{"id":3952,"date":"2015-02-01T12:23:08","date_gmt":"2015-02-01T12:23:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=3952"},"modified":"2021-02-21T08:54:20","modified_gmt":"2021-02-21T08:54:20","slug":"die-vergessene-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/02\/01\/die-vergessene-geschichte\/","title":{"rendered":"Die vergessene Geschichte"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Diese Woche j\u00e4hrte sich die Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zum siebzigsten Mal. Viele gedachten den Opfern des Holocaust, im KZ selbst waren Staatschefs aus aller Welt zu Gast. Doch Gedenken ist nicht immer leicht, ganz im Gegenteil zum Vergessen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Kommentar.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Stadtfriedhof T\u00fcbingen k\u00f6nnte man durchaus als idyllischen Ort bezeichnen. Am Hang gelegen und stehen darin zahlreiche B\u00e4ume und neben den B\u00fcrgern der Stadt liegen hier auch bekannte Pers\u00f6nlichkeit wie Kurt Georg Kiesinger oder Friedrich H\u00f6lderlin, sowie verdiente T\u00fcbinger Professoren begraben. Doch im hintersten Eck, auf dem Lageplan nur als Gr\u00e4berfeld X vermerkt, liegt, zwischen B\u00fcschen und B\u00e4umen, eine kleine Gedenkst\u00e4tte, fr\u00fcher Bestattungsplatz des anatomischen Instituts. Fast vergessen, aber doch mit einer traurigen, nationalsozialistischen Vergangenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damals und heute leugnen Rechtsextreme den V\u00f6lkermord an sechs Millionen Juden in den Konzentrationslagern w\u00e4hrend des Regimes des dritten Reichs. Jedoch wissen alle anderen, dass diese Reden nur leere Phrasen sind, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Die bittere Realit\u00e4t sieht anders aus. Doch trotzdem, oder gerade deswegen, wollen sich viele Deutsche nicht mehr an diese Zeit erinnern, wollen sie vergessen. Aber ist das richtig? Haben wir es nicht mehr n\u00f6tig, uns zu erinnern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas geht mich das an, was fr\u00fcher passiert ist?\u201c Doch es darf nicht alles vergessen werden. \u201eArbeit macht frei\u201c, \u201eHolocaust\u201c, \u201eEndl\u00f6sung\u201c, \u201eHerrenrasse\u201c. Diese Worte haben nicht nur in einem bestimmten Kontext eine Bedeutung. Durch die Vergangenheit ist ihre Bedeutung festgeschrieben und durch die Erinnerung an diese Vergangenheit behalten sie sie auch.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Aber Erinnerung ist wichtig!<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ziel ist es garantiert nicht, uns mit dem erhobenen Zeigefinger daf\u00fcr zu strafen, was nicht wir, nicht unsere Eltern und den meisten F\u00e4llen auch nicht unsere Gro\u00dfeltern getan haben. Wir m\u00fcssen uns nicht f\u00fcr das, was geschehen ist, schuldig f\u00fchlen. Denn die schrecklichen Taten wurden von anderen begangen. Ziel soll jedoch die Erinnerung an diese Taten sein, denn mit der Erinnerung beginnt auch die Erkenntnis und das Begreifen. Der Blick in die Vergangenheit hilft uns nicht, das, was geschehen ist, wiedergutzumachen. Aber er hilft uns, es in Zukunft richtig zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gr\u00e4berfeld X und seine Geschichte: Vom 30. Januar 1933 bis zum 8. Mai 1945 wurde dieser Bereich des Friedhofs genutzt, um rund tausend Menschen zu bestatten, die nicht der Vorstellung des arischen Menschen entsprachen. Erschossen, gek\u00f6pft, vernichtet durch Arbeit. Dies sind nur einige der Todesarten, durch die nicht nazikonformen Seelen ermordet wurden. Teilweise liegen hier auch die K\u00f6rper derer, die aus grausamen Kalk\u00fcl der Machthaber als K\u00f6rperspender zwangsrekrutiert wurden. Nach dem Krieg zuerst in Vergessenheit geraten, wurde dieser Ort ab 1952 nach und nach zur Gedenkst\u00e4tte umfunktioniert, bis im Jahre 1990 die Universit\u00e4t endlich die letzten verbliebenen, w\u00e4hrend der Nazizeit entstandenen Pr\u00e4parate begraben und eine kupferne Gedenktafel anbringen lie\u00df. Eine Woche nach dem feierlichen Begr\u00e4bnis wurde das Gr\u00e4berfeld X mit Hakenkreuzen beschmiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problem ist, dass wir, die nichts getan haben die damaligen Taten aufgrund ihrer Grausamkeit vergessen wollen. Doch das Problem ist, dass diejenigen, die diese Taten feiern und die T\u00e4ter als Helden verehren, nicht vergessen. Sind wir einmal ehrlich, wer in T\u00fcbingen kennt heute noch das Gr\u00e4berfeld X und seine schreckliche Vergangenheit? Aber sollte das so sein?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche j\u00e4hrte sich die Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zum siebzigsten Mal. 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