{"id":5973,"date":"2015-12-16T18:13:41","date_gmt":"2015-12-16T18:13:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=5973"},"modified":"2021-02-20T15:25:00","modified_gmt":"2021-02-20T15:25:00","slug":"zombiehafte-plastikteilchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2015\/12\/16\/zombiehafte-plastikteilchen\/","title":{"rendered":"Zombiehafte Plastikteilchen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Mikroplastik: ein Begriff, der immer wieder Angst und Schrecken in der Medienwelt verbreitet. Mit Schlagzeilen, dass \u00a0Mikroplastik in unseren Nahrungsmitteln nachgewiesen wurde, dass Mikroplastikstrudel im Pazifik existieren, welche stark gesundheitsgef\u00e4hrdend sind, und dass sich getrennte Plastikteilchen wieder zombiehaft zusammensetzen k\u00f6nnen, schocken die Nachrichtensender ihre Zuschauer. In ihrem Vortrag \u201eGro\u00dfe Effekte durch Mikroplastik? Oder: Ist Z\u00e4hneputzen sch\u00e4dlich f\u00fcr die Umwelt?\u201c \u00a0kl\u00e4rte Jun. Prof. Zarfl am Mittwochabend dar\u00fcber auf, was man unter Mikroplastik versteht, welche experimentellen Daten vorliegen und wie die Gefahr von Mikroplastik eingesch\u00e4tzt werden kann.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mikroplastik sind Plastikteilchen, die bis zu f\u00fcnf Millimeter gro\u00df sind. Sie sind also nicht gr\u00f6\u00dfer und oftmals sehr viel kleiner als ein K\u00e4stchen auf einem Rechenblock. Bei Mikroplastik handelt es sich in der Regel um Verwitterungsprodukte handelsk\u00e4uflicher Plastikprodukte oder um in die Umwelt gelangte Plastikzus\u00e4tze aus Kosmetik- und Reinigungsprodukten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses wird den Produkten hinzugef\u00fcgt, um f\u00fcr einen kosteng\u00fcnstigen Schmiegel- und Peelingeffekt zu sorgen. Es kann sich bei Mikroplastik allerdings auch um Kunststoffpalletts handeln, aus denen neuer Kunststoff durch Schmelzprozesse in der Fabrik hergestellt werden kann.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Mikroplastik- ein Sammelbegriff<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraus ergibt sich, dass der Begriff Mikroplastik ein Sammelbegriff darstellt, der sich allein \u00fcber seine Gr\u00f6\u00dfe definiert, allerdings noch keinen Aufschluss \u00fcber die Art des Plastiks liefert. Dieser kann ganz unterschiedlich ausfallen. In Europa allein werden j\u00e4hrlich 47,8 Mt Plastik hergestellt. Die am h\u00e4ufigsten produzierten Kunststoffe sind Polypropylen (PP) , Polyvinylchlorid (PVC), Polyurethane (PU), Polystyrol (PS) und das wohl von der \u00d6ffentlichkeit bekannteste Polyethylenterephthalat (PET).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Europa werden rund 30 % des Altkunststoffes wiederverwertet, knapp 40% zur Energiegewinnung verbrannt und 30% entsorgt. Diese 30% k\u00f6nnen dann zu Mikroplastik werden und sich in den Ozeanen, Fl\u00fcssen, an Land und in Organismen anreichern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5977\" aria-describedby=\"caption-attachment-5977\" style=\"width: 507px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5977\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Bild2.png\" alt=\"Die j\u00e4hrliche Kunststoffproduktion in Europa\" width=\"507\" height=\"366\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5977\" class=\"wp-caption-text\">Die j\u00e4hrliche Kunststoffproduktion in Europa.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Gesundheitssch\u00e4dliche Bedrohung<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mikroplastik ist ein Schadstoff. Dar\u00fcber hinaus kann es ein Tr\u00e4ger f\u00fcr weitere organische Schadstoffe sein und als Vektor f\u00fcr invasive Organismen dienen, die \u00fcber das Plastik in andere Habitate eindringen k\u00f6nnen. Je nach Gr\u00f6\u00dfe der Partikel, dem Ausgangsmaterial mit seinen fast ebenso sch\u00e4dlichen Zusatzstoffen und der unterschiedlichen Sensitivit\u00e4t der Organismen fallen die gesundheitssch\u00e4dlichen Effekte von Mikroplastik unterschiedlich aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So k\u00f6nnen kleinere Partikel leichter den Darmtrakt passieren und sich in einem K\u00f6rper verteilen und dort Schaden anrichten als gr\u00f6\u00dfere. Gr\u00f6\u00dfere Partikel entziehen dem K\u00f6rper mehr Energie als kleinere, da der Organismus weitaus mehr Energie ben\u00f6tigt, um das Mikroplastik unsch\u00e4dlich zu machen und es wieder auszuscheiden als. Au\u00dferdem k\u00f6nnen sie eine viel h\u00f6here Belastung an anderen organischen Schadstoffen, wie beispielsweise Weichmacher, aufweisen, die negative Auswirkungen auf unser Hormonsystem haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5978\" aria-describedby=\"caption-attachment-5978\" style=\"width: 692px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5978\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Bild3.png\" alt=\"Altplastik wird nicht nur recyclet, sondern auch zur Energiegewinnung verwendet. Oft landet es aber auch im Meer.