{"id":2752,"date":"2014-04-21T12:31:56","date_gmt":"2014-04-21T12:31:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=2752"},"modified":"2021-02-21T12:34:05","modified_gmt":"2021-02-21T12:34:05","slug":"die-quotenzauberin-wie-katja-hofem-die-fernsehwelt-revolutionierte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/04\/21\/die-quotenzauberin-wie-katja-hofem-die-fernsehwelt-revolutionierte\/","title":{"rendered":"Die Quotenzauberin"},"content":{"rendered":"<address><em><strong>Katja Hofem ist daf\u00fcr verantwortlich, dass Shows wie \u201eBig Brother\u201c oder \u201ePopstars\u201c in das deutsche Fernsehen eingezogen sind und welche Serien bei sixx laufen. Sie war bereits mit 28 Jahren Unterhaltungschefin bei RTL 2. Im Jahr 2009 \u00fcbernahm sie die Programmf\u00fchrung bei DMAX und baute sp\u00e4ter den Fernsehsender sixx &nbsp;auf.&nbsp;<\/strong><\/em><!--more--><\/address>\n<p>&nbsp;Der T\u00fcbinger Verein \u201eQuerfeldein\u201c l\u00e4dt immer wieder prominente G\u00e4ste nach T\u00fcbingen, um sich in entspannter Atmosph\u00e4re mit Ihnen \u00fcber ihre Arbeit zu unterhalten. Auch das Publikum hat die M\u00f6glichkeit, pers\u00f6nlich mit den G\u00e4sten ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Letzten Donnerstag konnte man im \u201eRibingur\u016bmu\u201c in der M\u00fchlstra\u00dfe mehr \u00fcber Katja Hofem erfahren.<br \/>\nIm Interview mit der vierundvierzigj\u00e4hrigen Topmanagerin spricht sie \u00fcber Karrieretipps, ihre eigenen Erfahrungen, die Einf\u00fchrung von \u201eBig Brother\u201c und die Frauenquote:<\/p>\n<h2>Wie kamen Sie zum Fernsehen?<\/h2>\n<p>Es hilft, wenn man klare Vorstellungen hat und die hatte ich immer. Sie haben sich zwar ge\u00e4ndert, waren aber immer da. Meine erste Vorstellung war, dass ich gerne in den politischen Journalismus zum \u201eSPIEGEL\u201c gehen w\u00fcrde. In dieser Richtung hatte ich mir dann auch meine Praktika ausgesucht und habe beispielsweise bei einer Nachrichtenagentur gearbeitet. Sp\u00e4ter, als ich dann das Fernsehen kennen gelernt habe und &nbsp;in einer politischen Redaktion arbeitete, stellte ich mir vor, Auslandskorrespondentin zu werden. Das passte dann auch gut zu meinem Studium in Augsburg, weil ich neben Politik- und Kommunikationswissenschaft auch Amerikanistik studiert habe. Aber Fernsehen war dann doch das Medium, das mich am meisten \u201egekickt\u201c hat. Ich konnte mich dann relativ schnell darauf fokussieren, was ich in der TV-Welt machen m\u00f6chte.<\/p>\n<h2>War schnell klar, dass Sie in den Managementbereich wollen?<\/h2>\n<p>Ich habe bei RTL 2 die Unterhaltungsredaktion aufgebaut und geleitet. Das war viel Managing-Arbeit, obwohl ich das damals noch nicht so bezeichnet hab. Ich war auch erst achtundzwanzig. Es war ein \u201elearning by doing\u201c. Gott sei Dank hat das alles super funktioniert und geklappt. Und es war auch viel Intuition dabei. Als es ein St\u00fcck weiter ging und ich Programmleiterin wurde, war mir klar, dass mir das Produzieren &nbsp;und n\u00e4chtelange Sitzen im Schnitt oder \u00dc-Wagen unheimlich Spa\u00df macht. &nbsp;Trotzdem habe ich ganz bewusst f\u00fcr mich die Entscheidung getroffen: Ich will mir nicht mehr die N\u00e4chte mit verr\u00fcckten K\u00fcnstlern um die Ohren schlagen, ich m\u00f6chte lieber &nbsp;in eine entscheidende, verantwortungsvolle und gestaltende Funktion kommen. Das war eine ganz klare Entscheidung, die ich dann auch konstant weiter verfolgt habe. Als ich dann von RTL 2 weg ging, war das f\u00fcr mich der n\u00e4chste Schritt und ich wusste: Jetzt geht es in eine klare Managerposition rein.