{"id":5436,"date":"2015-11-11T20:42:36","date_gmt":"2015-11-11T19:42:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=5436"},"modified":"2015-11-11T20:42:36","modified_gmt":"2015-11-11T19:42:36","slug":"um-kunst-reden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/11\/11\/um-kunst-reden\/","title":{"rendered":"Um Kunst reden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Natali Bauer erh\u00e4lt die Kunstwerke ihrer Mutter Margarete als Erbe. Doch was machen mit mehr als 220 Objekten? Die kreative L\u00f6sung liegt in der Veranstaltung eines Rhetorik Slams, der am 10. November als Teil eines Kunstsalons im Landratsamt T\u00fcbingen stattfand. Rhetorik-Studierende der Universit\u00e4t gestalteten den Abend im Rahmen eines Praxisseminars unter Anleitung des Rhetoriktrainers Nikos Andreadis mit viel sprachlichem Geschick.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Charlotte l\u00e4uft nerv\u00f6s den Gang der Glashalle auf und ab, den Blick fest auf ihre Karteikarten gerichtet. Mit ihrem lila Rock, dem roten Oberteil mit passender Kette und den ordentlich hochgesteckten Haaren wirkt sie selbst wie ein kleines Kunstwerk und k\u00f6nnte sich m\u00fchelos bei den Bildern an der Wand einreihen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gro\u00dfer Teil ihrer Familie ist heute angereist, um zu h\u00f6ren, wie sie mit ihren Kommilitonen um ausgew\u00e4hlte St\u00fccke aus dem Erbe der Familie Bauer wettstreitet. Charlotte m\u00f6chte um das Kunstwerk \u201eAltar\u201c reden, einem m\u00e4chtigen aufklappbaren Triptychon in gold-schwarz.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5445\" aria-describedby=\"caption-attachment-5445\" style=\"width: 445px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0065_edited.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5445 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0065_edited-445x672.jpg\" alt=\"DSC_0065_edited\" width=\"445\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5445\" class=\"wp-caption-text\">Ein Selbstportr\u00e4t der verstorbenen K\u00fcnstlerin Margarete Bauer.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ein Wettbewerb mit schw\u00e4bischen Prinzipien<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der letzte Wunsch ihrer Mutter auf dem Sterbebett sei es gewesen, ihre Werke kostenlos in gute H\u00e4nde abzugeben, so Natali Bauer bei ihrer Begr\u00fc\u00dfungsrede. Da man im Schwabenland aber nichts ohne M\u00fchen geschenkt bekomme, gestaltete sie mit Hilfe von Dr. Wolfgang Sannwald, dem Abteilungsleiter f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Archiv und Kultur des Landratsamtes, \u00a0einen Wettbewerb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kunstsammlung ist online einzusehen und wer ein Bild erhalten m\u00f6chte, kann sich schriftlich um dieses bewerben. Mit etwas Gl\u00fcck kann man es dann am 18. Dezember im Landratsamt abholen. Schon \u00fcber 60 Bewerbungen seien eingegangen, darunter Gedichte, Bilder von Orten, an denen die Kunstwerke platziert werden sollen, und sogar ein Angebot zum Fensterputzen im Falle einer Schenkung.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Lasst die Spiele beginnen!<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er\u00f6ffnet wurde die Runde von den jungen, zehnj\u00e4hrigen Slammern Phillip und Talea, die\u00a0ihre Gedanken und Gef\u00fchle zu Bildern ihrer Wahl \u00a0zum Besten gaben. Da sie au\u00dfer Konkurrenz antraten, wurden sie jedoch nicht von der namhaften Jury bewertet. Diese setzte sich aus Frau Bauer selbst, dem gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Direktor des Instituts f\u00fcr Allgemeine Rhetorik Professor Joachim Knape und dem Leiter des Universit\u00e4tszeicheninstituts Frido Hohberger zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In f\u00fcnf Runden k\u00e4mpften die Redenden in Dreiergruppen um jeweils ein Bild, nach jeder Runde beriet sich die Jury und bewertete die Auftritte. Das ausgewertete Votum verk\u00fcndete der Trainer Andreadis seinen Sch\u00fctzlingen dann selbst. Das Feedback war aufgrund der hervorragenden Leistungen ausnahmslos\u00a0positiv und h\u00e4ufig voller Bewunderung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5442\" aria-describedby=\"caption-attachment-5442\" style=\"width: 1015px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0079_edited.