{"id":594,"date":"2012-05-16T15:06:20","date_gmt":"2012-05-16T15:06:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=594"},"modified":"2021-02-21T13:52:22","modified_gmt":"2021-02-21T13:52:22","slug":"vivre-au-pays-de-heidi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2012\/05\/16\/vivre-au-pays-de-heidi\/","title":{"rendered":"Vivre au pays de Heidi"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #004b88;\">\u201e<strong>Leben im Land von Heidi\u201c, wie eine kanadische Freundin es stets zu bezeichnen pflegte, die ihr Auslandssemester ebenfalls in Lausanne verbrachte. Und ja, eigentlich trifft es das ganz gut: Ein Land wie im Bilderbuch \u2013 zumindest mit dem n\u00f6tigen Kleingeld in der Tasche. <\/strong><\/span><br \/>\n<em>Von Henrike Junge<\/em><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201eLausanne, wo ist das denn bitte?\u201c war stets die erste Frage, die mir gestellt wurde, wenn ich von meinem Auslandssemester erz\u00e4hlte. Diese scheinbar so unbekannte Stadt liegt in der franz\u00f6sischen Schweiz, am wundersch\u00f6nen Genfer See, direkt vor den Alpen. Ihre bei Fahrradfahrern verhasste Hanglage und die daher auf mehrere Ebenen verteilte, ungew\u00f6hnliche Architektur, die verwinkelte Altstadt, das traumhafte Seeufer und nicht zuletzt das wahrhaft atemberaubende Preisniveau machen sie zu einem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Fleck Erde.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nach seiner Existenz musste ich fast immer die Eignung dieses Ortes f\u00fcr ein Auslandssemester verteidigen. \u201eJa, aber die Schweiz ist doch eigentlich gar kein Ausland\u201c folgte meist etwas vorwurfsvoll auf meine geographische Einordnung.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Was ich schon damals ahnte, wei\u00df ich heute sicher: Dem ist nicht so. Sogar im deutschsprachigen Teil, in dem ich sprachlich manchmal gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten hatte als im franz\u00f6sischen, f\u00fchlt man sich mit seinem deutschen Pass als Ausl\u00e4nder. In der franz\u00f6sischen Schweiz kommen die Einfl\u00fcsse der &#8218;wirklich&#8216; anderen Sprache sowie der franz\u00f6sischen Nachbarn hinzu, was dieser Gegend ein ganz besonderes Flair verleiht.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die kulturellen Unterschiede der einzelnen Sprachregionen sind ohnehin beachtlich. Nicht selten wundert man sich, wie es m\u00f6glich ist, dass diese so verschiedenen Teile mit ihren unterschiedlichen Sprachen, Landschaften und Traditionen eine \u2013 wenn auch kleine \u2013 Nation bilden k\u00f6nnen. Umso paradoxer, dass trotz dieser Multikulturalit\u00e4t so viele Schweizer eine derart gro\u00dfe Angst vor allem Fremden haben, das sich in ihre N\u00e4he bewegt und sich dort niederzulassen droht.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ansonsten ist die Mentalit\u00e4t der Schweizer durch eine angenehme Gelassenheit gepr\u00e4gt: Die Menschen lassen sich, angefangen vom Sprechen bis hin zum Einkaufen, bei allem etwas mehr Zeit. So kann es an der Kasse von Migros drei- bis viermal so lange dauern wie in einem deutschen Aldi.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine Lebenseinstellung, die man schnell zu sch\u00e4tzen lernt und die ich mir auf der Heimfahrt an Weihnachten im deutschen ICE sehnlichst zur\u00fcckgew\u00fcnscht habe. Generell muss ich zugeben, die Schweizer sind h\u00e4ufig einfach ein bisschen freundlicher als viele Deutsche. Ob Busfahrer, Mitreisender oder Professor. Das \u201eBonjour Mademoiselle\u201c zu Beginn und das \u201eBonne journ\u00e9e\u201c zum Abschluss einer Begegnung d\u00fcrfen nie fehlen und sind in den meisten F\u00e4llen auch tats\u00e4chlich ernst gemeint.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Genau wie die Stadt liegt auch die Universit\u00e9 de Lausanne direkt am Genfer See. Im September konnte ich zwischen den Vorlesungen noch ein paar mal in den Lac L\u00e9man h\u00fcpfen \u2013 Luxus pur! Und von der Bibliothek aus hat man \u2013 wenn man den Blick vom Meer der Macs hebt, die sich dort in den Leses\u00e4len inklusive ihrer studentischen Besitzer tummeln \u2013 einen wirklich exklusiven und zuweilen sehr ablenkenden Ausblick.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das Studium an der Universit\u00e4t hat auch \u00fcber die Grenzen der Schweiz hinaus einen sehr guten Ruf. F\u00fcr einen Austauschstudenten ist die bestm\u00f6gliche Nutzung der universit\u00e4ren Angebote allerdings nicht immer ganz so leicht. Zu den f\u00fcr ein Auslandssemester typischen Ablenkungsfaktoren wie der anderen Sprache und Kultur, der vielen neuen Menschen sowie diverser Partys und Ausfl\u00fcge, kommt in Lausanne noch die au\u00dfergew\u00f6hnliche Lage der Uni hinzu.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wenn man sich n\u00e4mlich zwischen zwei Vorlesungen mit einem erstklassigen Kaffee aus einer der vielen Cafeterien der Uni nach drau\u00dfen in die Herbstsonne begibt und seinen Blick \u00fcber die gr\u00fcnen Wiesen zwischen den Geb\u00e4uden, die darauf grasenden Schafe, den See und die Alpengipfel in der Ferne schweifen l\u00e4sst, dann will man eben doch haupts\u00e4chlich zwei Dinge: nicht in die Vorlesung, die gleich beginnt, und vor allem nicht mehr so schnell weg von hier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eLeben im Land von Heidi\u201c, wie eine kanadische Freundin es stets zu bezeichnen pflegte, die ihr Auslandssemester ebenfalls in Lausanne verbrachte. 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