{"id":5601,"date":"2015-11-25T12:27:40","date_gmt":"2015-11-25T12:27:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=5601"},"modified":"2021-02-20T15:31:02","modified_gmt":"2021-02-20T15:31:02","slug":"schutzlos-in-manila","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/11\/25\/schutzlos-in-manila\/","title":{"rendered":"Schutzlos in Manila"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Eine Zw\u00f6lfj\u00e4hrige tanzt in einem Bordell an einer Stange, sie wird von M\u00e4nnern begafft und sp\u00e4ter \u201egebucht\u201c. Solche drastischen Szenen zeigt \u201eLilet never happened\u201c, ein Spielfilm von Jacco Groen, den das Filmfest Frauenwelten am Dienstagabend im Kino Museum vorf\u00fchrte. Er basiert auf dem realen und bewegenden Leben einer philippinischen Kinderprostituierten.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lilet gibt sich bissig und naseweis: Sie m\u00f6chte eine ber\u00fchmte Schauspielerin werden und ist fest davon \u00fcberzeugt, dass ihr Vater Tom Cruise ist. Die Zw\u00f6lfj\u00e4hrige schl\u00e4gt sich durch die Stra\u00dfen von Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Regelm\u00e4\u00dfig l\u00e4uft sie von Zuhause weg, flieht vor ihrem Stiefvater, der sie vergewaltigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine dunkle Geschichte, die Jacco Groen erz\u00e4hlt. Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer in Lilets Leben: Claire, eine niederl\u00e4ndische Sozialarbeiterin, nimmt sich ihr an. Sie m\u00f6chte das M\u00e4dchen in ein Schulprojekt aufnehmen und anfangs scheint Lilet sicher.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Verkauft mit zw\u00f6lf Jahren<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch ihre Mutter sp\u00fcrt die Ausrei\u00dferin auf und zwingt sie, zur\u00fcckzukommen in das trostlose Slum-Viertel. Verzweifelt, aus Angst und Ekel vor dem Ort, den ihre Mutter \u201eZuhause\u201c nennt, flieht die Zw\u00f6lfj\u00e4hrige zu ihrer Schwester. Die arbeitet als Prostituierte in einem Bordell und es dauert daher nicht lange, bis die gierige Besitzerin Lilet an einen ersten Kunden verkauft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Abw\u00e4rtsstrudel scheint sich durch ihr Leben und die Geschichte zu ziehen. Als Zuschauer ist man oft fassungslos und betroffen, weil niemand Lilet besch\u00fctzt oder besch\u00fctzen kann. Doch da sind auch Szenen von N\u00e4he und vielleicht sogar von Gl\u00fcck: Lilet, wie sie ihren Bruder umarmt und ihm verspricht, ihn aus dem Elend zu befreien, wenn sie erst ber\u00fchmt ist. Lilet, wie sie liebevoll mit ihrem Freund Nonoy von der Stra\u00dfe spricht.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Eine wahre Geschichte<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gespielt wird die Protagonistin von der damals zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Sandy Talag. Sie gibt der Figur eine unglaubliche Vitalit\u00e4t, Kraft, Zuversicht und W\u00fcrde. Auch die Bilder Groens sind eindrucksvoll: Die Kamera begleitet die Kinder durch die Armutsviertel von Manila \u2013 enge Gassen und dunkle Ecken, in denen sie auf Pappkartons schlafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt eine L\u00f6sung anzubieten, bleibt der Film bei der Geschichte der realen Lilet. Das ist starker Tobak. Der Regisseur Groen erz\u00e4hlte im Anschluss an die Vorf\u00fchrung von seinen Gespr\u00e4chen mit der Kinderprostituierten: \u201eIch habe die echte Lilet vor 19 Jahren getroffen. Sie war nach einem Suizidversuch in einer Klinik und davor zwei Jahre lang Prostituierte gewesen.\u201c Ihre Geschichte habe Groen nie losgelassen, doch wegen Produktionsproblemen konnte er sie erst viele Jahre sp\u00e4ter umsetzen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Digitaler Ausverkauf<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Niederl\u00e4nder wies auf die moderne Kinderprostitution hin. Sie habe sich ins Internet verlagert und mit Grauem erz\u00e4hlte Groen von einem \u201ewebcam-house\u201c auf den Philippinen, in dem zwanzig Kinder vor der Kamera gewesen seien und Sex-Dates hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl er keine Dokumentation ist, zeigt \u201eLilet never happened\u201c schonungslos diese dunkle Seite der Philippinen, einem streng katholischen Land, in dem das Thema Kinderprostitution viele Jahre unter den Teppich gekehrt wurde. Groens Film r\u00fcttelt auf und als Zuschauer m\u00f6chte man am Ende nur eins: Diese Kinder besch\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eLilet never happened\u201c l\u00e4uft heute nochmals im Kino Museum um 20.30 Uhr und beendet gleichzeitig das diesj\u00e4hrige Filmfest Frauenwelten, das vom 18. November an stattfand. Der Regisseur Groen ist heute Abend erneut anwesend.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hier geht es zum Programm:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"http:\/\/www.frauenrechte.de\/film\/2015\/de\/spielplan.htm\">http:\/\/www.frauenrechte.de\/film\/2015\/de\/spielplan.htm<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Titelbild: Filmfest Frauenwelten<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Zw\u00f6lfj\u00e4hrige tanzt in einem Bordell an einer Stange, sie wird von M\u00e4nnern begafft und sp\u00e4ter \u201egebucht\u201c. Solche drastischen Szenen zeigt \u201eLilet never happened\u201c, ein &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":273,"featured_media":5597,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,62],"tags":[11,552,1214,1215,1216,1217,1218,1219,553,19],"class_list":["post-5601","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-kultur","tag-featured","tag-filmfest-frauenwelten","tag-frauenrechte","tag-groen","tag-kinderprostitution","tag-kinofilm","tag-lilet","tag-manila","tag-prostitution","tag-tubingen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5601","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/273"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5601"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5601\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23856,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5601\/revisions\/23856"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5601"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5601"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5601"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}