{"id":581,"date":"2012-05-16T12:56:54","date_gmt":"2012-05-16T12:56:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=581"},"modified":"2021-02-21T13:53:47","modified_gmt":"2021-02-21T13:53:47","slug":"der-ruf-der-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2012\/05\/16\/der-ruf-der-revolution\/","title":{"rendered":"Der Ruf der Revolution"},"content":{"rendered":"<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #00000a;\"><strong>\u00dcber Nacht wurde T\u00fcbingen Zentrum des frankophonen Kinos mit 80 Filmen in \u00fcber 1000 Vorstellungen und G\u00e4sten aller Herren L\u00e4nder: aus Frankreich, Belgien, Kanada, dem Kongo, Nordafrika und der Schweiz. Zentrales Augenmerk der 28. Franz\u00f6sischen Filmtage, die vom 2. bis 9. November stattfanden, lag auf der aktuellen Entwicklung in Nordafrika. Der Film \u201e<\/strong><\/span><span style=\"color: #000000;\"><strong>La<\/strong><\/span><span style=\"color: #00000a;\"><strong>\u00efcit\u00e9 <\/strong><\/span><span style=\"color: #000000;\"><strong>Inch\u2019Allah\u201c von Regisseurin Nadia El Fani zeigte die Ver\u00e4nderungen in Tunesien.<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em><span style=\"color: #000000;\">von Monique S\u00e9zanne Patzner<\/span><\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><!--more--><span style=\"color: #000000;\">Langsam f\u00fcllen sich die Sitzpl\u00e4tze im kleinen Kino Atelier in T\u00fcbingen. Es ist Donnerstagabend. Der Film \u201eLa<\/span><span style=\"color: #00000a;\">\u00efcit\u00e9 <\/span><span style=\"color: #000000;\">Inch\u2019Allah\u201c wird zum ersten Mal in der Universit\u00e4tsstadt gezeigt. Haupts\u00e4chlich \u00e4ltere Leute sind gekommen. Vereinzelt entdeckt man Studenten. Die Kinobesucher unterhalten sich \u00fcberwiegend auf Franz\u00f6sisch. Kurz vor einer Einleitung zu den Filmtagen und dem Beginn des Films sind sich einige Zuschauer immer noch nicht im Klaren dar\u00fcber, was der Titel des Filmes \u201eLa<\/span><span style=\"color: #00000a;\">\u00efcit\u00e9 <\/span><span style=\"color: #000000;\">Inch\u2019Allah\u201c bedeutet. Unsicher wird die n\u00e4chste Reihe befragt.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\">La<\/span><span style=\"color: #00000a;\">\u00efcit\u00e9, zu Deutsch Laizismus, bedeutet die Trennung von Staat und Kirche. Genau daf\u00fcr trat die Regisseurin Nadia El Fani w\u00e4hrend des arabischen Fr\u00fchlings in Tunesien ein. Durch Dialog und gewaltlose Konfrontation k\u00e4mpfte sie daf\u00fcr, den Menschen die Augen f\u00fcr einen modernen, demokratischen Staat zu \u00f6ffnen. Die Revolution solle zu einer neutralen Staatsform f\u00fchren, in der sich Andersdenkende w\u00e4hrend des Ramadans nicht mehr verstecken m\u00fcssen und sich auf gleiche Rechte st\u00fctzen k\u00f6nnen. Gleichzeitig will sie zeigen, dass der Islam sich \u00f6ffnen kann. F\u00fcr sie scheint ein Wandel mit dem Islam m\u00f6glich.<\/span><\/p>\n<p>Vereinzelt wirken die Aufnahmen amateurhaft, was jedoch nicht negativ auff\u00e4llt \u2013 im Gegenteil. Das Gef\u00fchl, live dabei zu sein \u2013 in der schreienden Menge nach Freiheit, in der anregenden Debatte \u00fcber Religion und Staat \u2013 , \u00fcberwiegt. Der Film zeigt die arabische Revolution aus einer neuen Perspektive, erweitert so den Horizont und gibt Ansto\u00df zum Nachdenken.<br \/>\nJetzt, mit dem Hintergrund, dass die Islamistische Partei in Tunesien als Sieger der Wahlen proklamiert wurde und die Moslembr\u00fcder in \u00c4gypten gest\u00e4rkt aus der Revolution hervorgehen, dr\u00e4ngt sich die Frage noch st\u00e4rker auf: Wie soll eine Islamistische Partei die Trennung zwischen Staat und Religion in die Wege leiten? Und ist dies \u00fcberhaupt m\u00f6glich? Im Oktober und Dezember nehmen in Tunesien und \u00c4gypten \u00dcbergriffe gegen\u00fcber Frauen zu. Frauenorganisationen melden, dass Frauen wieder zum Kopftuchtragen gezwungen werden. Pl\u00f6tzlich scheint es, als w\u00e4re die Diskriminierung von Frauen noch schlimmer als vor der Revolution.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #00000a;\">Nadia El Fani hatte einen Traum. Er scheint geplatzt zu sein.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Nacht wurde T\u00fcbingen Zentrum des frankophonen Kinos mit 80 Filmen in \u00fcber 1000 Vorstellungen und G\u00e4sten aller Herren L\u00e4nder: aus Frankreich, Belgien, Kanada, dem &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":225,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[62],"tags":[],"class_list":["post-581","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/581","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/225"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=581"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/581\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24325,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/581\/revisions\/24325"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=581"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=581"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=581"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}