{"id":2863,"date":"2014-05-03T13:21:07","date_gmt":"2014-05-03T13:21:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=2863"},"modified":"2021-02-21T12:31:28","modified_gmt":"2021-02-21T12:31:28","slug":"wem-gehoert-die-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/05\/03\/wem-gehoert-die-ukraine\/","title":{"rendered":"Wem geh\u00f6rt die Ukraine?"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<br \/>\n<strong><em>Wem geh\u00f6rt die Ukraine? \u00dcber diese strittige Frage wurde vergangenen Mittwoch im Schlatterhaus heftig diskutiert. Dazu eingeladen hat die Gruppe kritischer Studenten des Arbeitskreises Politik der Fachschafentvollversammlung (FSVV).<\/em><\/strong><br \/>\n<!--more--><br \/>\nReferent Theo Wenztke &#8211; Mitarbeiter beim marxistisch-gepr\u00e4gten Journal &#8222;GegenStandpunkt&#8220; &#8211; hatte es an diesem Abend nicht leicht. Nachdem er seine Gliederung vorgetragen hatte, merkte er en passant an, dass Fragen und Meldungen gerne gesehen und erw\u00fcnscht seien. Das Publikum &#8211; man k\u00f6nnte auch sagen &#8222;Wie zu erwarten&#8220; &#8211; bestand aus einigen Studierenden und Alt-68-ern, kurz: ein scheinbar sehr homogenes.<\/p>\n<h3><strong>Eine Einf\u00fchrung in die Sichtweise des Marxismus<\/strong><\/h3>\n<p>Zuerst gab Wentzke einen Exkurs zum Besten, indem er brav &nbsp;die Wurzeln allen \u00dcbels, Wirtschaft und Kapitalismus n\u00e4mlich, anprangerte und dies &#8211; so dozierte er &#8211; seien auch die Gr\u00fcnde f\u00fcr die jetzige Situation in der Ukraine. Daraufhin stellte er den Verlauf der Krise dar: Gegen den Standpunkt des Mainstreams, das hei\u00dft auch gegen jegliche westliche Sichtweise. Anlass der Krise sei das Assozierungsabkommen zwischen der Ukraine und der EU. Da das Abkommen aber f\u00fcr die ukrainische Wirtschaft eine enorme Belastung bedeutet h\u00e4tte &nbsp;&#8211; Streichung aller staatlichen Subventionen f\u00fcr energiereiche Industrien &#8211; weigerte sich der nun gest\u00fcrzte Pr\u00e4sident Janukowitsch zu unterzeichnen. Dazu Wentzke:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Europa geht bis an die Grenzen seiner Methode friedlicher Eroberung&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier kam es bereits zu den ersten Meldungen: Es gehe den Ukrainern nicht nur um bessere wirtschaftliche Aussichten, sondern vielmehr um Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Dies seien die echten Hoffnungen der Ukrainer.<\/p>\n<h3><strong>&#8222;Das ist m\u00fc\u00dfig dar\u00fcber zu diskutieren&#8220;<\/strong><\/h3>\n<p>Das sei m\u00fc\u00dfig dar\u00fcber zu diskutieren, was sich die Ukrainer w\u00fcnschen und, was sie sich erhoffen, so Wentzke. Schlie\u00dflich g\u00e4be es auch falsche Hoffnungen, weil keine Alternativen vorhanden seien. Diese seien zerschlagen worden, Wentzke weiter. Mit dieser lapidaren wie auch ungenauen Antwort beendete er die erste hitzige &#8222;Fragerunde&#8220;. Ein Vortag also, der bevor er richtig Fahrt aufgenommen hatte, schon ins Stocken geraten war.<\/p>\n<h3>&nbsp;<strong>Sachlichkeit und Zuh\u00f6ren sind nur Gespr\u00e4chsideale<\/strong><\/h3>\n<p>Es gehe aber gar nicht so sehr um die Arbeitspl\u00e4tze von tausenden Ukrainern &#8211; wozu dann der ganze Exkurs und das Lob \u00fcber die menschenfreundliche, sowjetische Wirtschaft zu Beginn? &#8211; nein, es gehe um&nbsp;<em>Identit\u00e4t<\/em>. Der Ukrainer sehe sich nunmehr mit seinem Landsmann konfrontiert, der mehr Sympathien f\u00fcr Russland hege, als f\u00fcr das eigene Land.<br \/>\nAn dieser Stelle meldet sich ein Ukrainer zu Wort, der klarstellen wollte: Die Maidan-Bewegung sei eine B\u00fcrgerbewegung. Die Aufst\u00e4ndischen in Donesk seien vom Kremel gelenkt. Mehr als 70 Prozent der Bev\u00f6lkerung lehne die Interventionen Russlands ab und wolle sich zum Westen hin orientieren.<br \/>\nDer Beitrag ging unter: Das Publikum lie\u00df ihn weder ausreden noch gab es eine Moderation mit Ansage. Zwischenrufe (&#8222;Und was ist mit den Faschisten?!&#8220;) bis hin zu einem aggressiven Gespr\u00e4chston zeichneten die Diskussion aus. Man bekam den Eindruck, dass Sachlichkeit und Zuh\u00f6ren nur l\u00e4stige Gespr\u00e4chsideale sind.<\/p>\n<h3><strong>Ukrainer verlassen den Saal<\/strong><\/h3>\n<p>Nach gut einer Stunde Streit verlie\u00dfen dann die ukrainischen Studierenden den Saal mit dem Rat an alle Anwesende, sie sollten sich ein eigenes Bild von der Lage machen und die Ukraine besser kennen lernen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wem geh\u00f6rt die Ukraine? \u00dcber diese strittige Frage wurde vergangenen Mittwoch im Schlatterhaus heftig diskutiert. 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