{"id":2935,"date":"2014-05-11T21:07:31","date_gmt":"2014-05-11T21:07:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=2935"},"modified":"2021-02-21T12:28:21","modified_gmt":"2021-02-21T12:28:21","slug":"wortgefecht-der-besonderen-art-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/05\/11\/wortgefecht-der-besonderen-art-2\/","title":{"rendered":"Wortgefecht der besonderen Art"},"content":{"rendered":"<p><em>Sollte Gehirndoping erlaubt sein? Zu dieser Frage lieferten sich Studenten des \u00e4ltesten Debattierclubs Deutschlands \u201eStreitkultur\u201c mit renommierten Professoren aus den Fachrichtungen Jura, Medizinethik und Psychologie am vergangenen Mittwoch ein unausgeglichenes Duell im Kupferbau. Im Kampf mit Argumenten gl\u00e4nzten die Professoren nicht nur mit ihrem Fachwissen, sondern auch mit rhetorischer Raffinesse.<\/em><!--more--><br \/>\nDer H\u00f6rsaal Nummer 024 ist fast voll, immer wieder kommen Nachz\u00fcgler, die sich schnell auf die wenigen freien Pl\u00e4tze st\u00fcrzen. Der Blick in den H\u00f6rsaal l\u00e4sst auf eine normale Vorlesung schlie\u00dfen, aber auf der B\u00fchne des H\u00f6rsaals ergibt sich ein ungewohntes Bild:&nbsp; statt dem einsamen Rednerpult in der Mitte des Saales, sitzen rechts und links davon Studenten und Professoren. Sowohl optisch als auch mental sind diese beiden Fraktionen getrennt. Links die Studenten, rechts die Professoren und in der Mitte, der Vorsitzende des Debattiervereins \u201eStreitkultur\u201cLennart Lokstein.<\/p>\n<h4><strong>Taktisch kluges Debattieren<\/strong><\/h4>\n<p>Mit einem antiken kleinen Richterhammer und einer Glocke bewaffnet, er\u00f6ffnet Lokstein das Duell Professoren vs. Studenten. Schnell wird klar: hier geht es nicht um langweilige, einschl\u00e4fernde Vortr\u00e4ge, sondern um taktisches Debattieren. Die Regeln dazu sind klar festgesetzt, nun offenbaren&nbsp; auch der Richterhammer und die Glocke ihre wahre Funktion. Jedem Redner wird eine Sprechzeit von exakt sieben Minuten zugesprochen, nach der ersten verstrichenen Minute, die mit einem Klopfen des Hammers signalisiert wird, d\u00fcrfen Fragen an den Debattant gestellt werden, am Ende der Sprechzeit erfolgt ein zweites Klopfen und wird die Sprechzeit \u00fcberschritten, kommt die Glocke zum Einsatz. Thema der Debatte an diesem Abend ist die Frage nach Legalisierung von \u201eGehirndoping\u201c. Das Los entscheidet dabei vorab welche Position die Fraktionen vertreten.<\/p>\n<h4><strong>&nbsp;\u201eStatt zu rauchen solltet ihr viel schlafen, viel trinken und freien Sex genie\u00dfen\u201c.<\/strong><\/h4>\n<p>Kaum hat die Debatte ihren Anfang genommen, wird schnell deutlich, welche Partei vorne liegt. Hatten die Studenten den Vorteil, die Debatte er\u00f6ffnen zu d\u00fcrfen, kontern die Professoren aufgestellte Argumente, wie das Vertrauen auf die Vernunft der Konsumenten und die Eigenverantwortung im Umgang mit Doping, mit purem Fachwissen. So sieht Prof. Wulf aus juristischer Sicht durch Zwang angewandtes Gehirndoping als K\u00f6rperverletzung. Der besonders charismatische Redner Prof. Wiesing untermauert die These seines Kollegen aus medizinisch-ethnischer Perspektive. So ist es f\u00fcr Wiesinger nicht in Ordnung, Nebenwirkungen f\u00fcr Leistung in Kauf zu nehmen, im Gegenteil h\u00e4lt er die wissenschaftliche Nachweisung der Wirkung dieser Mittel f\u00fcr fragw\u00fcrdig. Auch vor dem Klischee des haschischrauchenden Studenten schrecken die Profs nicht zur\u00fcck, der Tipp von Prof. Hautzinger: \u201eStatt zu rauchen solltet ihr viel schlafen, viel trinken und freien Sex genie\u00dfen\u201c. Standardaussagen, k\u00f6nnte man meinen, k\u00e4men diese Ratschl\u00e4ge nicht von einem Experten f\u00fcr die Behandlung von Alkohol- und Drogenabh\u00e4ngigkeit. Und so m\u00fcssen sich trotz gro\u00dfer Erfahrung auch die s\u00fcddeutschen Meister im Debattieren, Nikos Bosse und Konrad G\u00fctschow dem geballten Fachwissen und der jahrelangen, hart erk\u00e4mpfter Rhetorik der Professoren am Ende geschlagen geben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2946\" aria-describedby=\"caption-attachment-2946\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/DSC_0061-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2946\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/DSC_0061-2-610x405.jpg\" alt=\"\u00a9 | Lisa Wazulin\" width=\"530\" height=\"239\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2946\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 | Lisa Wazulin<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Kuchen f\u00fcr alle<\/strong><br \/>\nDenn gegen die Argumente dieser wortgewandten Herren k\u00f6nnen auch die Wortmeldungen der Studenten nur wenig ausrichten, l\u00e4ngst steht das Publikum auf der Seite der Profs, die Luft ist raus bei den studentischen Debattanten, auf den Einwand, dass hohe&nbsp;Preise f\u00fcr Dopingmittel eine soziale Schranke hervorrufen, antwortet die letzte Debattantin Marie Rulfs schlicht \u201edieser Punkt ist zu vernachl\u00e4ssigen\u201c und erntet mit diesem schwachen Argument Gel\u00e4chter im Saal. So ist es f\u00fcr die Profs ein leichtes, diese Debatte siegreich zu beenden, deren Ausgang &nbsp;bereits vor ihrem Beginn abzusehen war. Die vorbereitete Torte f\u00fcr die Sieger scheint fast wie gemacht f\u00fcr die Professoren, die es sich nicht nehmen lassen, sich ihren Sieg gemeinsam mit den Verlieren schmecken zu lassen. Aber auch diesen d\u00fcrfte mittlerweile klar sein, dass es gegen jahrelange H\u00f6rsaalerfahrung und Fachwissen einfach keine schlagenden Argumente gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sollte Gehirndoping erlaubt sein? 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