{"id":3468,"date":"2014-11-03T12:54:27","date_gmt":"2014-11-03T12:54:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=3468"},"modified":"2021-02-21T12:07:47","modified_gmt":"2021-02-21T12:07:47","slug":"bedingungslose-liebe-franzoesische-filmtage-mommy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/11\/03\/bedingungslose-liebe-franzoesische-filmtage-mommy\/","title":{"rendered":"Bedingungslose Liebe?!- Franz\u00f6sische Filmtage &quot;MOMMY&quot;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es ist nicht immer leicht eine Mutter zu sein, vor allem wenn das Kind ein wenig mehr Probleme hat als nur die Pubert\u00e4t. Der junge Regisseur Xavier Dolan verpackt eine Mutter-Sohn-Beziehung und das Thema Freundschaft kunstvoll in die Geschichte von Diana (Anne Dorval), Steve (Antoine Olivier Pilon) und Kyla (Suzanne Cl\u00e9ment).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der mit dem \u201eJury Preis\u201c des Festival de Cannes 2014 gekr\u00f6nte Film &#8222;Mommy&#8220; wurde erstmals im Rahmen der Franz\u00f6sischen Filmtage in T\u00fcbingen pr\u00e4sentiert und ist ab dem 13. November 2014 in den deutschen Kinos zu bestaunen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><br \/>\n\u201eIhr Hintern riecht nach Rosen\u201c, kommentiert Steve sein erstes Treffen mit seiner neuen Nachbarin Kyla. In seinen Augen ist sie ein wenig verkrampft und spie\u00dfig, der Beruf ihres Mannes fasst ihr Leben wohl recht gut zusammen: Er ist Programmierer. Alles in ihrem Alltag ist vorprogrammiert, geordnet und hat ein System. Sie hat eine h\u00f6fliche Tochter, die brav ihre Schulaufgaben erledigt, das Essen steht immer p\u00fcnktlich auf den Tisch. Nur sie scheint nicht mehr richtig zu \u201efunktionieren\u201c, ihren Beruf als Lehrerin kann sie wegen ihrer Sprachst\u00f6rungen nicht mehr wahrnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<strong>Zwischen guter Mutter und schlechtem Vorbild<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\u00dcberquert man die Stra\u00dfe und betritt das gegen\u00fcberliegende Haus, so trifft man auf eine andere Welt. Es ist nicht abgesp\u00fclt, riecht nach Zigarettenrauch und laute Musik l\u00e4sst die W\u00e4nde wackeln. Diana ist h\u00fcbsch, wenn auch der Rock ein wenig zu kurz und die Farbwahl der Fingern\u00e4gel ein wenig zu grell ist. Sie ist laut und bringt durch ihre raue, direkte Art den Zuschauer zum Lachen. Trotz ihres reifen Alters spricht sie wie ein M\u00e4dchen aus der Gosse und wirft mit einer Vielzahl von Schimpfw\u00f6rtern um sich. Sie ist stolze Mutter von Steve, hat es aber seit dem Tod ihres Mannes alles andere als leicht.<br \/>\nDieser l\u00e4sst auch Steve nicht kalt. Seine \u201eMommy\u201c und er sind die \u00dcberbleibenden, ein Team gegen den Rest der Welt. Er hat blonde mittellange Haare, eine Frisur die man im Alter von 15 Jahren eben tr\u00e4gt, nicht unsympathisch. Mit seinem charmanten L\u00e4cheln verzaubert er nicht nur seine Mutter. Auf sie projiziert er seine ganze Liebe. Alles k\u00f6nnte so sch\u00f6n sein, eine kleine heile, wenn immer auch eine wenig chaotische Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<strong>Eskalation pur<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDoch dann rastet Steve aus. Der Glastisch im Wohnzimmer geht zu Bruch. Schuld daran ist nicht nur seine Krankheit, ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivit\u00e4ts-St\u00f6rung), sondern auch das Missverst\u00e4ndnis mit seiner Mutter. Er f\u00fchlt sich nicht respektiert und zu Unrecht beschuldigt. In diesem Moment verliert nicht nur er, sondern auch Diane die Kontrolle \u00fcber ihn. Die Situation eskaliert komplett, Steve verletzt sich, Diane ist ver\u00e4ngstigt und verzweifelt. Hier treffen die drei Protagonisten das erste Mal aufeinander. Kyla bekommt den Streit mit und verarztet Steve.<br \/>\nAlle drei entwickeln eine interessante Beziehung zueinander, jeder von ihnen profitiert auf eine andere Weise: Kyla gef\u00e4llt die lockere und ungezwungene Atmosph\u00e4re im Haus, findet ihr Lachen und selbst ihre Sprache wieder. Steve profitiert von ihren F\u00e4higkeiten als Lehrerin, entwickelt Ziele, Tr\u00e4ume und Visionen. Diana wird dadurch in ihrer Aufsichtspflicht entlastet und kann wieder arbeiten gehen. Man sieht die drei tanzen, singen, Fahrrad fahren, lachen. Sie scheinen einen entspannten lockeren Alltag zu teilen, doch Steves Unberechenbarkeit bleibt und bringt Diana immer wieder an ihre Grenzen. Ihr Sohn ist ihr ein und alles, ihre Liebe best\u00e4ndig, doch als Steve aufh\u00f6rt dies zu glauben, wird sie vor eine (folgen-)schwere Entscheidung gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<strong>(K)ein Film zum Wohlf\u00fchlen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDolan und sein Kameramann Andr\u00e9 Turpin schaffen eine emotionale Achterbahn, gef\u00fchrt durch unpopul\u00e4re Aufnahmeperspektiven und bewegender Musik. Die Bilder sprechen mehr als die Figuren. Sie lassen am Geschehen durch viele Nahaufnahmen direkt teilnehmen. Durch die legere Sprachwahl und das Gefluche hat der Film, trotz der ernsten Thematik, oft etwas Humorvolles an sich. Es empfiehlt sich den Film in Originalsprache und direkt im Kino zu begutachten, da ansonsten der Effekt von Bild, Musik und Sprache, welches den Film so besonders macht, nicht optimal vermittelt werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nicht immer leicht eine Mutter zu sein, vor allem wenn das Kind ein wenig mehr Probleme hat als nur die Pubert\u00e4t. 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