{"id":4073,"date":"2015-05-01T16:16:11","date_gmt":"2015-05-01T16:16:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=4073"},"modified":"2021-02-21T08:47:48","modified_gmt":"2021-02-21T08:47:48","slug":"fernsehen-wird-es-immer-geben-pierre-m-krause-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/05\/01\/fernsehen-wird-es-immer-geben-pierre-m-krause-im-interview\/","title":{"rendered":"\u201eFernsehen wird es immer geben\u201c Pierre M Krause im Interview"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Im Interview mit Kupferblau erz\u00e4hlt Pierre M. Krause, warum man auch ohne Studium Erfolg haben kann, was das Internet f\u00fcr das lineare Fernsehen bedeutet und warum es immer Menschen geben wird, die zu faul sind, ihr eigenes Programm zusammenzustellen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Interview f\u00fchrten Thomas Lotter und Lukas Weyell.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch bevor das eigentliche Interview beginnt, spielt Krause mit seinem Schl\u00fcsselbund vor dem Aufnahmeger\u00e4t herum und macht laute Ger\u00e4usche. Es entspinnt sich ein witziger Smalltalk, aus dem wir mit einiger M\u00fche schlie\u00dflich ins eigentliche Interview finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K B<\/strong>: Du hast dich statt Studium f\u00fcr den praktischen Weg beim SWR entschieden. Hast du es jemals bereut, nicht fertig studiert zu haben?<br \/>\n<strong>P M K<\/strong>: Puh die Frage habe ich mir noch nie gestellt. Tats\u00e4chlich ist mein Leben noch steigerbar und es w\u00e4re in Interviews sicher gut, ich k\u00f6nnte sagen, ich h\u00e4tte eine Doktorarbeit \u00fcber Nietzsche geschrieben. Ich w\u00fcrde es nie empfehlen, das Studium abzubrechen, aber ich bereue es nicht wirklich.<br \/>\n<strong>K B<\/strong>: Mal frech gefragt: St\u00f6rt es dich, dass alte Weggef\u00e4hrten wie Jan B\u00f6hmermann, Klaas Heufer-Umlauf und Katrin Bauerfeind gerade so durch die Decke gehen und du beim SWR bleibst?<br \/>\n<strong>P M K<\/strong>: Das klingt so als w\u00e4re der SWR was Schlechtes. Ich bin da sehr, sehr gerne und ich genie\u00dfe es tats\u00e4chlich auch, immer noch an Orte gehen zu k\u00f6nnen und unerkannt zu bleiben. Ich kenne nun auch andere, wie Klaas Heufer-Umlauf, die eben \u00fcberall erkannt werden und da ich Misanthrop bin, ist es mir so lieber. Vielleicht bin ich deshalb nicht erfolgreich, weil ich Misanthrop bin&#8230;<\/p>\n<blockquote>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eDer Senderchef wei\u00df doch gar nicht, dass es mich gibt.\u201c<\/h3>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K B<\/strong>: Wie gehst du mit Kritik um? Wer darf dich kritisieren? Der Senderchef?<br \/>\n<strong>P M K<\/strong>: Nee, der wei\u00df ja gar nicht, dass es mich gibt. Also so generell darf mich jeder kritisieren, aber ich les zum Beispiel keine YouTube-Kommentare mehr, weil das einfach unqualifiziert ist und man da im Schutz der Anonymit\u00e4t alles schreiben kann. Ansonsten d\u00fcrfen mich Menschen die in meinem pers\u00f6nlichen nahen Umfeld stehen jeder Zeit kritisieren, alle anderen sind mir tats\u00e4chlich ziemlich egal.<br \/>\n<strong>K B<\/strong>: Jetzt bist du ja schon auch langsam in dem Alter, in dem die Haare lichter werden und einen eher die seri\u00f6sen Formate anfragen. Kannst du dir auch vorstellen, noch mal etwas anderes zu machen? Vielleicht wieder Filme produzieren?<br \/>\n<strong>P M K<\/strong>: Doch sehr. Ich bin jetzt eigentlich an dem Punkt, an dem ich viel lieber im Hintergrund arbeiten w\u00fcrde. Aber es ist einfach so wahnsinnig leicht verdientes Geld im Vordergrund zu arbeiten und da melke ich jetzt die Kuh, so lange sie noch Milch gibt. Danach werd ich mich zur\u00fcckziehen und vielleicht Nachwuchs f\u00f6rdern oder \u00c4hnliches machen.<br \/>\n<strong>K B<\/strong>: Gibt es auch Formate, in denen man dich nicht sieht, obwohl du ebenfalls mitgearbeitet hast?<br \/>\n<strong>P M K<\/strong>: Ich arbeite an allen Formaten, in denen man mich sieht auch im Hintergrund mit. F\u00fcr andere Sendungen bleibt mir leider nicht die Zeit.<\/p>\n<blockquote>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eEs wird immer Markus Lanz geben. Auch in 60 Jahren noch.\u201c<\/h3>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K B<\/strong>: Zum Thema Fernsehen. Siehst du als Insider einen neuen Format-Trend am Fernsehhimmel aufziehen? Welches Genre wird in den n\u00e4chsten 5 Jahren richtig durch die Quoten-Decke gehen?