{"id":5522,"date":"2015-11-21T19:06:36","date_gmt":"2015-11-21T19:06:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=5522"},"modified":"2021-02-20T15:32:13","modified_gmt":"2021-02-20T15:32:13","slug":"krimi-klamauk-gift-im-wein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/11\/21\/krimi-klamauk-gift-im-wein\/","title":{"rendered":"Krimi-Klamauk: Gift im Wein"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>\u201eAls h\u00e4tte Kafka eine Kom\u00f6die geschrieben\u201c, ruft Mortimer verzweifelt aus. Ein treffender Vergleich nicht nur f\u00fcr seine eigene missliche Lage, sondern auch f\u00fcr die Kriminalkom\u00f6die \u201eArsen und Spitzenh\u00e4ubchen\u201c, die diesen Freitag im Landestheater T\u00fcbingen ihre Premiere feierte. Regisseur Alexander Marusch beantwortet die Frage, was passieren w\u00fcrde, wenn die Addams-Family in einer Wohnung der 50er Jahre leben w\u00fcrde.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das St\u00fcck beginnt mit einer Leiche auf der B\u00fchne. Ein weiterer Dauergast im Hause Brewster, der in den Genuss des selbstgemachten Holunderweins von Abby und Martha (Franziska Beyer, Hildegard Maier) gekommen ist \u2013 auf vier Liter Wein ein Teel\u00f6ffel Arsen, etwas Strychnin und Zyankali. Zun\u00e4chst traut man den beiden \u00e4lteren Damen kaum zu, gewissenlose M\u00f6rder zu sein, bis sie dar\u00fcber zu diskutieren beginnen, ob dies nun der elfte oder zw\u00f6lfte Gentleman sei, den sie im Keller bestatten w\u00fcrden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Gr\u00e4ber im Keller ausheben<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit ihnen unter einem Dach wohnen ihre beiden Neffen, der Theaterkritiker Mortimer (Lukas Umluft) und sein Bruder Teddy (Daniel Tille), der sich f\u00fcr Pr\u00e4sident Roosevelt h\u00e4lt. Durch seine Angewohnheit, im Keller regelm\u00e4\u00dfig den Panamakanal auszuheben \u2013 ein Loch in Form und Gr\u00f6\u00dfe eines Grabes \u2013 macht er es den beiden Giftm\u00f6rderinnen einfach, ihre Opfer zu entsorgen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5527\" aria-describedby=\"caption-attachment-5527\" style=\"width: 1007px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Franziska-Beyer-Hildegard-Maier-Michael-Ruchter-Patrick-Schnicke_Fotos-von-Martin-Sigmund.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5527 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Franziska-Beyer-Hildegard-Maier-Michael-Ruchter-Patrick-Schnicke_Fotos-von-Martin-Sigmund-1007x672.jpg\" alt=\"Franziska Beyer, Hildegard Maier, Michael Ruchter, Patrick Schnicke_Fotos von Martin Sigmund\" width=\"1007\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5527\" class=\"wp-caption-text\">Fragw\u00fcrdige Familienidylle &#8211; die beiden mordlustigen Schwestern, Jonathan und Dr. Einstein.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Slapstick und Kniefetisch<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die fragw\u00fcrdige Harmonie wird gest\u00f6rt, als Mortimer schlie\u00dflich eine der Leichen entdeckt. Gerade noch mit seiner Verlobung mit der Pfarrerstochter Elaine (Carolin Schupa) besch\u00e4ftigt, befindet er sich pl\u00f6tzlich im Zentrum der Geschehnisse. Dass unerwartet auch noch sein lange verschollener Bruder Jonathan (Patrick Schnicke) mit einer weiteren Leiche auftaucht, macht f\u00fcr ihn die Sache nicht unbedingt leichter. Begleitet wird dieser von Dr. Einstein (Michael Ruchter), ein plastischer Chirurg mit ausgepr\u00e4gtem Kniefetisch, der Jonathan auf seiner Flucht vor der Polizei immer wieder zu einem neuen Aussehen verhilft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieblingsfigur des Dramaturgen Lars Helmer ist, trotz der schillernden Charaktere aus dem Hause Brewster, die vergleichsweise unschuldige Elaine:\u00a0\u201eAm Anfang fanden wir sie eigentlich recht langweilig. Wir haben uns dann dazu entschlossen, dass sie im \u00d6ffentlichen die brave Tochter ist, aber mit Mortimer allein zu einem richtigen Vamp wird.