<\/p>\n<h2>&nbsp;Viele Studenten tr\u00e4umen von dem, was Sie erreicht haben. Was k\u00f6nnen Sie ihnen mit auf den Weg geben?<\/h2>\n<p>Was ich jetzt r\u00fcckblickend nat\u00fcrlich sagen muss: Die Karriere, die ich gemacht habe, ist in Anf\u00fchrungszeichen schon eine \u201euntypische\u201c. Es ging zwar stets in eine Richtung, aber man muss sich heute, wenn man vor oder mitten im Studium steckt, um einiges klar werden: Will ich in den produzierenden Journalismus und dort auch bleiben? Oder m\u00f6chte ich eher in den Medienmanagementbereich reingehen? Das sind schon zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich bin jetzt im produzierenden Journalismus im Medienmanagementbereich gelandet und musste mir \u201eon the run\u201c und nebenbei relativ viel an BWL und juristischen Kenntnissen aneignen. Das hei\u00dft, wenn jemand sagt: Okay, ich m\u00f6chte mal Managerin in einem Medienkonzern werden oder ich m\u00f6chte vielleicht einen Fernsehsender f\u00fchren, hilft es durchaus, BWL und Jura wenigstens im Nebenfach zu studieren. Wenn man diese ganzen Grundlagen heute nicht hat, ist es ein bisschen schwieriger, den Sprung&nbsp;von \u201eIch mache zehn Beitr\u00e4ge am Tag\u201c zu \u201e Ich f\u00fchre einen Radio- oder Fernsehsender\u201c zu machen.<\/p>\n<h2>Sie haben Dmax, als einen Sender f\u00fcr M\u00e4nner und sixx, als den absoluten Frauensender geleitet. Wie l\u00e4sst sich das vereinbaren?<\/h2>\n<p>Am Ende des Tages ist es ein Handwerk. Das ist genau so wie, wenn ich beispielsweise ein Maler w\u00e4re. Dann m\u00fcsste ich die Bl\u00fcmchen an die Wand malen k\u00f6nnen. Genauso m\u00fcsste ich aber auch die Raufasertapete kleben k\u00f6nnen. Es ist das \u201eHandbuch\u201c des Medienfachmanns oder der Medienfachfrau, das man beherrschen muss. Plus eine ganz gute Intuition, die man einfach braucht, um sich in Zielgruppen reinversetzen zu k\u00f6nnen. Das kann ich ganz gut. Klar war &nbsp;sixx dann die K\u00fcr, weil das \u201cmein Programm\u201c war. Da konnte ich dann endlich mal die Sendungen und Serien programmieren, die ich privat gerne angucke. DMAX hat mir aber genauso gro\u00dfen Spa\u00df gemacht. Discovery, der Mutterkonzern von DMAX, ist ein amerikanischer Konzern. Sie haben eine Frau auf die Position gesetzt und sich ganz bewusst f\u00fcr mich entschieden, weil sie keinen klischeehaften M\u00e4nnersender wollten. Mein Senderkonzept war von Anfang an klar: Man kann einen M\u00e4nnersender ohne Fu\u00dfball und ohne Erotik machen.<\/p>\n<h2>&nbsp;Mit \u201eBig Brother\u201c haben Sie ein neues Fernsehformat in Deutschland etabliert, das einen riesigen Erfolg hatte. Sozusagen die Mutter aller Reality Shows. Wie haben Sie es geschafft die Sendung hierherzuholen?<\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5em;\">&nbsp;<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">Mit viel Bauchgef\u00fchl und auch Gl\u00fcck, an der richtigen Stelle im richtigen Moment zu sein. Bei \u201eBig Brother\u201c war es wie im Bilderbuch, wie es heute wahrscheinlich nur noch selten vorkommen kann. Ich hatte einen Termin mit John de Mol in Holland, bei dem es um neue Formate ging. Da war \u201eBig Brother\u201c in Holland gerade eine Woche \u201eon Air\u201c. Es zeichnete sich ab, dass es sich extrem erfolgreich entwickelt und dann hat er mich mitgenommen in dieses \u201eKamerakreuz\u201c. Man muss sich das so vorstellen: In der Mitte ist das Haus, um das Haus herum ein Raum, in dem alle Kameras auf Schienen stehen. Wir standen in dem Raum, schauten