\" width=\"692\" height=\"486\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5978\" class=\"wp-caption-text\">Altplastik wird nicht nur recyclet, sondern auch zur Energiegewinnung verwendet. Oft landet es aber auch im Meer.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Kein Grund zur Sorge?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Panikmachende Artikel \u00fcber Mikroplastik sind immer wieder in den Medien anzutreffen und sollen die Bev\u00f6lkerung auf dieses relativ sp\u00e4t begriffene Gefahrenpotenzial aufmerksam machen. Auf lange Sicht bergen panikmachende Artikel allerdings auch die Gefahr, die Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber einer Thematik abzustumpfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicher ist, dass bislang in Tierversuchen bei Expositionsversuchen mit erh\u00f6hten Konzentrationen an Mikroplastik gesundheits- und lebensgef\u00e4hrliche Effekte nachgewiesen werden konnten. Dar\u00fcberhinaus konnte auch nachgewiesen werden, dass Mikroplastik sich \u00fcber die Nahrungskette akkumuliert, sodass wir als Endverbraucher ein erh\u00f6htes Risiko besitzen, eine h\u00f6here Konzentration von Mikroplastik \u00fcber unsere Nahrung aufzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings geht man bislang davon aus, dass die Konzentration an Mikroplastik in unserer Umwelt in der Regel noch unterhalb der Konzentrationen liegen, die einen Effekt im Tierexperiment zeigten. Weswegen \u2013 besondere Ausnahmef\u00e4lle ausgenommen \u2013 noch kein allzu gro\u00dfer Grund zur Beunruhigung besteht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5979\" aria-describedby=\"caption-attachment-5979\" style=\"width: 702px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5979\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Unbenannt1.png\" alt=\"Mikroplastik kann \u00fcber die Nahrungskette akkumulieren und in h\u00f6heren Konzentrationen ein h\u00f6heres gesundheitsgef\u00e4hrdendes Potential besitzen \" width=\"702\" height=\"527\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5979\" class=\"wp-caption-text\">Mikroplastik kann \u00fcber die Nahrungskette akkumulieren und in h\u00f6heren Konzentrationen ein h\u00f6heres gesundheitsgef\u00e4hrdendes Potential besitzen<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da man allerdings schlecht absch\u00e4tzen kann, welche Tiere eventuell sensibler auf Mikroplastik reagieren als die Versuchstiere, keine wirklichen Daten des Sch\u00e4digungspotential von Mikroplastik auf Menschen vorliegen und man nicht erst abwarten m\u00f6chte, bis es zu sp\u00e4t ist, wird in der Politik, Wissenschaft und Industrie nach dem Vorsorgeprinzip gehandelt. So gibt es Tendenzen, Produkte mit Mikroplastikzus\u00e4tzen verst\u00e4rkt vom Markt zu nehmen, au\u00dferdem wurden nun neue Richtlinien verabschiedet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch als Verbraucher kann man durch einen achtsameren Gebrauch von Plastik das Risiko, welches von Mikroplastik ausgeht, weiter reduzieren, bevor potentielle Auswirkungen \u00fcberhaupt erst eintreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer mehr \u00fcber die Forschung f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung in T\u00fcbingen erfahren m\u00f6chte: Die Vorlesungsreihe \u201eForschung f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung \u2013 Beitr\u00e4ge der Universit\u00e4t T\u00fcbingen\u201c\u00a0findet (nach einer Weihnachtspause) wieder am 12.01.2016 um 18 Uhr c.t. im Kupferbau H\u00f6rsaal 21 statt. \u00a0Dann zum Thema: \u201eParlamente und k\u00fcnftige Generationen \u2013 Perspektiven einer zukunftsgerechten Politikgestaltung\u201c von Prof. Dr. Dr. J\u00f6rg Tremmel, Universit\u00e4t T\u00fcbingen, Institut f\u00fcr Politikwissenschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"text-decoration: underline;\">Bilder:<\/span> Vita Bellchambers<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mikroplastik: ein Begriff, der immer wieder Angst und Schrecken in der Medienwelt verbreitet. 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