{"id":4681,"date":"2015-06-27T21:02:33","date_gmt":"2015-06-27T19:02:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=4681"},"modified":"2015-06-27T21:02:33","modified_gmt":"2015-06-27T19:02:33","slug":"zwischen-moral-und-menschenrechten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/06\/27\/zwischen-moral-und-menschenrechten\/","title":{"rendered":"Zwischen Moral und Menschenrechten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Darf man einem Diktator drei gepanzerte S-Klassen verkaufen? Solche und \u00e4hnliche Fragen mit dem Schwerpunkt \u201eVerantwortung bei der Einhaltung von Menschrechten\u201c wurden auf einer Podiumsdiskussion am vergangenen Dienstag im Weltethos-Institut T\u00fcbingen im Rahmen der Menschenrechtswoche unter der Leitung der UN-Hochschulgruppe und der Liberalen Hochschulgruppe beantwortet. <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im ernst-professionellen Ambiente des Weltethos-Instituts nehmen die G\u00e4ste Dr. Wolfram Heger, Julia Otten und der nicht nur in T\u00fcbingen bekannte Professor Dr. Jochen von Bernstorff Platz. Sie lassen sich aus den voll besetzen Reihen begutachten. Unter der Moderation von Dr. Christopher Gohl sollen die Experten allgemeinen Fragen und denen des durchaus kritischen\u00a0Publikums standhalten und beantworten. Vor allem Herr Dr. Heger wird von Anfang an misstrauisch be\u00e4ugt. Als Senior Manager im Corporate Responsibility Management bei der Daimler AG vertritt er in dieser Diskussion Sichtweisen aus der Wirtschaft. Julia Otten hingegen ist Referentin f\u00fcr zukunftsf\u00e4higes Wirtschaften in globalen Lieferketten. Sie arbeitet bei Germanwatch e.V. und betrachtet die Thematik eher aus der Konsumentenperspektive. Ein wohlbekanntes Gesicht ist Herr Professor Dr. Jochen von Bernstorff. Er ist an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen Dozent f\u00fcr V\u00f6lkerrecht, Staatsrecht und Menschenrechte und ist offen f\u00fcr alle juristischen Fragen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4685\" aria-describedby=\"caption-attachment-4685\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4685 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Podiumsdiskussion1-1008x672.jpg\" alt=\"Podiumsdiskussion1\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4685\" class=\"wp-caption-text\">Schlagabtausch: Beim Thema Einhaltung von Menschenrechten sehen die Experten die Wirtschaft wie auch die Politik in der Pflicht.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Verantwortung der Wirtschaft<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einf\u00fchrenden Beispielen durch die Referenten zum Thema Menschenrechtsverletzungen wird klar, dass der Fokus dieser Veranstaltung und somit die zu diskutierende Verantwortung klar im \u00f6konomischen Bereich liegt. Zentral sind Firmen, die im Ausland produzieren und deren Sorgfaltspflicht zur Wahrung der Rechte vor Ort. Gohl weist darauf hin, dass dennoch zwischen Mikro-, Meso- und Makroebene unterschieden werden muss, also zwischen dem eigenen Gewissen und der Verantwortung der Staaten. Als prim\u00e4ren Pflichtentr\u00e4ger zum Schutz von Menschenrechten sieht von Bernstorff die Staaten, er zeigt dabei die drei juristischen Dimensionen der Unterlassungs-, Schutz- und Leistungspflicht von Staaten auf. Otten kritisiert die Inkoh\u00e4renz zwischen Klagem\u00f6glichkeiten f\u00fcr Investoren und Menschen, die in ihren Rechten verletzt worden sind und sieht eine deutsche gesetzliche Definition zur Wahrung der Menschenrechte durch Unternehmen f\u00fcr absolut n\u00f6tig. Heger begr\u00fcndet am Beispiel des Bangladesch-Brandes seine Sorge, dass die staatliche Schutzpflicht immer h\u00e4ufiger von Unternehmen zwangsl\u00e4ufig \u00fcbernommen wird, um das Missmanagement der Staaten auszugleichen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Motivation f\u00fcr Firmen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider ist in der Praxis festzustellen, dass Menschenrechte sich weder als Werbema\u00dfnahmen von Unternehmen eignen, noch ihnen helfen, sich im Wettbewerb von der Konkurrenz zu differenzieren. Dennoch gibt es laut Heger drei aussagekr\u00e4ftige Gr\u00fcnde, sich auch und vor allem als Unternehmen f\u00fcr die Rechte der Menschen, die in der Wertsch\u00f6pfungs- und Produktionskette beteiligt sind, einzusetzen: Erstens sei es \u201ethe only rigth thing to do\u201c, also aufgrund von ethischer und moralischer Richtigkeit erstrebenswert. Zweitens gibt es zu dieser Thematik immer mehr R\u00fcckfragen von der Kundenseite und als letzten Punkt gibt er an, dass es nicht zielf\u00fchrend sei, wenn ein Produkt mit Menschenrechtsverletzung assoziiert werde. Durch systematisches Vorgehen soll dies, zumindest bei der Daimler AG, unter anderem durch die \u00dcberwachung der Zulieferer und Warengruppen, Abw\u00e4gen von Risiken im Produktionsland und pr\u00e4ventiven Ma\u00dfnahmen in die Praxis umgesetzt werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4686\" aria-describedby=\"caption-attachment-4686\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4686 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Podiumsdiskussion3-1008x672.jpg\" alt=\"Podiumsdiskussion3\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4686\" class=\"wp-caption-text\">Erfolgreicher Abend der Menschenrechtswoche: Die Experten und Veranstalter des Abends.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eNoch viele schwarze Schafe\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor allem von Bernstorff l\u00e4sst verlauten, dass noch nicht alle Firmen so weit fortgeschritten im Menschenrechtsdiskurs sind wie Heger vorgibt. Er weist auf h\u00e4ufiges staatliches Versagen hin, vor allem auch unter dem Punkt der Korruption. Viele Unternehmen w\u00fcrden schwache L\u00e4nder nutzen, um sich einen \u00f6konomischen Vorteil zu verschaffen. Sieht man nur diese eine Seite der Medaille und hat eine ausschlie\u00dflich \u00f6konomische Logik, so sei das nachvollziehbar, allerdings massiv menschenrechtswidrig.<br \/>\nIm Zuge der Thematik der Moral in Unternehmen wurde dann auch die Frage mit den S-Klassen gekl\u00e4rt: Heger legt zun\u00e4chst Wert auf das Hintergrundwissen, dass sich Systeme \u00e4ndern und zeigt dies am Beispiel Libyens auf. Es geht h\u00e4ufig um Einzelfallentscheidungen, die eingehend gepr\u00fcft werden und im Falle einer Menschenrechtsverletzung werden Auftr\u00e4ge auch einmal nicht ausgeliefert. So bekommt also nicht jeder Diktator ein sch\u00f6nes Auto aus dem Schwabenland, was auch noch nach der Diskussion beim Getr\u00e4nkeempfang f\u00fcr den ein oder anderen Lacher sorgte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos:<\/span>\u00a0Veranstalter Menschenrechtswoche<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Darf man einem Diktator drei gepanzerte S-Klassen verkaufen? 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