{"id":3602,"date":"2014-11-12T23:11:38","date_gmt":"2014-11-12T23:11:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=3602"},"modified":"2021-02-21T11:59:07","modified_gmt":"2021-02-21T11:59:07","slug":"russlandbilder-treffen-aufeinander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/11\/12\/russlandbilder-treffen-aufeinander\/","title":{"rendered":"Russlandbilder treffen aufeinander"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Bei der gestrigen Podiumsdiskussion \u201eDas Russlandbild in den deutschen Medien\u201c in der Alten Aula entwickelte sich wenig \u00fcberraschend eine hitzige Debatte rund um den Kreml und Pr\u00e4sident Putin.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anl\u00e4sslich des Vierteljahrhunderts zwischen der selbsternannten <em>\u201eLiebesgeschichte\u201c<\/em> der St\u00e4dte T\u00fcbingen und Petrosawodsk organisierte die Stadt, vertreten durch die Leiterin des Fachbereiches Kunst und Kultur, Daniela Rathe, in Kooperation mit dem Instituts f\u00fcr Osteurop\u00e4ische Geschichte und Landeskunde die hochkar\u00e4tig besetzte Diskussionsrunde zum \u201eRusslandbild in den deutschen Medien\u201c. Unter der Leitung des Institutsdirektors, Prof. Dr. Klaus Gestwa, diskutierten und teilten ihre Erfahrungen Ina Ruck, die ehemalige Leiterin des ARD-Studios in Moskau, Dr. Gerd Koenen, freischaffender Historiker und Autor, Dr. Manfred Sapper, Politikwissenschaftler und Chefredakteur der Zeitschrift \u201eOsteuropa\u201c, und Johannes Voswinkel, langj\u00e4hriger Russlandkorrespondent der Wochenzeitung \u201eDie Zeit\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Volkssport Medienschelte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Er\u00f6ffnungsstatement \u00fcbernahm dabei der Gespr\u00e4chsleiter selbst und erl\u00e4uterte seine eigene Sicht zur Relevanz der allgemeinen Medienkritik und der weitreichenden Problematik, mit denen sich die moderne Berichterstattung auseinandersetzen muss. Vom neuen \u201eVolkssport Medienschelte\u201c bis hin zum \u201eInterpretationskrieg\u201c politischer Lager war dabei die Rede, zudem gew\u00e4hrte er einen Einblick in seine Sorgen in Hinblick auf seine Arbeit als Direktor des Osteurop\u00e4ischen Instituts und dessen M\u00f6glichkeiten in zuk\u00fcnftigen Kooperationen mit russischen Kollegen. Auch aktuelle Beispiele, die schlie\u00dflich sogar zu Morddrohungen gegen Korrespondenten f\u00fchrten, blieben dabei nicht unerw\u00e4hnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Drohungen konnte auch Ina Ruck viel berichten, leider aus erster Hand gegen ihre Person und Arbeit bei der ARD. Besonders ihre Berichte aus der Ukraine oder bei den Olympischen Spielen in Sotschi sind Anlass vieler Kritik und Drohungen. In einem vielsagenden Satz gestand sie daher, dass sie trotz aller Verbundenheit mit Russland und ihrer Arbeit dort erstmals \u201eleichten Herzens\u201c zur\u00fcck nach Deutschland kam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine \u00e4hnliche Erfahrung hatte Johannes Voswinkel bereits vor drei Jahren machen m\u00fcssen, als aufgrund von Einsparungen die Korrespondenten-Stelle der \u201eZeit\u201c in Moskau gestrichen wurde. Seine Ausf\u00fchrungen zur Medienkritik und deren Richtigkeit gefielen dabei durch ihre Differenziertheit und erhielten breite Zustimmung im zahlreichen Publikum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf sogar ganze f\u00fcnfundzwanzig Jahre Verbundenheit mit Russland kann Dr. Gerd Koenen zur\u00fcckschauen, als er 1989 im Rahmen einer Dokumentation \u00fcber historische Aufarbeitung in der Sowjetunion f\u00fcr den Deutschlandfunk nach Moskau reiste. Seine Einsch\u00e4tzung, dass sich die Welt in einer \u201eneuen Art des Kalten Kriegs\u201c befindet, stie\u00df auf vorsichtige Zustimmung im \u00fcberf\u00fcllten Saal der Alten Aula, aber auch besonders bei Dr. Manfred Sapper.<\/p>\n<p><strong>Schrecken und Faszination<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Chefredakteur der Zeitschrift \u201eOsteuropa\u201c sieht Sapper in Hinblick auf die mediale Berichterstattung, dass die Medienkrise besonders eine Zeitungskrise und nicht zuletzt auf die wirtschaftliche Lage zur\u00fcckzuf\u00fchren sei. Als bestes Beispiel nannte er dabei seinen Sitznachbarn Voswinkel. Au\u00dferdem erkennt er eine Aufteilung in \u201eSchrecken und Faszination\u201c in Bezug auf die russische Wahrnehmung in Deutschland. Das Schrecken in Form des politischen Russlands wird allgemein nur allzu gern von der Faszination des Landes getrennt, aber auch vermischt, so Sapper weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Putin ist Russland, Russland ist Putin!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als schlie\u00dflich die eigentliche Diskussion beendet war und Gespr\u00e4chsleiter Gestwa die allgemeine Fragerunde er\u00f6ffnete, vermischten sich nicht mehr nur einzelne Begriffe, auch die ganze Thematik des \u201eRusslandbilds in den deutschen Medien\u201c geriet immer mehr ins Abseits. So blieb zwar die Veranstaltung bis zur letzten Minute informativ und interessant, jedoch eher auf die Person Putin gerichtet und weniger auf Russland oder gar die Medien und deren Problematik. Als schlie\u00dflich nach weiteren 45 Minuten lebhafter Debatte mit gelegentlichen Zwischenrufen die Veranstaltung beendet war, gingen die zahlreichen Zuschauer zwar mehrheitlich zufrieden nach Hause, doch blieben letztlich auch einige Fragen unbeantwortet. So blieb symbolisch als Fazit auch die letzte Wortmeldung im Raum stehen, die sich mit dem Zitat \u201ePutin ist Russland, Russland ist Putin\u201c befasste. Doch anders als in Russland, wo selbiger diese Worte mit der stalinistischen H\u00f6flichkeit zur\u00fcckwies, erhitzt das in Deutschland weiterhin die Gem\u00fcter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der gestrigen Podiumsdiskussion \u201eDas Russlandbild in den deutschen Medien\u201c in der Alten Aula entwickelte sich wenig \u00fcberraschend eine hitzige Debatte rund um den Kreml &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":265,"featured_media":3604,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[49],"tags":[888,11,889,890,891,20],"class_list":["post-3602","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unipolitik","tag-alte-aula","tag-featured","tag-putin","tag-russlamdbilder","tag-russland-tuebingen","tag-uni-tuebingen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3602","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/265"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3602"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3602\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24055,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3602\/revisions\/24055"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3602"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3602"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3602"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}