{"id":5206,"date":"2015-10-28T10:04:07","date_gmt":"2015-10-28T09:04:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=5206"},"modified":"2015-10-28T10:04:07","modified_gmt":"2015-10-28T09:04:07","slug":"kopftuch-und-vorurteil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/10\/28\/kopftuch-und-vorurteil\/","title":{"rendered":"Kopftuch und Vorurteil"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Filmfestivals standen im Jahre 2015 nicht selten im Zeichen der Weiblichkeit und Immigration. Kaum verwunderlich angesichts der politischen Lage in Europa. Zahlreiche Festivalbeitr\u00e4ge rankten sich daher um das Thema \u2013 so auch Philippe Faucons \u201eFatima\u201c. Der Film folgt dem allt\u00e4glichen Leben dreier eingewanderter Frauen, r\u00fcckt jedoch die titelgebende Mutter klar in den Mittelpunkt. Trotz guter Ans\u00e4tze hinterl\u00e4sst \u201eFatima\u201c einen leicht zwiesp\u00e4ltigen Eindruck: Zu viele Themen werden in der nur m\u00e4\u00dfigen Laufzeit von 79 Minuten angerissen.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fatima (Soria Zeroual) spricht gebrochenes Franz\u00f6sisch und s\u00e4ubert als Putzfrau B\u00fcros. Sie ist bescheiden und lebt nur f\u00fcr ihre T\u00f6chter. Sie selbst, so scheint es, w\u00fcrde f\u00fcr ein besseres Leben ihrer Kinder alles geben. Nesrine (Zita Hanrot), 18-j\u00e4hrige Medizinstudentin, und Souad (Kenza-Noah Aiche), ein 15-j\u00e4hriger rebellischer Teenager, k\u00f6nnten kaum unterschiedlichere T\u00f6chter sein. Der Vater und Ehemann (Chawki Amari), der getrennt von Fatima lebt, findet nur wenig Beachtung im Leben der Frauen und bleibt daher im Film namenlos. Fatima unterst\u00fctzt bedingungslos ihre Familie<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Fatima_1_copyright_Pyramide_Distribution.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5208\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Fatima_1_copyright_Pyramide_Distribution-762x672.jpg\" alt=\"Fatima_1_(copyright_Pyramide_Distribution)\" width=\"762\" height=\"672\" \/><\/a><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Traditionen sind zwiesp\u00e4ltig<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend des Filmverlaufs werden die drei Frauen immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert. Sei es eine Mietwohnung, die der \u00e4ltesten Tochter aufgrund der ethnischen Herkunft verwehrt bleibt, oder Schikanen des Arbeitgebers. Selbst \u00c4rzte sind nicht befreit von Vorurteilen. Die Gesellschaft in die die Charaktere sich einzugliedern versuchen, wahrt nach au\u00dfen hin eine Fassade der Offenheit \u2013 in Wahrheit herrschen jedoch Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit. Ebenso viel Widerstand erfahren die Frauen aus ihrer eigenen Kultur. Sie werden vom Vater beziehungsweise Ehemann gedr\u00e4ngt und dazu angehalten, den Schein des Traditionellen und der Gottesf\u00fcrchtigkeit aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Authentizit\u00e4t des Films ist seine gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke. Er scheint direkt aus dem wirklichen Leben der Protagonisten zu stammen. Dies ist auch notwendig, um die dargestellten allt\u00e4glichen Situationen glaubhaft zu transportieren. Dialoge sind realit\u00e4tsgetreu und umgangssprachlich. Die Darsteller spielen durchweg sehr \u00fcberzeugend und keinesfalls aufgesetzt \u2013 manch ein Zuschauer vermag sich sogar in ihnen wiederzuerkennen. Handwerklich gibt es wenig an Faucons Film auszusetzen, Musik und Schnitt verst\u00e4rken die k\u00fchle melancholisch-depressive Grundstimmung von \u201eFatima\u201c sehr wirksam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Fatima_4_copyright_Pyramide_Distribution.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5209\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Fatima_4_copyright_Pyramide_Distribution-1038x547.jpg\" alt=\"Fatima_4_(copyright_Pyramide_Distribution)\" width=\"1038\" height=\"547\" \/><\/a><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Zu weit gegriffen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztendlich scheitert Regisseur Philippe Faucon an seinen eigenen zu hochgesteckten Zielen und so rutscht der Film teilweise in die Mittelm\u00e4\u00dfigkeit ab. Faucon kann sich nicht entscheiden, ob er dem Publikum einen Spiegel vorhalten oder lieber m\u00f6glichst viele Probleme islamischer Frauen ansprechen m\u00f6chte. Bevor eines von beidem mit gen\u00fcgend Tiefe angegangen werden kann, l\u00e4uft bereits der Abspann \u00fcber die Leinwand. Ein Film, der gewiss Viele ansprechen w\u00fcrde, aber nicht \u00fcber eine oberfl\u00e4chliche Betrachtung hinausgeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>FATIMA, Frankreich \/ Kanada 2015 \u2013Regie: Philippe Faucon. Mit: Soria Zeroual, Zita Hanrot, Kenza Noah A\u012dche, Chawki Amari. 79 Min.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Text:<\/span> Julian Ruf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Filmkritik entstand im Rahmen des FestivalTV der Franz\u00f6sischen Filmtage im Filmkritikworkshop von Hanne Detel, Institut f\u00fcr Medienwissenschaft, Uni T\u00fcbingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Fotos<\/span>:\u00a0copyright Pyramid Distribution<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Filmfestivals standen im Jahre 2015 nicht selten im Zeichen der Weiblichkeit und Immigration. Kaum verwunderlich angesichts der politischen Lage in Europa. 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