{"id":4818,"date":"2015-07-04T13:31:33","date_gmt":"2015-07-04T13:31:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=4818"},"modified":"2021-02-21T08:30:27","modified_gmt":"2021-02-21T08:30:27","slug":"american-dream-baby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/07\/04\/american-dream-baby\/","title":{"rendered":"\u201eAmerican Dream, Baby!\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Stra\u00dfendreck aus New York, Schlamm aus Louisiana, Leguanblut und Melonenwodka \u2013 einen berauschenden aber auch etwas verbitterten Cocktail aus diesen Zutaten mixten Saskia Trebing und Valentin Moritz bei ihrer Leseperformance \u201eBah\u00eca\u201c am 19.06. im Caf\u00e9 Haag.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Aufbau im Caf\u00e9 Haag l\u00e4sst vermuten, dass hier an diesem Abend ein kulturelles Programm ansteht: Vor der unebenen Landschaft aus Barhockern, Stehtischen und gem\u00fctlich zusammengedr\u00e4ngten Sofas ist ein Mikrofon aufgebaut, dar\u00fcber wirft ein Beamer das Bild einer weiten, kargen Landschaft an die Wand. Auf einem einzelnen Tisch ein Laptop, einige Seiten Text, eine Melone\u2026 Moment Mal, das f\u00e4llt dann doch etwas aus dem Rahmen der \u00fcblichen Utensilien f\u00fcr eine Lesung. Doch was es mit der exotischen Frucht auf sich hat &#8211; dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eWir haben damals noch Penner gesagt\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden Autoren beginnen den Abend eher unvermittelt: Die ersten Worte, die sie ins Mikrofon sprechen sind direkt schon Zeilen aus ihren Texten, die sie abwechselnd St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck vortragen.<br \/>\nDer Zuschauer wird somit ins kalte Wasser geworfen &#8211; und zwar zuerst in das des Hudson River, denn der erste Text von Saskia Trebing beginnt in New York.<br \/>\nVon Erinnerungen des lyrischen Ichs an \u201eSonne auf Stahl und Glas\u201c und die Obdachlosen, die die Stra\u00dfen s\u00e4umen \u2013 \u201eWir haben damals noch Penner gesagt\u201c \u2013 springt die Autorin immer wieder in die Gegenwart, wo nur noch einige Souvenirs von vergangenen Tagen zeugen: Die Ledertasche, die mal ein Alligator war, der sich in einer hei\u00dfen Nacht \u2013 \u201edie Luft war Sirup mit Zikaden\u201c \u2013 im Schlamm Louisianas suhlte oder das vergilbte Zugticket aus Kalifornien.<br \/>\nH\u00f6rt sich nach Freiheit und \u201eAmerican Dream, Baby!\u201c an? \u201eQuatsch, American Dream ist was f\u00fcr Idioten\u201c, antwortet das lyrische Ich. Ihr sei es wichtig sowohl Klischees aufzugreifen, als auch wieder fallen zu lassen sagt die Autorin.<br \/>\nObwohl der Text aus einer sehr pers\u00f6nlichen Perspektive erz\u00e4hlt wird sei er jedoch nicht autobiografisch. In New York hat Saskia Trebing aber tats\u00e4chlich schon gelebt, zusammen mit Laura Trager, von der die Kurzfilme stammen, die zwischen den Textabschnitten gezeigt werden. Zu sehen sind Landschaftsaufnahmen von Nordamerika und Costa Rica, gefilmt mit Analogkameras, wodurch das Motiv von Vergangenheit aus Saskias Text wieder aufgegriffen wird.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Gegrillter Leguan mit Kartoffelsalat<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Zeit in New York sei auch die Idee f\u00fcr die Leseperformance insgesamt entstanden, wobei Saskia ihren Text als \u201enordamerikanische\u201c Version zu dem von Valentin Moritz angelegt habe, welcher zuerst existierte. Darin geht es um eine Nacht im namensgebenden Salvador da Bah\u00eca. Derbe und teils geradezu ekelerregend detailliert erz\u00e4hlt der Protagonist von einem gestrandeten Wal, den die Einheimischen mangels Alternativen kurzerhand sprengen \u2013 \u201eDie paar Ged\u00e4rme, rumgeschlackert haben sie im Wasser wie tote Aale\u201c und von der Barfrau, die genauso aussieht wie der Kartoffelsalat, den sie im bringt: \u201efettig, matschig und gelb\u201c. Den H\u00f6hepunkt erreicht die Geschichte, als der Protagonist einen Leguan erlegt \u2013 \u201eein Gemetzel, doch ich bin der Sieger\u201c \u2013 den er anschlie\u00dfend \u00fcber einer Fackel grillt und isst. Bei dem Protagonisten handle es sich, \u00e4hnlich wie im ersten Text nur um ein Alter-Ego: Valentin Moritz hat den Schauplatz der Handlung zwar bereist, \u201edie Figur spaltet sich aber von dem ab, was ich h\u00e4tte sein k\u00f6nnen&#8220;, sagt er.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Melonenwodka f\u00fcr alle<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und die Melone? Die wird so wie der Leguan und die Alligatoren im Laufe des Abends geschlachtet, sie solle mit ihrer gr\u00fcnen Haut und dem roten, saftigen Innern an die Reptilien erinnern und gleichzeitig Symbol f\u00fcr Exotik und Fernweh sein. Zwischen den Textabschnitten wird sie immer weiter zerhackt und schlie\u00dflich mit Eis und Wodka gemischt. So wird das Publikum dann auch auf Geschmacksebene unterhalten und kann den Abend mit einem Glas Melonenwodka ausklingen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stra\u00dfendreck aus New York, Schlamm aus Louisiana, Leguanblut und Melonenwodka \u2013 einen berauschenden aber auch etwas verbitterten Cocktail aus diesen Zutaten mixten Saskia Trebing und &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":282,"featured_media":4822,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[62],"tags":[1149,879,1150,11,1151,547,1152,1153],"class_list":["post-4818","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kultur","tag-bahia","tag-cafe-haag","tag-eventlesung","tag-featured","tag-leseperformance","tag-lesung","tag-saskia-trebing","tag-valentin-moritz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4818","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/282"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4818"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4818\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23920,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4818\/revisions\/23920"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}