum traditionellen Wissenskanon und wurde an den Universit\u00e4ten innerhalb der Sieben freien K\u00fcnste gelehrt. Enzyklop\u00e4dien aus dieser Zeit zeigen, dass die Welt und das gesamte Wissen \u00fcber sie ein Spiegel der g\u00f6ttlichen Weisheit darstellte. Das Wissen \u00fcber den Makrokosmos wurde aber auch praktisch eingesetzt, wenn es darum ging, das liturgische Jahr zu bestimmen: Das Osterdatum, gebunden an den ersten Fr\u00fchlingsvollmond, musste jedes Mal neu berechnet werden. Der Mensch wiederum als Makrokosmos in klein \u2013 ein Mikrokosmos eben \u2013 hing auch von der Konstellation der Sterne ab. So f\u00fchrte man Krankheit und Gesundheit darauf zur\u00fcck und richtete sich beim Aderlass \u2013 richtiger Zeitpunkt und richtiger Ort \u2013 nach den Sternen.<\/p>\n<h2><b>Politisch von h\u00f6chstem Interesse<\/b><\/h2>\n<h3><\/h3>\n<p>Wenn die Sterne bereits solche Macht auf das Leben des Allerkleinsten aus\u00fcben, um wie viel mehr bei den Gro\u00dfen dieser Welt? Jeder Kaiser, K\u00f6nig oder Heerf\u00fchrer \u2013 von Maximilian I. bis zum Generalissmus Wallenstein \u2013 nutzte die Sternendeutung, um daraus einen Blick in die Zukunft zu gewinnen, getreu dem Motto: Wie die Sterne steh\u00b4n,\u00a0 so die Feinde geh\u00b4n .<\/p>\n<h2><b>Ende der Synthese zwischen Glaube und Naturwissenschaft?<\/b><\/h2>\n<p>Mit dem \u00dcbergang vom ptolem\u00e4ischen zum heliozentrischen Wissenschaftsparadigma \u00e4nderte sich einiges, vieles blieb aber weiterhin bestehen: Die Hypothese des Kopernikus, dass n\u00e4mlich die Sonne Zentrum und Fixpunkt des Universums sei, wurde durch Johannes Kepler im 16. Jahrhundert ausgebaut und bewiesen. \u00a0Kepler studierte Theologie an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen und lernte hier die Grundlagen f\u00fcr seine bahnbrechenden Entdeckungen kennen. F\u00fcr Kepler gab es kein Entweder-Oder, keinen Widerspruch zwischen g\u00f6ttlicher Offenbarung und Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Der heftige Streit um die Deutungshoheit in den Wissenschaften ging an der Sache vorbei.<br \/>\nGerade aus seinen Entdeckungen \u00fcber den Kosmos, erkannte er Sch\u00f6nheit und Ordnung, die Gott geschaffen habe und noch immer lenke. Mit gro\u00dfer Bravour und Eifer verband er seine Einblicke in das Buch der Natur mit denen der Heiligen Schrift. In dieser Tradition folgten ihm sp\u00e4ter weitere Koryph\u00e4en seines Faches, wie der Jesuit Pierre de B\u00e9rulle und Isaak Newton.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Januar diesen Jahres (23.01.) wurde die Langzeitaustellung \u201eNach den Sternen greifen\u201c im Schlossmuseum Hohent\u00fcbingen er\u00f6ffnet. 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