{"id":591,"date":"2012-05-16T14:59:28","date_gmt":"2012-05-16T12:59:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=591"},"modified":"2012-05-16T14:59:28","modified_gmt":"2012-05-16T12:59:28","slug":"die-entschlusselung-des-schwarzen-todes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2012\/05\/16\/die-entschlusselung-des-schwarzen-todes\/","title":{"rendered":"Die Entschl\u00fcsselung des Schwarzen Todes"},"content":{"rendered":"<p align=\"LEFT\"><strong>In nur f\u00fcnf Jahren t\u00f6tete sie ein Drittel aller Europ\u00e4er: die Pest des Mittelalters. Ein internationales Forscherteam mit dem T\u00fcbinger Pal\u00e4ogenetiker Johannes Krause entschl\u00fcsselte nun das Genom des Erregers.<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>von Hendrik Rohling<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><!--more--><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Dem Schwarzen Tod fielen zwischen 1347 und 1351 etwa 25 Millionen Menschen in Europa zum Opfer. Es handelt sich damit um die gr\u00f6\u00dfte bekannte Bakterienepidemie der Menschheitsgeschichte. In Kooperation mit Wissenschaftlern der McMaster University in Kanada gelang nun dem Genetiker Johannes Krause von der Universit\u00e4t T\u00fcbingen die vollst\u00e4ndige Entschl\u00fcsselung des Genoms des mittelalterlichen Pesterregers, dem Yersinia-pestis-Bakterium. Johannes Krause ist seit 2010 Juniorprofessor am T\u00fcbinger Zentrum f\u00fcr Arch\u00e4ologie. Er hat bereits an der Sequenzierung des Erbguts des Neandertalers mitgearbeitet.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Ihren Ausgangspunkt hat die Erforschung des Pesterregers auf dem Friedhof East Smithfield in London. Dieser wurde nur zwischen den Jahren 1348 und 1350 genutzt. Die Hoffnungen hier auf \u00dcberreste des Pathogens zu sto\u00dfen, sind gro\u00df. Aus den Z\u00e4hnen von 100 Skeletten wird Knochenmehl entnommen. Nur 0,0005 Prozent der darin enthaltenen DNA geh\u00f6rt jedoch zum Pathogen \u2013 die meisten Erbgutmolek\u00fcle stammen von anderen Bakterien und Pilzen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Pest-DNA nur noch in kleinsten Bruchst\u00fccken vorliegt.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Eine neue Methode muss angewandt werden, um die DNA zu extrahieren, das \u201emolekulare Angeln\u201c. \u201eWie f\u00fcr das Angeln von Fischen ist auch hier ein K\u00f6der notwendig\u201c, erkl\u00e4rt Johannes Krause. Dazu dient die DNA der heutigen Yersinia-pestis-Bakterien. Diese wurde auf eine Glasscheibe aufgetragen. Nur \u00e4hnliche DNA-Molek\u00fcle konnten h\u00e4ngenbleiben: der Pest-Erreger des Mittelalters.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Das Ergebnis: Nur durch wenige Mutationen unterscheidet sich der Erreger der mittelalterlichen Pest von heute noch vorkommenden Yersinia-pestis-Bakterien. Diese kosten j\u00e4hrlich etwa 2000 Menschen das Leben. Die Krankheit ist aber mit Antibiotika behandelbar. Die Entschl\u00fcsselung bietet auch die M\u00f6glichkeit, einen Stammbaum des Erregers zu erstellen. Die Geburt der humanpathogenen St\u00e4mme des Bakteriums, das \u00fcber Fl\u00f6he von Ratten auf den Menschen \u00fcbertragen wurde, liegt im Mittelalter. Alle heute f\u00fcr den Menschen gef\u00e4hrliche Pestbakterien sind Nachfahren dieser mittelalterlichen Pest. Fr\u00fchere Epidemien wie die Justitianische Pest des 6. Jahrhunderts, die f\u00fcr den Verlust der Vorherrschaft des r\u00f6mischen Reichs mitverantwortlich gemacht wird, m\u00fcssen durch einen anderen Erreger ausgel\u00f6st worden sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In nur f\u00fcnf Jahren t\u00f6tete sie ein Drittel aller Europ\u00e4er: die Pest des Mittelalters. 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