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5442 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0079_edited-1015x672.jpg\" alt=\"DSC_0079_edited\" width=\"1015\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5442\" class=\"wp-caption-text\">Die Jury hatte an diesem Abend keine leichte Aufgabe, denn die Beitr\u00e4ge zeichnete durchgehend ein hohes Niveau aus. (v.l.n.r.: Joachim Knape, Natali Bauer, Frido Hohberger)<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Vom L\u00f6wen bis zum Krebsgeschwulst<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend es beim ersten Bild haupts\u00e4chlich um die Symbolik eines L\u00f6wens und dessen Kraft ging, waren andere Werke teilweise auch mit dem Leben der 1925 geborenen studierten K\u00fcnstlerin verstrickt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was f\u00fcr einen laienhaften Betrachter aussah wie ein goldener Baum, entpuppte sich sp\u00e4ter als ein b\u00f6sartiges Krebsgeschw\u00fcr. Erst Natali Bauer\u00a0hatte das Bild so betitelt, nachdem ihre Mutter es nach der\u00a0Krebsdiagnose im Jahre 1996 in ihrem Bild erkannt hatte. Im Nachhinein wirkte es wie eine tragische, unbewusste Prophezeiung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5443\" aria-describedby=\"caption-attachment-5443\" style=\"width: 1015px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0139_edited.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5443 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0139_edited-1015x672.jpg\" alt=\"DSC_0139_edited\" width=\"1015\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5443\" class=\"wp-caption-text\">Charlotte bei ihrem zweiten Anlauf &#8211; trotz Stocken ein starker Auftritt um das Triptychon von Margarete Bauer.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Charlotte beweist Mut<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der letzten Runde darf Charlotte endlich auf die B\u00fchne. Die H\u00e4nde frei von Mikrofon und Karteikarten, beginnt sie ihre Rede. Sie spricht von der Zahl Drei und der Verbindung des dreigeteilten Altars mit der Dreifaltigkeit in der Religion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie setzt zu einem weiteren Argument an, ihre H\u00e4nde zittern, sie stockt, holt Luft, doch der Text findet den Weg nicht zur\u00fcck in ihren Kopf. Sie verl\u00e4sst entschuldigend die B\u00fchne, um ihre Karteikarten zu holen &#8211; und betritt sie wieder, um zu gl\u00e4nzen. Mutig und charmant tr\u00e4gt sie nun ihren Beitrag vor und baut sogar spontan und witzig ein paar Anekdoten zu ihrem kleinen vorherigen Fauxpas ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit \u201e3,2,1, meins!\u201c und einem gewinnenden L\u00e4cheln verl\u00e4sst sie die B\u00fchne. Zwar entscheidet sich die Jury f\u00fcr ihre Konkurrentin, dennoch hat sie an diesem Abend bewiesen, dass es nicht nur ums Gewinnen, sondern auch um eine Menge Mut und Selbstvertrauen geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr wollt auch ein Bild geschenkt bekommen? Was ihr daf\u00fcr tun m\u00fcsst, erfahrt ihr hier:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kreis-tuebingen.de\/,Lde\/11463953.html\">http:\/\/www.kreis-tuebingen.de\/,Lde\/11463953.html<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fotos: Felix M\u00fcller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Natali Bauer erh\u00e4lt die Kunstwerke ihrer Mutter Margarete als Erbe. Doch was machen mit mehr als 220 Objekten? 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