<br \/>\n<strong>P M K<\/strong>: Ich glaube, dass solche Formate wie die von Joko&amp;Klaas und auch Stefan Raab l\u00e4ngerfristig die gro\u00dfen Samstag Abend-Shows abl\u00f6sen werden. Es ist zwar voyeuristisch, und auch fies, meistens tut sich jemand weh. Aber alle moralischen Aspekte mal vorneweg gelassen, ist es auch ziemlich unterhaltsam. Au\u00dferdem denk ich, dass man weiter aus Amerika kopieren wird, mal gut und mal eher schlecht und es wird immer Markus Lanz geben. Auch in 60 Jahren noch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K B<\/strong>: F\u00fcr viele junge Menschen stellt Youtube ja auch immer mehr eine Fernseh-Alternative dar\u2026<br \/>\n<strong>P M K<\/strong>: (tut verdutzt): Was ist denn das jetzt?<br \/>\n<strong>K B<\/strong>: Das ist so ein junges Br\u00fcckenmedium. Zum Beispiel Christian Ulmen produziert einige Serien exklusiv f\u00fcr das Internet. W\u00e4re das f\u00fcr dich auch eine M\u00f6glichkeit, oder denkst du, dass es sich finanziell nicht rentiert? W\u00e4re es eine Idee f\u00fcr SWR3-Latenight exklusiven Internet-Content anzubieten?<br \/>\n<strong>P M K<\/strong>: F\u00fcr Extras ist meine Redaktion leider zu klein und wir haben nicht die Mittel, um da noch was zu produzieren. Insofern stellt sich die Frage nicht. Abgesehen davon denke ich, dass es schwierig wird, reines Fernsehen im Internet zu \u00fcbertragen, das sieht man gerade zum Beispiel am kommenden Jugendkanal. Die beiden Medien werden denke ich noch eine Weile nebenher laufen, bis es da mal eine wirkliche L\u00f6sung gibt.<br \/>\n<strong>K B<\/strong>: Apropos Jugendkanal: Wird der in Baden-Baden als Chance gesehen, oder ist da eher Chaos angesagt?<br \/>\n<strong>P M K<\/strong>: Um mal ne kurze Antwort zu geben, da ist Chaos angesagt. Die Kollegen begreifen das schon als Chance, aber aktuell ist da Chaos und keiner wei\u00df, was er machen soll.<\/p>\n<blockquote>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eBrennt f\u00fcr eure Sache, habt Leidenschaft, seid authentisch!\u201c<\/strong><\/h3>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K B<\/strong>: W\u00fcrdest du jungen Leuten raten, etwas im Medienbereich zu studieren, oder lieber eine Ausbildung zu machen, um schnell in den Beruf rein zu kommen?<br \/>\n<strong>P M K<\/strong>: Ich habe da leider gar keine Ahnung und kann nur von mir selber ausgehen. Wenn man f\u00fcr etwas brennt und das gerne macht, dann sollte man das machen. Dann sollte man an seinem K\u00f6nnen feilen und sein Ding durchziehen. Wie das dann am Ende aussieht, ob man Praktika macht oder was studiert, oder seinen eigenen Film finanziert, oder gar einen Verein wie Querfeldein gr\u00fcndet, der Prominente nach T\u00fcbingen holt, das ist v\u00f6llig egal. Ein Rezept gibt es nicht. Sicher ergibt es Sinn, Praktika zu machen. Was der K\u00f6nigsweg ist, wei\u00df ich tats\u00e4chlich nicht, aber brennt f\u00fcr eure Sache, habt Leidenschaft, seid authentisch.<br \/>\n<strong>K B<\/strong>: Ist das Fernsehen \u00fcberhaupt noch der richtige Ansprechpartner f\u00fcr junge Medienmacher oder sollten die sich lieber gleich am Internet orientieren?<br \/>\n<strong>P M K<\/strong>: Wo ist denn dieses Internet, wo hat denn YouTube seinen Sitz? Muss man da nach Berlin? Ich glaub man sollte Katzenbabys mitnehmen, die Propeller-h\u00fcte aufhaben (lacht). Nein, ich glaube Fernsehen wird es immer geben. Allein schon weil die Masse der Menschen zu dumm und zu faul ist, sich ein Programm immer selbst zusammenzustellen. Ich denke es wird immer eine Masse Menschen geben, die froh sind, wenn sie ein Angebot bekommen, das sie v\u00f6llig kritiklos und passiv konsumieren k\u00f6nnen, und das kann nur Fernsehen. Ich glaube Fernsehen ist nicht tot, es wird sich nur ver\u00e4ndern. Selbst wenn du eine Kochshow von Johann Lafer bei iTunes anschaust, ist es immer noch Fernsehen, egal wo du es anschaust.<\/p>\n<blockquote>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eLatenight wird wiederkommen\u201c<\/h3>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>K B<\/strong>: Noch eine Frage zu deinem Format, Latenight. Meinst du, dass diese wegsterben wird? Harald Schmidt hat dieses Jahr aufgeh\u00f6rt.<br \/>\n<strong>P M K<\/strong>: Ich glaube tats\u00e4chlich, dass Latenight wieder kommen wird. Ich kenne niemanden der nicht t\u00e4glich drei Links aus der Tonight-Show, das ist die \u00e4lteste Latenight-show der USA, weiterschickt und sagt, schau mal wie cool, was die da gemacht haben. Ich denke inzwischen kennt jeder das Format, und kann einsch\u00e4tzen was es ist. Es ist ein kluges Format, das vieles verbindet, zu klug um einfach nur albern zu sein, aber zu albern um intellektuell zu sein. Ich glaube, es braucht nur seine Zeit und wird in einer anderen Form in Deutschland wieder kommen.<br \/>\n<strong>K B<\/strong>: Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Interview mit Kupferblau erz\u00e4hlt Pierre M. 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