{"id":5486,"date":"2015-11-19T15:31:02","date_gmt":"2015-11-19T15:31:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=5486"},"modified":"2021-02-20T15:32:48","modified_gmt":"2021-02-20T15:32:48","slug":"starke-frauen-ohne-augenbinde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/11\/19\/starke-frauen-ohne-augenbinde\/","title":{"rendered":"Starke Frauen ohne Augenbinde"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Eine Frau steht alleine im Raum. Um sie herum gehen Menschen, doch diese tragen Augenbinden und k\u00f6nnen sie und ihren Schmerz nicht wahrnehmen. Ein Schriftzug erscheint auf der Leinwand: Jede vierte Frau in Deutschland ist betroffen von h\u00e4uslicher Gewalt. Das Filmfest Frauenwelten m\u00f6chte uns dazu bringen, unsere Augenbinden abzunehmen und hinzuschauen, so wie an diesem Mittwoch bei der Er\u00f6ffnung mit dem Film \u201eLes H\u00e9ritiers &#8211; Die Sch\u00fcler der Madame Anne\u201c.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEigentlich w\u00fcrde ich gerne alle anschauen\u201c, meinte Luzia K\u00f6berlein\u00a0auf die Frage, welcher Film sie dieses Jahr am meisten interessiere. Die Leiterin der Stabsstelle Gleichstellung und Integration der Stadt T\u00fcbingen sprach am Mittwochabend bei der Er\u00f6ffnung des 15. Filmfestivals Frauenwelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Christa Stolle, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der gemeinn\u00fctzigen Organisation Terre des Femmes, war zu Gast. Die von ihr geleitete Organisation richtet das Filmfest in T\u00fcbingen aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Zuschauer gew\u00e4hren Spiel- und Dokumentarfilme aus \u00fcber 30 L\u00e4ndern\u00a0Einblicke in die Lebensrealit\u00e4ten von Frauen auf der ganzen Welt. Sie drehen sich vorwiegend um die Themen Bildung, Fr\u00fchehen und reproduktive Rechte.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Wut \u00fcber die Welt<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Anne Gueguen, Lehrerin an einem Pariser Gymnasium im Arbeitervorort Cr\u00e9teil, steht in dem Film des Er\u00f6ffnungsabends eine starke Frau im Fokus der Erz\u00e4hlung.\u00a0Mit der \u00dcbernahme einer elften Klasse wird sie vor eine gro\u00dfe Herausforderung gestellt: Die Sch\u00fcler stecken voller Wut \u00fcber die Welt, da auch nach ihrer Zeit an der Schule keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft auf sie wartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder von ihnen hat sein P\u00e4ckchen zu\u00a0tragen: Die Eine hat eine Alkoholikerin zur Mutter, der Andere muss sich aufgrund der Krankheit des Vaters um seine Br\u00fcder k\u00fcmmern und die Dritte wird regelm\u00e4\u00dfig bedroht. Im Schulsystem sind sie nur Nummern, die wie alle anderen Sch\u00fcler aus \u00f6konomisch\u00a0schw\u00e4cheren Familien durchfallen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Gemeinsam weniger einsam<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die empathische Madame Gueguen jedoch sieht in ihnen charakterstarke Individuen. Statt bei Lehrerkonferenzen weiter \u00fcber Durchfallquoten zu reden, nimmt sie die Dinge selbst in die Hand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie meldet ihre Klasse zu einem renommierten nationalen Wettbewerb \u00fcber Jugendliche im Holocaust an. Mit ihrem festen Glauben an die Sch\u00fcler st\u00e4rkt\u00a0Madame Gueguen das Selbstvertrauen der gesellschaftlichen Au\u00dfenseiter. Diese beginnen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen, was Konfrontationen mit den Problemen der Gegenwart birgt. Gerade daraus lernt die Gruppe und so entsteht unter ihnen eine\u00a0einzigartige Gemeinschaft.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Eine\u00a0starke Frau an ihrer Seite<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Feinf\u00fchlig-r\u00fchrend: Ein Sch\u00fcler der Klasse stellt fest, dass ein Maler die Menschen in den Gaskammern mit Kleidung und Haaren malte, was ihnen Individualit\u00e4t verleihe und das Gegenteil dessen bewirke, was die Nazis wollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So stellt sich eine Analogie zum Film selbst heraus: Entgegen der Meinung der anderen Lehrer, die in den Jugendlichen nur Versager sehen, die an ihrem Scheitern selbst schuld sind, zeigt Madame Gueguen ihnen gegen\u00fcber Empathie. Statt mit dem Strom zu schwimmen und die Jugendlichen als Problemf\u00e4lle abzustempeln, investiert sie ihre Kraft darauf, den Sch\u00fclern neue Perspektiven aufzuzeigen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Weg mit den Augenbinden<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Film zeigt, dass in unserer Nachbarschaft Rassismus, soziale Benachteiligung, Gewalt und Hoffnungslosigkeit herrschen. Auch wenn der Film den oben genannten Schwerpunktthemen des Festivals nicht eindeutig entspricht, setzt er doch direkt zur Er\u00f6ffnung ein Ausrufezeichen: Frauen wie Anne Gueguen, die den Mut haben, die Probleme der Welt zu hinterfragen und sie anzugehen, sind starke Frauen. Wir sollten unsere Augenbinden abnehmen, so wie sie es getan hat, und hinschauen, wenn auch vorerst nur auf die Kinoleinwand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Anmerkungen:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Regisseur Ahmed Dram\u00e9, der selbst Sch\u00fcler dieser Klasse war, wird am 20. und 21. November bei den Vorstellungen anwesend sein.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Filmfestival Frauenwelten geht noch bis zum 25. November. <\/em><em>Das Programm ist hier zu finden: <a href=\"http:\/\/www.frauenrechte.de\/film\/2015\/de\/spielplan.htm\">http:\/\/www.frauenrechte.de\/film\/2015\/de\/spielplan.htm<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Trailer von \u201eSchaust du hin? \u2013 Gemeinsam gegen h\u00e4usliche Gewalt\u201c ist ebenfalls zug\u00e4nglich: <a href=\"http:\/\/schaust-du-hin.de\/\">http:\/\/schaust-du-hin.de\/<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Frau steht alleine im Raum. Um sie herum gehen Menschen, doch diese tragen Augenbinden und k\u00f6nnen sie und ihren Schmerz nicht wahrnehmen. 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