{"id":3408,"date":"2014-10-21T17:23:24","date_gmt":"2014-10-21T17:23:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=3408"},"modified":"2021-02-21T12:10:40","modified_gmt":"2021-02-21T12:10:40","slug":"hamed-abdel-samad-mehr-saekularisierung-wagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/10\/21\/hamed-abdel-samad-mehr-saekularisierung-wagen\/","title":{"rendered":"Hamed Abdel-Samad: Mehr S\u00e4kularisierung wagen!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>T\u00fcbingen (20.10.2014) Zu Beginn dieser Woche fand wieder eine der gut besuchten Veranstaltungen von Querfeldein e.V. im Ribingurumu statt: Zu Gast war Hamed Abdel-Samad, der seine neue Publikation \u201eDer islamische Faschismus. Eine Analyse.\u201c zur Diskussion stellte. <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Von Frank Schuhmacher.<\/em><\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abdel-Samad ist eine polarisierende Person: Der Deutsch-\u00c4gypter spaltet die Geister. Sein neues Buch tr\u00e4gt zu diesem Image ebenso bei wie seine Diskussionsbetr\u00e4ge. Der Beweggrund zu diesem Buch sei die Sorge um die Freiheit und Selbstbestimmung hier in Europa wie auch im arabischen Raum gewesen. Aufgewachsen ist Abdel-Samad in einer konservativen, muslimischen Familie in \u00c4gypten. Er hat dort selbst die Faszination miterlebt, die, die Muslimbr\u00fcder ausstrahlen: \u201eSie geben dir Anerkennung, Gemeinschaft, politische Partizipation und Handlungsanweisungen.\u201c Freiheit kann \u00fcberfordern, so Abdel-Samad, denn sie \u201eist wie ein Auto ohne F\u00fchrerschein. Man muss lernen, wie man damit umgeht.\u201c Wie der Alkoholismus eine Sucht darstellt und man als Betroffener r\u00fcckf\u00e4llig werden k\u00f6nne, so verhalte es sich auch mit der Freiheit: In der Freiheit liegt der R\u00fcckfall zur Unfreiheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Er selbst hat seine Freiheit gefunden und sich von der dogmatischen Seite des Islams getrennt.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es fiel das Wort Kulturmoslem. Vielleicht ist Abdel-Samad ein Kulturmoslem, jedenfalls ist dies aber nur eine Schicht seiner Identit\u00e4t. Durch mehrere Schl\u00fcsselerlebnisse (wie z. B. die Pubert\u00e4t oder auch der Terroranschlag am 11. September) hat er sich vom Islam und einem seiner Gottesbilder \u2013 n\u00e4mlich dem des willk\u00fcrlichen und strafenden Gottes \u2013 emanzipiert. Ohnehin scheint es, dass er das Ph\u00e4nomen Religion nicht gerade sch\u00e4tzt und mit der Wiederholung fest etablierter Religionskritik \u00e0 la Feuerbach und Nietzsche (Verdr\u00e4ngung und Projektion), beschwor er zum xten Male den Tod Gottes: \u201eSeitdem Gott tot ist, glauben die Menschen an jeglichen anderen Unsinn.\u201c<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Den Koran kritisch lesen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Besch\u00e4ftigung mit Islam, Islamismus und westlichen Werten wie Freiheit r\u00fchrt vom 11. September 2001 her. Als Mensch und als Politikwissenschaftler wollte er verstehen, wie man dazu kommt, Terrorist zu werden. Das Problem erschlie\u00dfe sich, so Abdel-Samad, durch die Lekt\u00fcre des Korans als ein Dokument der islamischen Geschichte. \u201eDen Koran kritisch zu lesen war eine Herausforderung\u201c, meint Abdel-Samad aber nur so k\u00f6nne man sich von einer dr\u00fcckenden Last, von der Unantastbarkeit des Korans und dem Zwang, ihn verteidigen zu m\u00fcssen, befreien. Seiner Ansicht nach hat der Islamismus sehr wohl etwas mit dem Islam zu tun und ist eben kein Missverst\u00e4ndnis des Propheten und des Korans. Das Problem liege gerade bei diesem Propheten, der gewaltt\u00e4tig, aber auch spirituell war. Im Gegensatz zum Christentum, das Jesus Christus als Korrektiv und zur R\u00fcckbesinnung h\u00e4tte, sei der Prophet Mohammed bereits zu Beginn des Islams fragw\u00fcrdig. Der faschistoide Charakter aller monotheistischen Religionen, so Abdel-Samad, breche immer dann aus, wenn Religion mit politischer Macht in Verbindung k\u00e4me. Warum er gerade den Begriff islamischer Faschismus als Bezeichnung f\u00fcr den fundamental-radikalisierten Islam verwendete und wie sich diese faschistoide Natur \u00e4u\u00dfere, ob es \u00fcberhaupt sinnvoll ist, ein altes europ\u00e4isches Denkmuster f\u00fcr ein neues arabisches Ph\u00e4nomen wiederzubeleben, blieb offen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">&#8222;Mehr S\u00e4kularisierung in Deutschland wagen&#8220;<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Abdel-Samad eine kontroverse Debatte \u00fcber den Islam\/-ismus ausgel\u00f6st hat, ist vor allem dieser etwas undifferenzierten Darstellungsweise und gleichzeitig den polemisierenden und zugespitzten Formulierungen zu verdanken. Der Arabist und Nahosthistoriker Wolfgang G. Schwanitz dr\u00fcckt dies folgenderma\u00dfen aus: \u201eZwar ist Abdel-Samads Buch gut lesbar. Aber es ist historisch schlecht recherchiert, reflektiert kaum den j\u00fcngeren Stand.\u201c (Explizit.Net) In diesem Sinne forderte Abdel-Samad wie ein zweiter Willi Brandt: \u201eMehr S\u00e4kularisierung in Deutschland wagen.\u201c Er brachte hiermit seine Auffassung zum Ausdruck, dass Religion zu privatisieren sei, erst dann \u201eist sie konstruktiv und nicht destruktiv.\u201c<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Kritik als Katalysator f\u00fcr einen Wandel im arabischen Raum<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei all dem Provokanten ist Abdel-Samads Botschaft jedoch klar: Moslems m\u00fcssen das Mantra aufgeben, das besagt, Islamismus und Islam h\u00e4tten nichts miteinander zu tun und kritisch gegen\u00fcber dem Koran werden. Inwiefern diese harsche Kritik einen Lernprozess beschleunigt, ist nicht absehbar. Am Ende sei noch viel nachzuholen, so Abdel-Samad.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00fcbingen (20.10.2014) Zu Beginn dieser Woche fand wieder eine der gut besuchten Veranstaltungen von Querfeldein e.V. im Ribingurumu statt: Zu Gast war Hamed Abdel-Samad, der &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":262,"featured_media":3426,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,62,307,188],"tags":[828,11,829,593,830,599],"class_list":["post-3408","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-kultur","category-uni-inside","category-wissenschaft","tag-faschismus","tag-featured","tag-hamad-abdel-samad","tag-islam","tag-islamismus","tag-zentrum-fuer-islamische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3408","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/262"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3408"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3408\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24071,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3408\/revisions\/24071"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3408"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3408"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3408"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}