{"id":295,"date":"2011-07-16T04:30:07","date_gmt":"2011-07-16T02:30:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=295"},"modified":"2011-07-16T04:30:07","modified_gmt":"2011-07-16T02:30:07","slug":"jetzt-gehts-steil-bergauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2011\/07\/16\/jetzt-gehts-steil-bergauf\/","title":{"rendered":"\u201eJetzt geht\u2019s steil bergauf!\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>60 Jahre CDU Regierung haben sich auch an unserer Universit\u00e4t bemerkbar gemacht. Wie es jetzt weitergeht diskutieren Dominic Budisantoso (Liste f\u00fcr Information und Organisation), Daniel Gottschall (Juso Hochschulgruppe), David Laehnemann (Fachschaften Vollversammlung), Jan Oliver Neidhardt (Gr\u00fcne Hochschulgruppe) und Dennis Schmidt (Ring Christlich-Demokratischer Studenten).<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Hannah Steinhoff<\/em><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><em><strong>Baden-W\u00fcrttemberg hat jetzt eine gr\u00fcn-rote Regierung. Was \u00e4ndert sich an unserer Uni?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Daniel (Jusos):<\/strong> Die Auswirkung, die mit Abstand am meisten sp\u00fcrbar f\u00fcr die Studierenden sein wird, ist die Abschaffung der Studiengeb\u00fchren. Ich glaube, dass da ein gro\u00dfer Schritt in die richtige Richtung getan wurde, um den Zugang zur Hochschule zu erleichtern.<br \/>\n<strong>Dennis (RCDS):<\/strong> Wir haben die Studiengeb\u00fchren immer vertreten. Wir w\u00fcrden ein reformiertes Modell mit einem geringeren Beitrag pr\u00e4ferieren, das daf\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen Teil der Studenten abdeckt. Die Studenten tragen eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, der sie sich nicht entziehen sollten, indem sie den Landeshaushalt belasten.<\/p>\n<p><em><strong>Was bedeutet die Abschaffung der Studiengeb\u00fchren f\u00fcr die Studierenden?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Dominic (I&amp;O):<\/strong> F\u00fcr die Studierenden sind es gut 100 Euro weniger Ausgaben im Monat, wenn die Studiengeb\u00fchren wegfallen.<br \/>\n<strong>Jan (GHG):<\/strong> Jedenfalls f\u00fcr die Studierenden, die tats\u00e4chlich noch Geb\u00fchren bezahlt haben. Es war sowieso eine Farce, von allgemeinen Studiengeb\u00fchren zu reden &#8211; weniger als die H\u00e4lfte der Studierenden hat zuletzt Studiengeb\u00fchren gezahlt, der Rest war ausgenommen.<\/p>\n<p><em><strong>\u2026 und f\u00fcr die Finanzen der Uni?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>David (FSVV):<\/strong> Laut Koalitionsvertrag bedeutet das f\u00fcr die Finanzen der Uni erstmal weiter nichts, da die Gelder eigentlich 1:1 ersetzt werden sollen. Es gibt nat\u00fcrlich viele Fragezeichen dazu, zum Beispiel ob die Gelder nach \u00e4hnlichen Kriterien verteilt werden, wie bisher.<br \/>\n<strong>Daniel:<\/strong> Die Studierenden konnten die Verwendung der Studiengeb\u00fchren besser nachvollziehen als die Finanzierung zuvor. Diese Strukturen sollen erhalten bleiben &#8211; das ist eine gute Sache<span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\">.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><em><strong>Laut Koalitionsvertrag soll der AStA wieder zu einer Verfassten Studierendenschaft werden. Was \u00e4ndert sich an unserer Uni,wenn der AStA wieder ein hochschulpolitisches und allgemeinpolitisches Mandat hat?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Dominic:<\/strong> Der AStA k\u00f6nnte sich endlich auch zu politischen Themen \u00e4u\u00dfern.