{"id":5686,"date":"2015-12-05T14:41:22","date_gmt":"2015-12-05T14:41:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=5686"},"modified":"2021-02-20T15:29:16","modified_gmt":"2021-02-20T15:29:16","slug":"emanzipation-auf-der-buehne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/12\/05\/emanzipation-auf-der-buehne\/","title":{"rendered":"Emanzipation auf der B\u00fchne"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Wer bin ich? Wer m\u00f6chte ich sein? Selbstbild und Gesellschaftsentwurf im Konflikt.\u00a0Mit seiner Inszenierung von Henrik Ibsens \u201eNora oder ein Puppenheim\u201c bringt Regisseur H\u00fcseyin Michael Cirpici einen Klassiker auf die B\u00fchne, der aktuelle Themen anspricht. Die Emanzipation der jungen Frau Nora steht im Mittelpunkt des St\u00fccks, das am 4. Dezember im Landestheater T\u00fcbingen (LTT) seine Premiere feierte.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sieben Treppenaufg\u00e4nge f\u00fchren von der in Schwarz gehaltenen B\u00fchne, in deren Mitte eine S\u00e4ule steht.\u00a0 Reduziertheit pr\u00e4gt das B\u00fchnenbild. Lediglich ein kleiner Tannenbaum im Topf erinnert am Rande daran, dass das Geschehen in der Weihnachtszeit spielt. Viele Requisiten braucht es jedoch auch nicht, denn im Zentrum steht der innere Konflikt der jungen Frau und Mutter Nora.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Frau mit zwei Gesichtern<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIst das meine Lerche?\u201c Mit diesen Worten begr\u00fc\u00dft Ehemann Thorvald Helmer (Raphael Westermeier) seine Frau Nora (Jennifer Kornprobst). Es ist eine Ehe mit &#8222;klassischer&#8220; Rollenverteilung: Er, der starke Mann, der die Familie versorgt und sie, die m\u00e4dchenhaft, unbeholfene Frau, die auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen ist. So scheint es zumindest, denn Nora hat ein Geheimnis, das ihr wahres Wesen birgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hat einen Kredit aufgenommen, um ihrem kranken Mann \u00a0zu helfen. Ihr Kreditgeber wird allerdings zum Problem, als er von Noras Mann aus seiner Anstellung entlassen wird. In seiner Verzweiflung erpresst er Nora daraufhin: Er wei\u00df, dass sie die Unterschrift ihres Vaters, der f\u00fcr ihren Kredit angeblich geb\u00fcrgt hatte, gef\u00e4lscht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dieser Erpressung nimmt die Geschichte ihren Lauf. Noras innerer Konflikt, ihre zwei Gesichter, scheinen immer unvereinbarer. Die junge Frau steht ihrer inneren Zerrissenheit gegen\u00fcber.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5690\" aria-describedby=\"caption-attachment-5690\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/12355830_991430480919939_549056564_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5690 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/12355830_991430480919939_549056564_o-1008x672.jpg\" alt=\"12355830_991430480919939_549056564_o\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5690\" class=\"wp-caption-text\">Nora steht zwischen zwei Welten &#8211; ist sie folgsame Ehegattin oder eine eigenst\u00e4ndige Frau?<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Psychedelische Tanzeinlage<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Worte werden in der Inszenierung nicht darauf verwendet, die Entwicklung Noras vom klassischen Weibchen zur sich neu erfindenden und emanzipierten Frau darzustellen. Das St\u00fcck setzt eher auf non-verbale Elemente. Nora tanzt, psychedelisch umkreist von all ihren Beeinflussern, oder steht lachend auf der B\u00fchne, w\u00e4hrend es auf sie herunter schneit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben diesen Effekten sind es auch fast gruselig anmutende Szenen, in denen alle aus Noras Umfeld schweigend die Treppenaufg\u00e4nge herunterkommen und wieder gehen.\u00a0Im Gegensatz dazu steht die fast schon tragische Komik, die die Dialoge der Figuren erzeugen:\u00a0\u201eIch bin gerettet!\u201c &#8211; \u201eUnd ich?\u201c &#8211; \u201e Joa&#8230;, du auch.\u201c<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Der entscheidende Entschluss<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Nora sich also vor den Augen der Zuschauer ver\u00e4ndert, bleibt \u201edas Wunderbare\u201c, das die ganze Zeit \u00fcber ihr Wunsch war, jedoch aus. Ihr Geheimnis kommt ans Licht und Thorvald reagiert genau so, wie sie es bef\u00fcrchtet hatte. Selbst als Noras Kreditgeber die Erpressung aufgibt, entwickelt sich Thorvald nicht zu dem Mann, den sie sich w\u00fcnscht. So fasst Nora den Entschluss, Mann und Kinder zu verlassen. Sie hat erkannt, dass diese Art der Ehe nicht das ist, was sie sich w\u00fcnscht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5689\" aria-describedby=\"caption-attachment-5689\" style=\"width: 1008px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/12351439_991430274253293_2117336891_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5689 size-medium\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/12351439_991430274253293_2117336891_o-1008x672.jpg\" alt=\"12351439_991430274253293_2117336891_o\" width=\"1008\" height=\"672\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5689\" class=\"wp-caption-text\">Thorvald entpuppt sich nicht als der wunderbare Ehegatte, f\u00fcr den Nora sich eingesetzt hatte.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Br\u00fcche teilweise unpassend<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit \u201eNora oder ein Puppenheim&#8220; bringt das LTT ein St\u00fcck auf die B\u00fchne, dass die Zuschauer mit seiner Thematik packen kann. So fiel die Resonanz des Abends insgesamt positiv aus. Viele Zuschauer konnten etwas wieder erkennen, das sich auf das eigene Leben beziehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So empfanden die drei Studentinnen Eva, Elena und Frederike den Inhalt als gut umgesetzt und konnten sich mit der Identit\u00e4tssuche einer jungen Frau identifizieren. Nur die teilweise auftretenden Br\u00fcche des St\u00fccks, wie beispielsweise der Tanz Noras, wurden von den Zuschauern als etwas st\u00f6rend empfunden. Nach dem St\u00fcck wurde die Premiere passend zur Adventszeit noch mit Punsch gefeiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich den Weg Noras zur emanzipierten Frau noch anschauen m\u00f6chte, kann dies bei weiteren Vorstellungen des St\u00fccks im LTT tun. Es\u00a0l\u00e4uft noch bis zum 05.02.2016. Karten hierf\u00fcr k\u00f6nnen unter\u00a0<a href=\"http:\/\/www.landestheater-tuebingen.de\">www.landestheater-tuebingen.de<\/a> reserviert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Fotos: \u00a0P<\/em><em>ressefotos des LTT (Landestheaters T\u00fcbingen).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer bin ich? Wer m\u00f6chte ich sein? 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