{"id":3297,"date":"2014-06-18T00:17:08","date_gmt":"2014-06-18T00:17:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=3297"},"modified":"2021-02-21T12:14:46","modified_gmt":"2021-02-21T12:14:46","slug":"trott-war-mehr-als-eine-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/06\/18\/trott-war-mehr-als-eine-zeitung\/","title":{"rendered":"Trott-war \u2013 Mehr als eine Zeitung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Jeder ist ihnen schon einmal begegnet: Den Damen oder Herren mit der roten Weste, die t\u00e4glich am Holzmarkt oder beim Nonnenhaus stehen und den Passanten die Trott-war Stra\u00dfenzeitung verkaufen. Aber wer sind die Personen, die in den roten Westen stecken? Und was ist das genau f\u00fcr eine Zeitung, die sie verkaufen?<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">J\u00f6rg hat seinen Platz hinten am Nonnenhaus. Dort steht der etwas sch\u00fcchtern wirkende junge Mann auch am heutigen Montagvormittag und wartet auf Kundschaft. Montag ist kein guter Verkaufstag. \u201eFreitag und Samstag sind die besten Tage f\u00fcr uns, wenn das&nbsp; Wochenende anf\u00e4ngt. Am Montag sind die Leute eher schlecht gelaunt\u201c, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3298\" aria-describedby=\"caption-attachment-3298\" style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2014\/06\/18\/trott-war-mehr-als-eine-zeitung\/trottwar1\/\" rel=\"attachment wp-att-3298\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3298\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Trottwar1-e1403042823272-1038x587.jpg\" alt=\"\u00a9 | Katharina Spitz\" width=\"1038\" height=\"587\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3298\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 | Katharina Spitz<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 33 j\u00e4hrige ist seit einem dreiviertel Jahr Trott-war-Verk\u00e4ufer. Zu dem Job gekommen ist er \u00fcber seinen Freund \u201eM\u00fccke\u201c, der schon seit \u00fcber 15 Jahren dabei ist und damit fast zum Urgestein der Stra\u00dfenzeitung geh\u00f6rt. Trott-war erscheint schon seit \u00fcber 20 Jahren monatlich und wird mittlerweile in fast ganz Baden-W\u00fcrttemberg verkauft.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">Keine Konkurrenz zwischen den Verk\u00e4ufern<\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angefangen hat alles im Jahr 1994 mit der Gr\u00fcndung eines gemeinn\u00fctzigen Vereins aus engagierten Journalisten und Privatleuten. Heute ist Trott-war viel mehr als nur eine Zeitung. So gibt es zum Beispiel seit 2006 ein Wohnprojekt, das die Verk\u00e4ufer nutzen k\u00f6nnen. Die Trott-war-Grabf\u00fcrsorge k\u00fcmmert sich darum, dass mittellose Verstorbene ein angemessenes Begr\u00e4bnis bekommen und nicht anonym im Massengrab bestattet werden. Aber auch diverse Freizeitaktivit\u00e4ten bietet Trott-war an: Eine Theatergruppe bringt unter professioneller Leitung regelm\u00e4\u00dfig St\u00fccke auf die B\u00fchne. Au\u00dferdem machen die Trott-war-Verk\u00e4ufer mindestens einmal im Jahr einen Betriebsausflug.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">Den \u201eTrott\u201c hinter sich gelassen<\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Arbeit sind die meisten Verk\u00e4ufer in kleinen Teams organisiert. Sie treffen sich morgens, gehen gemeinsam an ihre Pl\u00e4tze und unterst\u00fctzen sich gegenseitig. \u201eEs ist wichtig, dass jeder von uns \u00fcber den Tag genug zu Essen und zu Trinken hat\u201c, sagt J\u00f6rg. Daf\u00fcr sei der Zusammenhalt im Teams sehr wichtig, falls es mal nicht so gut l\u00e4uft. T\u00fcbingen ist eine der Au\u00dfenstellen von Trott-war. Zur Zeit arbeiten hier 16 Verk\u00e4ufer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je mehr Geld J\u00f6rg verdient, desto mehr kann davon seinen beiden T\u00f6chtern zugute kommen. Au\u00dferdem hat der aus Albstadt stammende zwei Hunde, zwei Katzen, drei Wasserschildkr\u00f6ten und zwei Igel, um die er sich k\u00fcmmert. Die beiden Igel hei\u00dfen Hugo und Susi; Hugo ist ihm fast verhungert zugelaufen. Mit einem Besuch beim Tierarzt und viel F\u00fcrsorge hat er ihm das Leben gerettet.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">Aussicht auf Festanstellung<\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das franz\u00f6sische Wort \u201etrottoir\u201c ist auch in S\u00fcddeutschland gel\u00e4ufig und bedeutet so viel wie Gehsteig, Gehweg oder B\u00fcrgersteig. Was die Schreibweise \u201eTrott-war\u201c angeht, so l\u00e4sst diese verschiedene Interpretationen zu. Der urspr\u00fcngliche Gedanke hat jedoch weniger mit dem t\u00e4glichen \u201eKampf\u201c auf der Stra\u00dfe zu tun, sondern formuliert das Anliegen auf positive Weise: Menschen, die die Trott-war verkaufen, haben den \u201eTrott\u201c hinter sich gelassen, der einmal \u201ewar\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So funktioniert das Konzept der Zeitung in zwei Richtungen: zum einen werden die Themen der Betroffenen in ihr zur Sprache gebracht; auf der anderen Seite bietet sie Menschen mit geringem oder keinem Einkommen eine Verdienstm\u00f6glichkeit. Seit 2007 kann man bei Trott-war auch eine Festanstellung bekommen: Damit sind die Verk\u00e4ufer sozialversichert, haben bei Krankheit Anspruch auf Lohnfortzahlung und 30 Tage Jahresurlaub \u2013 eben wie jeder andere Job auch.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">Soziales Engagement hat seinen Preis<\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Palette an Leistungen und sozialen Diensten hat aber auch ihren Preis. Trott-war kann die anfallenden Kosten nicht komplett mit den Einnahmen der Zeitung finanzieren und ist deshalb auf finanzielle Zuwendungen in Form von Spenden oder F\u00f6rdermitgliedschaften im Verein abh\u00e4ngig. Es bleibt zu hoffen, dass es auch in Zukunft genug Unterst\u00fctzer f\u00fcr die Arbeit des Vereins gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder ist ihnen schon einmal begegnet: Den Damen oder Herren mit der roten Weste, die t\u00e4glich am Holzmarkt oder beim Nonnenhaus stehen und den Passanten &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":256,"featured_media":3320,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,534],"tags":[770,94,11,771,772,179,773,774,775,776,777],"class_list":["post-3297","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-alltagswelten","tag-austraeger","tag-engagement","tag-featured","tag-nonnenhaus","tag-obdachlosenzeitung","tag-sozial","tag-soziales","tag-trott-war","tag-verteiler","tag-zeitung","tag-zeitungsprojekt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/256"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3297"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24084,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3297\/revisions\/24084"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}