<strong><br \/>\nDavid:<\/strong> Au\u00dferdem wurde bisher alles, was der AStA beschlossen hat, formal vom Rektorat vollzogen. Alle Beschl\u00fcsse waren vom Gutd\u00fcnken des Rektors abh\u00e4ngig.<br \/>\n<strong>Jan:<\/strong> In 14 anderen Bundesl\u00e4ndern l\u00e4uft das Semesterticket \u00fcber den AStA, das ging bisher in Baden-W\u00fcrttemberg nicht. In Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gilt das Semesterticket zum Beispiel f\u00fcr das ganze Bundesland. Unser Semesterticket ist gemessen am Wirkungsradius extrem teuer. Das ist etwas, was eine Verfasste Studierendenschaft \u00e4ndern kann, weil sie vertragsf\u00e4hig ist.<br \/>\n<strong>Daniel:<\/strong> Ein wirklich wichtiger Punkt ist auch die Finanzautonomie. Die verfasste Studierendenschaft erhebt eigene Geb\u00fchren und ist nicht von Universit\u00e4t oder Politik abh\u00e4ngig.<br \/>\n<strong>Dennis:<\/strong> Aber diese Finanzautonomie bedeutet, dass der AStA Zwangsgeb\u00fchren erheben kann, die von den Studierenden gezahlt werden m\u00fcssen. Das lehnen wir ab, ebenso wie ein allgemeinpolitisches Mandat des AStA.<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><strong>Im Koalitionsvertrag ist die Rede von \u201enachhaltiger Wissenschaft\u201c statt <\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong> \u201eunternehmerischer Hochschule\u201d &#8211; wie l\u00e4sst sich das auf T\u00fcbingen \u00fcbertragen?<br \/>\n<\/strong><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/em><strong>David:<\/strong> In T\u00fcbingen sieht man das Leitbild der unternehmerischen Hochschule, das 2005 ausgerufen wurde, vor allem am Hochschulrat der Uni. Der besteht zur einen H\u00e4lfte aus internen Mitgliedern der Universit\u00e4t, zur anderen aus externen Partnern, die gr\u00f6\u00dftenteils aus der Wirtschaft kommen.<br \/>\n<strong>Daniel:<\/strong> Dieses Gremium trifft alle endg\u00fcltigen Entscheidungen, alle Vorschl\u00e4ge m\u00fcssen vom Hochschulrat abgesegnet werden. Eigentlich ist es ein Abnickgremium, dem der Rektor vorschlagen kann, was er will.<strong><br \/>\nDavid:<\/strong> Da ist die nachhaltige Hochschule ein wesentlich sch\u00f6neres Leitbild. Die<br \/>\nUniversit\u00e4t soll ausreichend finanziert sein und sich nicht nach wirtschaftlichen Interessen richten m\u00fcssen. Stattdessen kann sie sich auf Basisforschung konzentrieren.<strong><br \/>\nJan:<\/strong> Beteiligung von Unternehmen an der Universit\u00e4t ist auch nicht unbedingt sch\u00e4dlich, es muss nur in einem klaren Rahmen geschehen und darf die Autonomie der Forschung nicht beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p><em><strong>Laut Koalitionsvertrag wird ein Frauenanteil von 40 % in allen Hochschulgremien angestrebt &#8211; ist das an unserer Uni \u00fcberhaupt umsetzbar?<\/strong><\/em><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Daniel: <\/strong>Es ist auf alle F\u00e4lle notwendig, denn es studieren mehr Frauen als M\u00e4nner. Wenn man sich aber die oberen Sprossen der Karriereleiter anguckt, werden es immer weniger. Deswegen sollte man diese 40 % f\u00fcr die Hochschulgremien ruhig festlegen, in vielen Fachbereichen ist das auf jeden Fall umsetzbar.<strong><br \/>\nJan: <\/strong>In einigen F\u00e4chern wird es aber schwer, wenn es keine weiblichen Professoren gibt. Daher muss die Karriereleiter an der Uni geschlechtergerechter werden.<strong><br \/>\nDominic:<\/strong> Ich denke, f\u00fcr die zentralen Gremien und die Wahlmitglieder k\u00f6nnte man so eine Quote sofort einf\u00fchren und es w\u00fcrde auch funktionieren. Aber wenn man 40 % Dekaninnen haben wollte, w\u00e4re das nicht m\u00f6glich.