\u201c<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Geisteskrank: Gift in &#8222;M\u00e4usebutter&#8220;<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schwarzer Humor und klassischer Slapstick: Mit Arsen und Spitzenh\u00e4ubchen setzt das Landestheater T\u00fcbingen (LTT) seine Reihe der Kriminalkom\u00f6dien nach dem Erfolg von 39 Stufen fort. B\u00fchnenbild, Lichteffekte und das \u00fcberzogene Schauspiel der Akteure erinnern an eine Sitcom aus den 60er-Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei sind die Charaktere Abby und Martha Brewster von tats\u00e4chlichen Ereignissen inspiriert.\u00a0Das sogenannte M\u00fcnchhausen-Stellvertretersyndrom ist eine seltene, daf\u00fcr aber umso gef\u00e4hrlichere geistige Erkrankung, bei der meist \u00e4ltere Damen ihre eigenen Patienten erschaffen. Eine der ersten dokumentierten F\u00e4lle ist Gesche Gottfried, die 1831 f\u00fcr den Mord an ihrer Familie hingerichtet wurde. Mit von Arsen vergifteter \u201eM\u00e4usebutter\u201c pflegte sie \u00fcber 30 Menschen in ihre Gr\u00e4ber.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5528\" aria-describedby=\"caption-attachment-5528\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Hildegard-Maier-Andreas-Guglielmetti-Franziska-Beyer-Patrick-Schnicke_Fotos-von-Martin-Sigmund.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5528 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Hildegard-Maier-Andreas-Guglielmetti-Franziska-Beyer-Patrick-Schnicke_Fotos-von-Martin-Sigmund-1008x672.jpg\" alt=\"Fotos von Martin Sigmund.\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5528\" class=\"wp-caption-text\">Abby und Martha mit ihrem n\u00e4chsten Opfer, w\u00e4hrend Jonathans Tarnung immer kurioser wird.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Bowle ohne Beigeschmack<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt fiel die Resonanz gr\u00f6\u00dftenteils positiv aus. Dem Charme des \u00fcberdrehten Mordspektakels konnten sich auch jene nicht entziehen, die vorher skeptisch in die Vorstellung gegangen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMir hat der schwarze Humor gefallen. Richtig \u00fcberzeugend\u201c, so Julia Hofst\u00e4tter, die mit ihrer Mutter die Vorstellung besuchte. Auf der anderen Seite gab es aber auch Kritik.\u00a0\u201eMortimer war zwar gut gespielt, aber insgesamt war es mir zu viel Klamauk\u201c, meinte hingegen Johann Theisden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem St\u00fcck gab es dann anstatt Holunderwein noch Bowle, um den Erfolg der Premiere zu feiern. Auch die n\u00e4chsten Vorstellungen sind bereits so gut wie ausverkauft. Wer sich f\u00fcr das St\u00fcck interessiert, kann sich auf der Webseite des LTTs <a href=\"http:\/\/www.landestheater-tuebingen.de\">www.landestheater-tuebingen.de<\/a> Karten reservieren. Die Kriminalkom\u00f6die wird noch die gesamte Spielzeit aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fotos: Sigmund \/ LTT<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAls h\u00e4tte Kafka eine Kom\u00f6die geschrieben\u201c, ruft Mortimer verzweifelt aus. Ein treffender Vergleich nicht nur f\u00fcr seine eigene missliche Lage, sondern auch f\u00fcr die Kriminalkom\u00f6die &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":289,"featured_media":5524,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,62],"tags":[1925,11,1926,1927,1928,427,19],"class_list":["post-5522","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-kultur","tag-arsen-und-spitzenhaeubchen","tag-featured","tag-kriminalkomoedie","tag-landestheater-tuebingen","tag-lars-helmer","tag-ltt","tag-tubingen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/289"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5522"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23860,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5522\/revisions\/23860"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}