{"id":3606,"date":"2014-11-13T16:24:06","date_gmt":"2014-11-13T16:24:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=3606"},"modified":"2021-02-21T11:58:26","modified_gmt":"2021-02-21T11:58:26","slug":"where-are-you-from","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2014\/11\/13\/where-are-you-from\/","title":{"rendered":"Where are you from?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>T\u00fcbingen (12.11.14). Die renommierte Schriftstellerin Taiye Selasi er\u00f6ffnet die diesj\u00e4hrige T\u00fcbinger Poetik-Dozentur. Eine Kosmopolitin \u00fcber den Sinn der Frage \u201eWhere are you from?\u201c gibt literarische Antworten. Von Frank Schuhmacher.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Charmant, witzig und \u00fcberaus eloquent er\u00f6ffnet Taiye Selasi die Poetik-Dozentur in der Alten Aula. Der Saal ist gef\u00fcllt und gespannt, denn \u2013 so die Hauptorganisatorin Dorothee Kimmich \u2013 \u201eman kann Taiye weder einer Nation, noch einem Kontinent, noch einer Sprache zuordnen.\u201c Sie ist Kosmopolitin. Die Fragen \u201eWo ist deine Heimat? Was ist deine Muttersprache?, kurz: \u201eWhere are you from?\u201c greifen ins Leere. Taiye Selasi geh\u00f6rt zu einer \u201eneuen Generation von Autoren ohne Identit\u00e4tskrise.\u201c<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Let&#8217;s talk about Africa. \u2013 You better don&#8217;t!<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine \u201eafrikanische\u201c Schriftstellerin will nicht \u00fcber \u201eAfrika\u201c reden. Taiye Selasi will nicht \u00fcber \u201eAfrika\u201c sprechen, weil Afrika aus mehr als 50 Staaten, hunderten Sprachen und unz\u00e4hligen Geschichten und Kulturen geformt wird. Wir Europ\u00e4er hingegen tappen immer in dieselbe Falle: Wir generalisieren. \u201eEbola ist in Afrika ausgebrochen!\u201c Sie rei\u00dft die Arme in die H\u00f6he. Auf einer immagin\u00e4ren Karte Afrikas sieht man einen winzigen roten Flecken: \u201eEbola \u2013 not Ebola\u201c und deutet auf den riesen-gro\u00dfen Rest des Kontinents.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Warum vereinfachen wir alles, was mit Afrika zu tun hat?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selasis Roman \u201eGhana must go\u201c hei\u00dft im Deutschen \u201eDiese Dinge geschehen einfach so.\u201c Der Fischer-Verlag wollte jegliche Assoziation mit Afrika vermeiden. Im Gespr\u00e4ch mit ihrem Agenten war dies ein sehr ernsthafter Moment. Der Leser soll nicht an Afrika denken, so Selasi. Auf einer Buchvorstellung wurde sie in einen Zoo gebracht. Alles erinnerte an Safari. \u201eIhr lacht, aber mein Roman hat mit all dem nichts tun.\u201c Die Frage nach der Herkunft, so Selasi, ist ein \u201egeopolitical game of power\u201c. Unterschwellig klingen Fragen wie \u201eWarum bist Du in meinem Land?\u201c und \u201eWann gehst Du wieder?\u201c st\u00e4ndig mit. Generalisierungen und Klischees helfen uns im Alltag in der komplexen Welt zurecht zu finden. \u201eThe problem of stereotyps are not, that they\u2019 are untrue, but that they are incomplete.\u201c<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eIn literature I discovered, where I belong to.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Woher stammt also Taiye Salasi? Ihr Vater ist im heutigen Gahna geboren, ihre Mutter im heutigen Nigeria. Die Kolonien, in denen sie zur Welt kamen, sind untergegangen. Selasi selbst ist in Gro\u00dfbritannien geboren, lebte aber sehr lange in den USA sowie in Rom. \u201eI\u2019m coming from nowhere, my place of identity is utopia.\u201c Ihre zahlreichen Erfahrungen haben ihr gezeigt, dass Muttersprache und Vaterland unzureichend sind. In der Literatur hat sie ihre Heimat gefunden. \u201eIn literature I discovered, where I belong to.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Termine zu den n\u00e4chsten Abenden der Poetik-Dozentur unter:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.uni-tuebingen.de\/fakultaeten\/philosophische-fakultaet\/fachbereiche\/neuphilologie\/deutsches-seminar\/abteilungen\/neuere-deutsche-literatur\/tuebinger-poetik-dozentur.html\">http:\/\/www.uni-tuebingen.de\/fakultaeten\/philosophische-fakultaet\/fachbereiche\/neuphilologie\/deutsches-seminar\/abteilungen\/neuere-deutsche-literatur\/tuebinger-poetik-dozentur.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00fcbingen (12.11.14). 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