{"id":2729,"date":"2014-02-17T16:59:03","date_gmt":"2014-02-17T16:59:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=2729"},"modified":"2021-02-21T12:34:33","modified_gmt":"2021-02-21T12:34:33","slug":"akzeptanz-sexueller-vielfalt-im-baden-wuerttembergischen-bildungsplan-2015-aber-was-halten-die-tuebinger-studierenden-davon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/02\/17\/akzeptanz-sexueller-vielfalt-im-baden-wuerttembergischen-bildungsplan-2015-aber-was-halten-die-tuebinger-studierenden-davon\/","title":{"rendered":"\u201eAkzeptanz sexueller Vielfalt\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><strong><em>Seit einigen Wochen ist der baden-w\u00fcrttembergische Bildungsplan 2015 in fast aller Munde. Dazu beigetragen hat vor allem die Petition \u201eZukunft-Verantwortung-Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens\u201c. Ins Leben gerufen wurde sie von dem Realschullehrer Gabriel St\u00e4ngle. Seitdem hat sie viele verschiedene Reaktionen hervorgerufen.<\/em><\/strong><\/p>\n<address><!--more--><\/address>\n<p>Wirft man einen Blick in die Ausarbeitung des Bildungsplans 2015, so sind dort, neben anderen Inhalten, f\u00fcnf Leitprinzipien aufgelistet: Berufliche Orientierung, Bildung f\u00fcr nachhaltige Entwicklung, Medienbildung, Pr\u00e4vention und Gesundheitsf\u00f6rderung und Verbraucherbildung. All diese Leitprinzipien sollen unter anderem auch unter dem Gesichtspunkt der sexuellen Vielfalt betrachtet werden.&nbsp;Dass dieses Thema unter Studentinnen und Studenten diskutiert wird, beweisen zum einen die Abrei\u00dfzettel, die gerade an vielen T\u00fcbinger Laternen zu finden sind und zum Unterzeichnen einer Gegenpetition auffordern und zum anderen die Meinungen, die wir gesammelt haben und euch nun hier vorstellen.<br \/>\nVerwunderlich ist das Interesse nicht, da sich gerade viele der angehende Lehrerinnen und Lehrer mit diesem Thema direkt konfrontiert sehen. Deshalb haben wir nachgefragt, wie Studentinnen und Studenten zu dem Entwurf des Bildungsplans stehen und was sie von der Petition \u201eZukunft-Verantwortung-Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens\u201c halten. Um ehrliche Antworten zu bekommen, haben wir beschlossen, die Meinungen anonym einzuholen und lediglich Geschlecht und Studiengang zu nennen.<br \/>\n<b>Lehramtsstudentin Chemie, Biologie, Geographie:<\/b><br \/>\n\u201eDie ganze Debatte beruht meiner Meinung nach auf einem gro\u00dfen Missverst\u00e4ndnis, n\u00e4mlich dem des Einreichers der Petition. Er interpretiert in den Bildungsplan zu viel hinein. Wenn man seine Petition durchliest, bekommt man ja den Eindruck, es gebe demn\u00e4chst das Fach &#8222;Sexuelle Umerziehung&#8220;. Ich kann deshalb verstehen, wenn die Leute unterzeichnen. Das Ganze hat aber wenig mit dem tats\u00e4chlichen Bildungsplan zu tun, der neben religi\u00f6ser und ethnischer Vielfalt nun eben auch sexuelle Vielfalt aufgreift und damit n\u00e4her an die allt\u00e4gliche Erfahrungswelt der SuS heran tritt &#8211; was definitiv Unterst\u00fctzens wert ist.\u201c<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<b>Lehramtsstudentin Geschichte, Englisch, Philosophie:<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nIch finde den vorgeschlagenen Bildungsplan generell gut. Die Idee der Kritiker, dass das Ganze nur \u201eIndoktrination\u201c von Kindern\/SuS sei, halte ich f\u00fcr ziemlich heterosexistisch.<br \/>\nHeterosexuelle Beziehungsformen m\u00f6gen zwar die dominanten sein, aber alle anderen als eine Art<br \/>\n\u201evom Normalen abweichende Ideologie\u201c hinzustellen, finde ich ziemlich fragw\u00fcrdig. Diese Menschen deswegen einfach zu verschweigen ist ganz offensichtlich diskriminierend.<br \/>\nEtwas, das die Kritiker ja anscheinend auch nicht wollen: &#8222;Wir unterst\u00fctzen das Anliegen,<br \/>\nHomosexuelle, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle nicht zu diskriminieren.<br \/>\nBestehende Diskriminierung soll im Unterricht thematisiert werden. (D)er Aktionsplan schie\u00df(t)<br \/>\njedoch \u00fcber das Ziel der Verhinderung von Diskriminierung hinaus.&#8220; Dabei vergessen sie aber, dass<br \/>\n\u201eDiskriminierung\u201c nicht nur so extreme Versionen wie Gewalt gegen bestimmte<br \/>\nPersonen\/-gruppen bedeutet, sondern eben auch etwas als \u201eunnormal\u201c hinstellt. Man schaue in Schulen, wo \u201eSchwuchtel\u201c oder \u201eschwul\u201c immer noch ziemlich allt\u00e4gliche Beleidigungen<br \/>\nsind. Und Kindern eben nur beizubringen, dass \u201edas andere auch ok\u201c ist, ist nicht der richtige Weg, der zu weniger Diskriminierung f\u00fchren w\u00fcrde. Nur wirkliches Verst\u00e4ndnis k\u00f6nnte dies erreichen.\u201c<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<b>Lehramtstudentinnen Spanisch, Englisch und Deutsch, Politik:<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n\u201eMan k\u00f6nnte \u201eAkzeptanz von sexueller Vielfalt\u201c durch \u201eAkzeptanz von individueller Vielfalt\u201c ersetzen. Individuelle Vielfalt w\u00fcrde dann z:B. sexuelle Vielfalt, Behinderung und religi\u00f6se Orientierung beinhalten.