{"id":5460,"date":"2015-11-14T12:50:42","date_gmt":"2015-11-14T11:50:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=5460"},"modified":"2021-02-20T15:33:05","modified_gmt":"2021-02-20T15:33:05","slug":"tanz-kurzfilme-die-bewegten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/11\/14\/tanz-kurzfilme-die-bewegten\/","title":{"rendered":"Tanz-Kurzfilme, die bewegten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Dass sich die Franz\u00f6sischen Filmtage nicht nur in den S\u00e4len der T\u00fcbinger Kinos abspielen k\u00f6nnen, zeigte die Bar Liquid am vergangenen Dienstag. In entspannter Atmosph\u00e4re, mit einem Getr\u00e4nk in der Hand, wurden elf Tanz-Kurzfilme gezeigt. Ein Abend der visuellen Zeitreise durch die Geschichte des Tanzes.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">T\u00fcbingen ist in stille, schwarze Nacht geh\u00fcllt, w\u00e4hrend sich das wuselnde Publikum drinnen in der Bar Liquid noch Pl\u00e4tze sucht. Das Licht wird langsam gedimmt. Erste Bilder t\u00e4nzeln hoch oben, \u00fcber den K\u00f6pfen der besch\u00e4ftigten Barkeeper, an der Wand.\u00a0 Die Vorf\u00fchrung beginnt.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Licht aus, Film ab!<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die hohe Balkendecke, tiefe schwarze Sofas, unverputzte W\u00e4nde, das Ambiente stimmte schon einmal. Ob die Wahl nun auf einen Longdrink oder Shortdrink fiel &#8211; welche fl\u00fcssige Begleitung sich der Zusehende auch ausgesucht hatte &#8211; die Wahl der Filme war durch die Leitung der Franz\u00f6sischen Filmtage vorgegeben. Die Palette\u00a0reichte von \u201cDanse Nicolska\u201c, gedreht etwa 1920, in schwarz wei\u00df und noch ohne Ton, bis hin zu \u201cBlondy\u201c des Regisseurs Fran\u00e7ois Gautret aus dem Jahr 2011.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Die \u00c4sthetik des Tanzes<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Frau, \u00fcber eine leere Stra\u00dfe tanzend, die langen wei\u00dfen T\u00fccher, die sie festh\u00e4lt, zeichnen ihre Bewegungen verl\u00e4ngernd nach. Ganz ohne Musik kam diese erste Sequenz aus und doch schaffte sie durch die K\u00f6rperlichkeit, den Ausdruck der T\u00e4nzerin, eindringlich die Stimmung zu vermitteln. Dieser Film aus den 20er Jahren zeigte bereits eine Form des Modern Dances, so Kalliope Giannadacis, die Eventmanagerin der Liquid. Der Ausdruckstanz entstand zu eben dieser Zeit als Gegenbewegung zum klassischen Ballett.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mitnichten w\u00e4re damit jedoch der Tanzstil aller Kurzfilme beschrieben, diese spiegelten vielmehr ein buntes Spektrum wieder. Es beinhaltete beispielsweise genauso spanischen Tanz, der zu Zeiten der Diktatur Francos in Frankreich seinen Ausdrucksraum fand,\u00a0 oder eine Art Locking-Hopping-Stil, der eher im Bereich des Hiphop anzusiedeln ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genauso unterschiedlich waren auch die Filmtechniken. Topic I et II, 1989 in Prag unter der Regie von Pascal Baes entstanden, erzeugte unter anderem durch Stop-Motion-Stil und dem Spiel mit Verzerrungen, eine unvergleichlich bedrohliche wie verst\u00f6rende Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Tanzende Bilder erz\u00e4hlten Geschichte<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Das Wort \u201cTanz\u201c stammt aus dem Altfranz\u00f6sischen von danse. Weit entfernt lag daher das Leitthema, welches das einende Band zwischen den Kurzfilmen darstellte, nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gezeigten frankophonen Werke beleuchteten schlaglichtartig die Spannbreite und Entwicklung des neueren Tanzes seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine sinnliche Erfahrung , die, anders wohl als die meisten anderen Vorstellungen des Festivals, weniger das Politische als vielmehr das \u00c4sthetische in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit r\u00fcckte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Giannadacis lie\u00df am Ende der Veranstaltung schon zuk\u00fcnftige Pl\u00e4ne verlauten: \u201eWir haben auf jeden Fall schon die Entscheidung getroffen, dass wir das unbedingt wiederholen wollen.\u201c Diesem Entschluss kann nur zugestimmt werden, schlie\u00dflich war es ein abwechslungsreicher Kurzfilmabend mit Longdrinks\u2014 und ganz ohne Filmriss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Folgende Filme wurden gezeigt:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Danse Nicolska | ca. 1920 | mit Lila Nicolska<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Danse d\u2019\u00e9t\u00e9 | 1929 | Choreografie &amp; Interpretation Mary Wigman<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Le Lys | 1934 | Regie George R. Busby | Choreografie Loie Fuller | Interpretation Miss Baker<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Air for the G String | 1934 | Choreografie Doris Humphrey<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>La Argentinita et Manolo de Huelva | 1938 | Regie Marius de Zayas<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Bunny Briggs | 1950 | Regie Will Cowan<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>La la la human sex, duo n\u00b01 | 1987 | Regie Bernar H\u00e9bert | Choreografie Edouard Lock | mit Louise Lecavallier, Marc B\u00e9land<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>46 bis | 1988 | Regie Pascal Baes | mit Sara Denizot, Laurence Rondoni<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Topic I et II | 1990 | Regie Pascal Baes | mit Sara Denizot, Laurence Rondoni, J\u00e9r\u00f4me Bel, Pascal Base<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Intemp\u00e9ries | 1997 | Regie Dirk Gryspeirt | Produktion Patrick Bont\u00e9, Nicole Mossoux<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Blondy | 2011 | Regie Fran\u00e7ois Gautret, document R-Style<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass sich die Franz\u00f6sischen Filmtage nicht nur in den S\u00e4len der T\u00fcbinger Kinos abspielen k\u00f6nnen, zeigte die Bar Liquid am vergangenen Dienstag. 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