{"id":5175,"date":"2015-10-28T09:51:31","date_gmt":"2015-10-28T08:51:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=5175"},"modified":"2015-10-28T09:51:31","modified_gmt":"2015-10-28T08:51:31","slug":"aesthetik-der-schatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/10\/28\/aesthetik-der-schatten\/","title":{"rendered":"\u00c4sthetik der Schatten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Sex, Blut und Scherben: Mit dem Drama \u201eDe l\u2019ombre il y a \u2013 Mirinda\u201c gibt Nathan Nicholovitch einen Einblick in die Schattenwelt des Rotlichtmilieus von Phnom Penh. Trotz aller Brutalit\u00e4t erf\u00fcllt den Film ein Schimmer von Menschlichkeit.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fragil und doch muskul\u00f6s, biegsam, kr\u00e4ftig, zwiesp\u00e4ltig, verf\u00fchrerisch, mysteri\u00f6s \u2013 das komplexe Filmnarrativ l\u00e4sst sich bereits am K\u00f6rper des Hauptdarstellers David D\u2019Ing\u00e9o ablesen. Der franz\u00f6sische Transvestit namens Mirinda lebt von Prostitution in einem Kambodscha, das von der Kriminalit\u00e4t der Roten Khmer zerrissen ist. Mirinda muss sehr auf ihr Aussehen achten und die seltsamsten W\u00fcnsche ihrer Kunden erf\u00fcllen. Doch selbst in dieser miserablen, gewaltsamen Lebenswelt findet sich ehrliche Liebe und Z\u00e4rtlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/DE_L_OMBRE_IL_Y_A_001copyright-Nathan-Nicholovitch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5177\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/DE_L_OMBRE_IL_Y_A_001copyright-Nathan-Nicholovitch.jpg\" alt=\"DE_L_OMBRE_IL_Y_A_001(copyright Nathan Nicholovitch)\" width=\"777\" height=\"567\" \/><\/a><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ein gef\u00e4hrlicher Beruf<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz des Elends und der Gewalt findet Mirinda Gefallen an ihrem Beruf. Mit dunkler, lockiger Per\u00fccke und im Abendkleid schreitet sie mit ihren meterlangen Beinen in ein hell erleuchtetes Hotel. Sie wirft ihre Haarpracht zur Seite und blickt lasziv auf den Kunden, der ihr gierig hinterher trabt. Pl\u00f6tzlich erstarrt sie. In einer Ecke des Rezeptionssaals gekauert sitzt ein kleines M\u00e4dchen und h\u00e4lt sich mit beiden H\u00e4nden den Bauch. Blut flie\u00dft an ihren Fingern herunter. Mirinda l\u00e4uft mit steifem Schritt in ihre Richtung, dreht sich noch einmal um, nimmt ein Geldb\u00fcndel aus ihrem BH und reicht es dem Kunden: f\u00fcr ein Tuk Tuk. Dann packt sie das M\u00e4dchen und steigt hastig die Treppen hinauf. Sie verarztet es liebevoll und duscht es ab. Beim Abtrocknen murmelt sie ihr mit sanfter Stimme beruhigende Worte ins Ohr: \u201e\u00c7a va aller.\u201c \u2013 \u201eAlles wird gut.\u201c Das M\u00e4dchen verbirgt sich ver\u00e4ngstigt in ihrer Stummheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mirinda hat nach der Ermordung ihres geliebten Freundes f\u00fcr das M\u00e4dchen eine Art v\u00e4terliche Verantwortung \u00fcbernommen. Sie hat es aus einem M\u00e4dchenlager eines Menschenh\u00e4ndlers befreit. Nach und nach entsteht ein Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen ihnen, doch die Kleine bleibt dennoch still. Erst am Ende erz\u00e4hlt sie im Voice Over in ihrer Muttersprache die r\u00e4tselhafte Geschichte vom M\u00e4dchen, vom Alten und vom Phantom.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/De-lombre-il-y-a-Regisseur.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5179\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/De-lombre-il-y-a-Regisseur.jpg\" alt=\"De l'ombre il y a Regisseur\" width=\"380\" height=\"380\" \/><\/a><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Eine nebelhafte Welt<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die geheimnisvolle, schattenhafte Atmosph\u00e4re wird durch ein brillantes Lichtspiel betont. D\u00e4mmrige Lampen, die die Bars und Nachtclubs abwechselnd in rotes und blaues Licht eintauchen lassen, tragen dazu bei. Montage und Kameraf\u00fchrung irritieren zuerst und sind gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, denn es wird sehr nah am K\u00f6rper gefilmt. Doch dann wirkt die Magie des Films: \u00e4sthetische Gro\u00dfaufnahmen von Gesichter lassen die Blicke sprechen. Nur sehr wenige Dialoge sind n\u00f6tig, um die Dramaturgie herzustellen. Einige Bilder im Regenwald oder am Hafen wirken wie kunstvolle exotische Gem\u00e4lde. Sie geben den Eindruck einer methodischen Inszenierung, wirken manchmal fast theatralisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine sehr laute, die Stimmen \u00fcbert\u00f6nende Ger\u00e4uschkulisse sowie die Menge an Sex und Blut auf der Leinwand k\u00f6nnten den Film leicht ins \u00dcbertriebene umschlagen lassen. David D\u2019Ing\u00e9o schafft es jedoch, in der hervorragenden Verk\u00f6rperung seiner Rolle die Vulgarit\u00e4t zu umgehen. Alle Protagonisten haben ein komplexes inneres Seelenleben, sie sind in der Schattenwelt allesamt Opfer der Gewalt und m\u00fcssen sich gegen ihren Willen unterwerfen. Trotzdem verlieren sie nicht ihre Menschlichkeit \u2013 und somit auch nicht ihre W\u00fcrde. Der Film verabschiedet sich von den traditionellen dramaturgischen Codes und l\u00e4sst die T\u00fcr offen zu einem unbekannten, konfusen und nebelhaften Universum. Nathan Nicholovitchs Kunstwerk verspricht verwirrende Poesie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>DE L\u2019OMBRE IL Y A, Frankreich 2015 \u2013 Regie: Nathan Nicholovitch. Buch: Nathan Nicholovitch, David D\u2019Ing\u00e9o und Clo Mercier. Kamera: Florent Astolfi. Mit: David D\u2019Ing\u00e9o, Panna Nat, Viri Seng Samnang, Ucoc Lai, Clo Mercier. 105 Min.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Text:<\/span> Pauline Menghini (19) studiert Empirische Kulturwissenschaft und Medienwissenschaft im dritten Semester und liebt die filmische Kunst, weil sie intensive Erlebnisse erm\u00f6glicht und damit das Leben bereichert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Filmkritik entstand im Rahmen des FestivalTV der Franz\u00f6sischen Filmtage im Filmkritikworkshop von Hanne Detel, Institut f\u00fcr Medienwissenschaft, Uni T\u00fcbingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos<\/span>:\u00a0copyright Nathan Nicholovitch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sex, Blut und Scherben: Mit dem Drama \u201eDe l\u2019ombre il y a \u2013 Mirinda\u201c gibt Nathan Nicholovitch einen Einblick in die Schattenwelt des Rotlichtmilieus von &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5178,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,810,62,922],"tags":[11,587,841,1843,19,145],"class_list":["post-5175","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-film","category-kultur","category-student-lifestyle","tag-featured","tag-filmkritik","tag-franzoesische-filmtage","tag-nathan-nicholovitch","tag-tubingen","tag-uni"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5175","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5175"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5175\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5175"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5175"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5175"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}