<br \/>\nDie Petition kann unterschiedlich aufgefasst werden, zum einen so, dass sexuelle Vielfalt nicht toleriert wird, zum anderen so, dass der Fokus nicht ausschlie\u00dflich auf dem Thema \u201eAkzeptanz von sexueller Vielfalt\u201c liegen sollte, sondern auch andere, wichtige Themen ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssten.<br \/>\nDie Petition ist sehr missverst\u00e4ndlich, weshalb eine neue, konkrete Petition gestartet werden sollte, die klarstellt, dass keine Ablehnung der Akzeptanz sexueller Vielfalt gemeint ist, aber andere Themen ebenso wichtig sind.\u201c<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<b>Master-Studentin Geographie:<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n\u201eDie \u00c4nderung des Bildungsplans ist hervorragend und die Petition finde ich bedenklich.\u201c<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<b>Lehramtsstudentin Geographie, Franz\u00f6sisch:<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n\u201eDie \u00c4nderung des Bildungsplans ist eine gute und wichtige Idee. Ich kann aber verstehen, woher die Argumentation des Petitionsstellers kommt. In der Landesverfassung steht, dass die Familie einen besonderen Schutz verdient und die Definition von Familie ist im Gesetz Vater, Mutter, Kind. Deshalb schafft der Bildungsplan im Moment eine Realit\u00e4t, die so noch nicht existiert.\u201c<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<b>Lehramtsstudentin Biologie, Geographie:<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n\u201eIch stehe voll und ganz hinter dem geplanten Bildungsplan der Landesregierung, weil ich Homosexualit\u00e4t als zur Gesellschaft zugeh\u00f6rig ansehe und sie aus fachlicher Sicht auch f\u00fcr nat\u00fcrlich halte. Dementsprechend halte ich von der Petition gar nichts.\u201c<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<b>Studentinnen der Medienwissenschaften:<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n\u201eOhne genau zu wissen, welche Inhalte der Bildungsplan beinhaltet, klingt der Name der Petition unseri\u00f6s und homophob, wie eine klischeehafte und abwertende Metapher.<br \/>\nTrotzdem ist es wichtig, dass die \u201eAkzeptanz sexueller Vielfalt\u201c in einem nat\u00fcrlichen Rahmen geschieht und nicht durch Zwang und in einer k\u00fcnstlichen Atmosph\u00e4re, damit es von den Kindern auch als nat\u00fcrlich wahrgenommen werden kann.\u201c<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<b>Student der Humanmedizin:<\/b><br \/>\n\u201eZu dem Bildungsplan 2013 habe ich mir noch keine direkte Meinung gebildet, allerdings finde ich die Inhalte und Argumente der Petition zu einseitig.\u201c<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<b>Lehramtsstudent Englisch und Geschichte:<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n\u201eIch halte es f\u00fcr Quatsch, weil diese Petition fordert, dass lediglich ein Modell unter vielen hervorgehoben wird. Dies ist in h\u00f6herem Ma\u00dfe ideologisch und undemokratisch, da verschiedene Lebensmodelle ausgeschlossen werden sollen. Wer Angst davor hat, dass in Zukunft nur noch homosexuelle unser Land bev\u00f6lkern, impliziert erstens, dass Heterosexualit\u00e4t \u00e4nderbar ist, was ebenso wie bei Homosexualit\u00e4t nicht zutrifft und zweitens, dass im direkten Vergleich Homosexualit\u00e4t viel attraktiver ist, was nat\u00fcrlich so auch nicht stimmen kann.\u201c<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<b>Student der Humanmedizin:<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n\u201eIch finde das Vorhaben der Landesregierung super. Auch aufgrund von Erfahrungen in meiner eigenen Schulzeit, bin ich der Meinung, dass dieses Thema viel zu wenig in der Schule angesprochen wird. Ich hatte vielmehr den Eindruck, Lehrer w\u00fcrden dem Thema ausweichen und die Verantwortung auf andere Kollegen\/F\u00e4cher abtreten. Durch die Pl\u00e4ne der Regierung, das Thema f\u00e4cher\u00fcbergreifend zu priorisieren, erhoffe ich mir ein gr\u00f6\u00dferes Verantwortungsbewusstsein der Lehrer.\u201c<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<b>Studentinnen der Rechtswissenschaft:<\/b><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n\u201eF\u00fcr die Petition spricht die Orientierung am Artikel 3 Grundgesetz (Gleichheit vor dem Gesetz) in Verbindung mit Artikel 6 Ehe und Familie, die Vorwegnahme der elterlichen Erziehung, die \u00dcberbetonung einzelner Gruppen und ihrer Interessen und die Ausgrenzung von Alter, Geschlecht und Religion, Herkunft, Behinderung und so weiter.<br \/>\nGegen die Petition spricht die Minderung der Diskriminierung mit Blick auf die Gewaltpr\u00e4vention und der Aspekt, dass die Gesellschaft immer offener wird, auch gegen\u00fcber \u201ekritischen\u201c Themen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Wochen ist der baden-w\u00fcrttembergische Bildungsplan 2015 in fast aller Munde. 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