<strong><br \/>\nDennis:<\/strong> Ich bin der Meinung, dass diese Art von Quote die komplexe Realit\u00e4t nicht wiedergeben kann. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das sich so nicht l\u00f6sen l\u00e4sst.<strong><br \/>\nDavid:<\/strong> Aber man kann Anreize schaffen, die dazu beitragen. Zum Beispiel durch eine Quote.<strong><br \/>\nJan:<\/strong> Allgemein muss die Arbeitssituation an Hochschulen familienfreundlicher gestaltet werden. Bis man seine Professur bekommt, hangelt man sich von einem prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnis zum n\u00e4chsten. Das muss sich \u00e4ndern, damit mehr Frauen ans obere Ende der Karriereleiter gelangen.<\/p>\n<p><em><strong>Ein gro\u00dfes Thema in dieser Ausgabe der kupferblau ist die Exzellenzinitiative. Wie lassen sich die Pl\u00e4ne des Rektorats mit den Bed\u00fcrfnissen der Studierenden verbinden?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Dennis:<\/strong> Die Exzellenzinitiative hat drei gro\u00dfe Schwachpunkte: Sie konzentriert sich nur auf die Forschung und vernachl\u00e4ssigt die Lehre. Au\u00dferdem hat man den Eindruck, dass der Rektor in den letzten f\u00fcnf Jahren nur damit besch\u00e4ftigt war, T\u00fcbingen exzellent zu machen. Und zuletzt ist das Problem, dass man dieses Modell von Unis wie Harvard und Yale nicht auf das deutsche Hochschulsystem \u00fcbertragen kann.<strong><br \/>\nDavid:<\/strong> Wenn die Universit\u00e4t ausreichend finanziert ist, kann es durchaus sinnvoll sein, Leute mit gro\u00dfem Potenzial zu f\u00f6rdern, deren Wissen dann der Allgemeinheit nutzt.<br \/>\n<em><strong><\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Stehen unserer Uni ausreichend Mittel f\u00fcr so eine Zusatzf\u00f6rderung zur Verf\u00fcgung?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Daniel:<\/strong> Die Universit\u00e4t hat in meinen Augen fast keinen Handlungsspielraum. 2011 weist die Uni wieder ein Defizit auf und muss auf R\u00fccklagen zur\u00fcckgreifen. Die Instandhaltung der Bausubstanz wurde viel zu lange vernachl\u00e4ssigt. Der Uni fehlt Geld.<strong><br \/>\nDavid:<\/strong> Das kann man sehr gut daran sehen, wie die Uni sich Raum f\u00fcr die Exzellenzinitiative geschaffen hat. Da wurden in allen Bereichen der Uni Rasenm\u00e4herk\u00fcrzungen vorgenommen.<strong><br \/>\nDominic:<\/strong> Dazu geh\u00f6rt auch die Stellensperre. Es ist inzwischen gang und g\u00e4be, dass Stellen bis zu zwei Jahre lang unbesetzt bleiben.<strong><br \/>\nDavid:<\/strong> Die Uni hat also eigentlich nicht den Spielraum, bestimmte Fachgebiete zu f\u00f6rdern &#8211; nur auf Kosten anderer Bereiche.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><em><strong>Wie zufrieden seid ihr mit dem Interesse der Studierenden an der Hochschulpolitik?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>David:<\/strong> Ich denke, dass mit der Einf\u00fchrung der Verfassten Studierendenschaft mehr Interesse kommen wird, weil der AStA dann auch mehr Entscheidungsm\u00f6glichkeiten hat.<strong><br \/>\nDominic:<\/strong> Au\u00dferdem hat sich die Lage nach der Umstellung auf Bachelor und Masterstudieng\u00e4nge wieder normalisiert und die Studierenden finden wieder Zeit daf\u00fcr, sich politisch zu engagieren.<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: x-small;\"><br \/>\n<\/span><\/span><strong>Jan:<\/strong> Wir sind zuversichtlich: Jetzt geht\u2019s steil bergauf!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>60 Jahre CDU Regierung haben sich auch an unserer Universit\u00e4t bemerkbar gemacht. 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