durch verspiegelte Scheiben auf das Haus und in diesem Moment dachte ich: Hier passiert gerade etwas ganz Gro\u00dfes. Etwas Neues in der TV-Welt. Zur\u00fcck in M\u00fcnchen habe ich den damaligen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von RTL 2 \u00fcberzeugt: Wir m\u00fcssen das machen, das ist ganz gro\u00df. Und dann haben wir es durchgezogen, gegen alle Widerst\u00e4nde. Das hat das Fernsehen ver\u00e4ndert, es war ein sehr harter Kampf. Angefangen damit, dass ich die erste Woche &nbsp;kaum geschlafen habe und wir bis zum Sendestart nicht wussten, ob wir \u00fcberhaupt senden durften. &nbsp;Das war schon ein Aufschrei in der gesamten Medienbranche.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"line-height: 1.5em;\">&nbsp;Sind Sie in ihrer Position auch mal auf Widerstand gesto\u00dfen? <\/span><\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5em;\">&nbsp;Ja, das passiert. Weil ich sehr jung war, kam das vor allem in den Anf\u00e4ngen vor. Mit 28 Jahren war ich die j\u00fcngste Unterhaltungschefin im deutschen Fernsehen. Das war damals wirklich sehr jung . Es kam auch vor, dass ich in ein Meeting kam und ein m\u00e4nnlicher Kollege fragte mich: \u201eWann kommt denn Frau Hofem und k\u00f6nnen Sie mal einen Kaffee machen?\u201c Viele dachten, ich sei die Sekret\u00e4rin. Als sie jedoch gesehen haben, dass ich nicht in die Position gekommen bin, weil ich blond und eine Frau bin, sondern weil ich wirklich etwas geleistet habe und vielleicht mehr kann, als andere, habe ich mir einen Namen und Respekt erarbeitet. So etwas gibt es heute teilweise auch noch, vor allem in gro\u00dfen Konzernen, in denen oft m\u00e4nnliche Strukturen vorherrschen. <\/span><\/p>\n<h2><span style=\"line-height: 1.5em;\">&nbsp;Sie setzten sich auch aktiv f\u00fcr die Frauenquote ein? <\/span><\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5em;\">&nbsp;Ja! Es ist ein komplexeres Thema. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn die Frauenquote nicht n\u00f6tig w\u00e4re. Die gesellschaftlichen Bedingungen sollten so gestaltet werden, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht mehr ein \u201eHarakiri-Akt\u201c ist oder einer, der dich in den Burn-Out treibt, sondern&nbsp;selbstverst\u00e4ndlich w\u00e4re. Das w\u00e4re schon mal ein gro\u00dfer Schritt. Dann braucht man auch keine Frauenquote mehr. &nbsp;<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"line-height: 1.5em;\">Ist es denn sinnvoll \u00fcberhaupt unbezahlte Praktika zu machen?<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"line-height: 1.5em;\"> &nbsp;Ja, das w\u00fcrde ich empfehlen, vor allem, wenn es zur Berufs-Vorstellung passt. Das ist zwar manchmal hart, aber ich habe es auch gemacht. Die Bezahlung ist die Erfahrung, die man macht. Da investiert man &nbsp;gut in die sp\u00e4tere Arbeit rein. Aber man sollte, wenn man Praktika macht, darauf achten, dass man nicht nur Kaffee kocht &nbsp;und kopiert, sondern dass man auch etwas lernt. Wichtig bei jedem Studium: M\u00f6glichst nah an der Praxis sein und &nbsp;viele Praktika machen. &nbsp;Aber ich glaube, wenn man authentisch ist, bei sich selbst bleibt und seinem Stil treu bleibt, dann macht man seinen Weg. Dabei darf man sich durchaus auch einmal wehren. &nbsp;<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katja Hofem ist daf\u00fcr verantwortlich, dass Shows wie \u201eBig Brother\u201c oder \u201ePopstars\u201c in das deutsche Fernsehen eingezogen sind und welche Serien bei sixx laufen. 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