{"id":4678,"date":"2015-06-27T12:52:51","date_gmt":"2015-06-27T12:52:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=4678"},"modified":"2021-02-21T08:33:28","modified_gmt":"2021-02-21T08:33:28","slug":"zauberhafte-orte-tuebinger-zoo-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/06\/27\/zauberhafte-orte-tuebinger-zoo-2\/","title":{"rendered":"Zauberhafte Orte: T\u00fcbinger Zoo"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Wer erinnert sich noch an den T\u00fcbinger Zoo? Mit Sicherheit niemand, der nicht vor 100 Jahren das Licht der Welt erblickte und mit dem Begriff \u201eZoo\u201c lediglich einen stillgelegten Musikclub in der T\u00fcbinger Weststadt verbindet. Die Rubrik der zauberhaften Orte f\u00fchrt uns dieses Mal jedoch nicht zu einem verlassenen Tanzschuppen, sondern zu einer geschichtstr\u00e4chtigen Ruine auf dem Spitzberg, die seit Ende des Ersten Weltkrieges mehr und mehr in Vergessenheit geraten ist und so fernab der festgetretenen Wanderwege ein ganz besonderes Ausflugsziel darstellt.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Die Tiefen des Spitzbergwaldes<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen T\u00fcbingen und Wurmlingen erstreckt sich ein dichtbewaldeter Bergr\u00fccken, der Spitzberg. Bereits im Fr\u00fchmittelalter wurde an diesem Ort eine Burg errichtet, welche sp\u00e4ter den Namen \u201e\u00d6denburg\u201c erhielt. Daf\u00fcr sorgte vor allem Albrecht von Hohenberg, als dieser im Jahre 1291 seinen M\u00e4nnern befahl, die Burg zu zerst\u00f6ren. Trotz eines direkten Wiederaufbaus durch den B\u00f6blinger G\u00f6tz, fand die Burg in den darauffolgenden Jahren nie wieder zu ihrem alten Glanz zur\u00fcck und verkam schlie\u00dflich zu einem \u00f6den Gem\u00e4uer. Ende des 16. Jahrhunderts hie\u00df es dann sogar, dass von der Burg kein Stein mehr \u00fcbrig sei. Die Legende jedoch blieb und lud zahlreiche T\u00fcbinger weiterhin zu Spazierg\u00e4ngen auf den Spitzberg ein. So unter anderem auch Friedrich H\u00f6lderlin, der sich mithin zu folgendem Gedicht inspirieren lie\u00df:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u201eStill und \u00f6de steht der V\u00e4ter Feste, Schwarz und moosbewachsen Pfort&#8216; und Turm, Durch der Felsenw\u00e4nde tr\u00fcbe Reste Saust um \u00a0 \u00a0Mitternacht der Wintersturm.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_4665\" aria-describedby=\"caption-attachment-4665\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4665\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/1.-Titelbild-1008x672.jpg\" alt=\"Fr\u00fcher ein Ort staunender Kinderaugen \u2013 heute eine brachliegende Ruine.\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4665\" class=\"wp-caption-text\">Fr\u00fcher ein Ort staunender Kinderaugen \u2013 heute eine brachliegende Ruine.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Leopard, Tiger &amp; Co.<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem mehrere Jahrhunderte ins Land gezogen waren, kaufte schlie\u00dflich der geb\u00fcrtige T\u00fcbinger Eugen Mannheim 1906 rund sieben Hektar Wald- und Wiesenfl\u00e4che des Spitzberges auf, um an jenem Ort einen Tierpark mit angegliederter Gastronomie zu errichten. So entstanden binnen eines Jahres neben einem Wirtschaftsgeb\u00e4ude und zwei Scheunen auch K\u00e4fige mit mehreren Abteilungen f\u00fcr Raubkatzen und B\u00e4ren sowie ein Gehege f\u00fcr V\u00f6gel und etliche Teiche f\u00fcr die Fischotter und Seehunde. Das Wirtschaftsgeb\u00e4ude selbst erhielt aufgrund des historischen Grundst\u00fccks den Namen \u201e\u00d6denburg\u201c.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Erschwinglich: 20 Pfennig Eintritt<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 19. Mai 1907 war es dann soweit: der \u201eTiergarten T\u00fcbingen\u201c \u00f6ffnete seine Pforten und wurde dank des gro\u00dfen Tierbestandes von unter anderem Primaten, Raubtieren und Reptilien sowie dem erschwinglichen Eintrittspreis von 20 Pfennig (f\u00fcr Kinder und Soldaten sogar nur die H\u00e4lfte) zu einem Publikumsmagnet in der Region. Selbst der K\u00f6nig von W\u00fcrttemberg soll wenige Wochen nach der Er\u00f6ffnung mit seinen beiden Enkeln zu Besuch gewesen sein und als Zeichen seines Dankes 20 Mark gespendet haben. Leider erfolgte der Niedergang des Tiergartens mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges und der Einberufung Mannheims zum Milit\u00e4rdienst. 1919 folgte schlie\u00dflich das Aus f\u00fcr den T\u00fcbinger Zoo und der Zahn der Zeit begann \u00fcber die Jahre hinweg an den Bauwerken zu nagen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4666\" aria-describedby=\"caption-attachment-4666\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4666\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/2.-Inside-1008x672.jpg\" alt=\"Geheimnisumwobener Ort: Angeblich kann man noch immer die Raubtiere aus den W\u00e4ldern br\u00fcllen h\u00f6ren.\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4666\" class=\"wp-caption-text\">Geheimnisumwobener Ort: Angeblich kann man noch immer die Raubtiere aus den W\u00e4ldern br\u00fcllen h\u00f6ren.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Gebr\u00fcll oder Rauschen im Wald?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit ist vom einst so prachtvollen Zoo nach bald 100 Jahren nichts weiter \u00fcbrig als die leere Ruine des Tigerk\u00e4figs. Jedoch berichten bis heute noch etliche Wanderer, welche \u00fcber den Bergr\u00fccken des Spitzberges liefen, dass man aus den Tiefen des Waldes nach wie vor das Gebr\u00fcll der Raubkatzen vernehmen kann. Allein um diesen Mythos zu \u00fcberpr\u00fcfen, lohnt sich ein Besuch der historischen Ruine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Anreise:<\/span> Den von Birken verborgen Tigerk\u00e4fig am Ende eines absch\u00fcssigen Waldhanges erreicht man am besten zu Fu\u00df und mit gutem Schuhwerk. Aus T\u00fcbingen kommend f\u00e4hrt man daf\u00fcr zun\u00e4chst mit dem Bus der Linie 9 bis zur Haltestelle \u201eBismarckturm\u201c. Von dort aus schl\u00e4gt man dann den Wanderweg in Richtung Hirschau\/Wurmlingen ein und h\u00e4lt sich nach gut 200 Metern an die linke Abzweigung. Um den genauen Standort der K\u00e4figruine ausfindig zu machen, orientiert man sich anschlie\u00dfend an den folgenden Koordinaten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">N 48\u00b030.454, E 009\u00b0 01.517 (GPS-f\u00e4higes Smartphone empfohlen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Fotos: Paul Mehnert<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer erinnert sich noch an den T\u00fcbinger Zoo? 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