{"id":2782,"date":"2014-04-23T19:32:45","date_gmt":"2014-04-23T19:32:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=2782"},"modified":"2021-02-21T12:33:22","modified_gmt":"2021-02-21T12:33:22","slug":"melancholische-computerliebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/04\/23\/melancholische-computerliebe\/","title":{"rendered":"Melancholische Computerliebe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><em><strong>Der neue Film von Spike Jonze ist ein romantischer Science-Fiction-Film. Er zeigt uns Joaqu\u00edn Phoenix in der Rolle eines h\u00f6chst sensiblen Einzelg\u00e4ngers, der sich in ein Betriebssystem verliebt. Der Film irritiert \u2013 ber\u00fchrt einen aber auch zutiefst. Es werden grundlegende Fragen danach aufgeworfen, wie wir lieben und wie wir Beziehungen f\u00fchren und was \u201ewahre Liebe\u201c eigentlich ausmacht. Wie \u00e4ndert sich unser Verst\u00e4ndnis von N\u00e4he und zwischenmenschlichen Beziehungen, wenn ein immer gr\u00f6\u00dfer werdender Teil der Kommunikation nicht mehr von Angesicht zu Angesicht abl\u00e4uft?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><b>Einsamkeit und tote Katzen <\/b><br \/>\nTheodore Twombly (Joaqu\u00edn Phoenix) ist ein einsamer Melancholiker, der von seiner Frau (Rooney Mara) getrennt lebt. Er besitzt ein besonderes Gesp\u00fcr f\u00fcr ber\u00fchrende Worte und so arbeitet er bei einer Firma, bei der man handgeschriebene Briefe in Auftrag geben kann. In seinem Privatleben ist er jedoch h\u00e4ufig allein, einzig seine Nachbarin und gute Freundin Amy (Amy Adams) scheint er regelm\u00e4\u00dfig zu sehen. Er schl\u00e4ft schlecht und f\u00fchrt nachts am Telefon Sexgespr\u00e4che mit fremden Frauen, die teilweise extrem besorgniserregende Vorlieben haben (tote Katzen und Sex sollten nicht im gleichen Kontext stehen).<\/p>\n<p><b>Ein Betriebssystem als Antidepressivum<\/b><br \/>\nAls ein neues, intelligentes Operating System (OS) auf den Markt kommt, scheint dies genau das Richtige f\u00fcr ihn zu sein. Es verf\u00fcgt \u00fcber k\u00fcnstliche Intelligenz, verh\u00e4lt sich nahezu menschlich und wird individuell an den Benutzer angepasst. Theodore entscheidet sich f\u00fcr eine weibliche Identit\u00e4t und sein neues Betriebssystem begr\u00fc\u00dft ihn \u2013 Samantha (im Original gesprochen von Scarlett Johansson). Er baut in diversen Gespr\u00e4chen eine enge Beziehung zu ihr auf und verliebt sich letztlich in sie. Sie will alles \u00fcber ihn und die Welt, in der er lebt, wissen und Theodore vertraut ihr alles an, was ihn besch\u00e4ftigt. Samanthas Faszination am Leben er\u00f6ffnet auch Theodore eine neue und gl\u00fccklichere Perspektive. Er f\u00fchlt sich lebendig, geht wieder aus und Samantha ist st\u00e4ndig via Kamera bei ihm.<\/p>\n<p><b>Liebe ohne K\u00f6rper<\/b><br \/>\nJoaqu\u00edn Phoenix spielt die Rolle des Theodore Twombly extrem eindr\u00fccklich. Sein Gesicht wird zur Leinwand seiner Gef\u00fchle, sodass der Zuschauer auch ohne viele Worte in die Atmosph\u00e4re des Films hineingezogen wird. Die ruhigen Bilder erm\u00f6glichen eine Fokussierung auf das Innenleben des Protagonisten. Scarlett Johansson schafft es, nur mit ihrer Stimme eine beeindruckende Pr\u00e4senz zu erzeugen. Beinahe kann man Theodore verstehen, der immer wieder sagt, dass er sie sp\u00fcren kann, wenn er mit ihr spricht. Dass diese M\u00f6glichkeit in Wahrheit nicht gegeben ist, f\u00fchrt zu bemerkenswert irritierenden, aber auch sehr eindr\u00fccklichen Sexszenen. Spike Jonze reduziert hier auch die Wahrnehmungsm\u00f6glichkeiten der Zuschauer, indem er die Leinwand einfach f\u00fcr zwei Minuten vollst\u00e4ndig schwarz werden l\u00e4sst und man das Geschehen nur auditiv wahrnimmt. Die fehlende k\u00f6rperliche Pr\u00e4senz wird auch zum Problem in der Beziehung zwischen Samantha und Theodore. Er zweifelt daran, ob solch eine Verbindung \u00fcberhaupt \u201eecht\u201c ist. Kann es wahre Liebe zwischen einem Betriebssystem und einem Menschen geben? So ungew\u00f6hnlich dieses Szenario anmuten mag, so vertraut sind die Fragen, die au\u00dferdem aufkommen. Was liebe ich an einer bestimmten Person? Wie echt, wie tief sind die Gef\u00fchle wirklich? Was passiert, wenn der eine Partner mehr N\u00e4he braucht als der andere? Unsicherheit und Verwirrung, aber auch die Sehnsucht nach N\u00e4he und Verst\u00e4ndnis pr\u00e4gen jede Beziehung. Die extremen Gegebenheiten bei Samantha und Theodore erm\u00f6glichen eine intensive Betrachtung solcher Fragen.<br \/>\n\u201eHER\u201c ist ein \u00fcberaus intelligenter und intensiver Film, der sich mit grundlegenden Fragen von Liebe und Partnerschaft auseinandersetzt. Er reflektiert die Ver\u00e4nderungen, die sich in zwischenmenschlichen Beziehungen durch moderne Technik ergeben. Doch bei all seinem Anspruch ist der Film auch extrem ber\u00fchrend und sch\u00f6n. Wahrscheinlich wird sich jeder Zuschauer in mindestens einem Moment des Films wiederfinden \u2013 und verl\u00e4sst das Kino vielleicht kopfsch\u00fcttelnd, aber auch l\u00e4chelnd.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der neue Film von Spike Jonze ist ein romantischer Science-Fiction-Film. 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