{"id":6070,"date":"2016-02-09T14:55:26","date_gmt":"2016-02-09T14:55:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6070"},"modified":"2021-02-20T15:22:28","modified_gmt":"2021-02-20T15:22:28","slug":"schwaebisch-fuer-reigschmeggde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/2016\/02\/09\/schwaebisch-fuer-reigschmeggde\/","title":{"rendered":"Schw\u00e4bisch f\u00fcr &quot;Reigschmeggde&quot;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Was ist typisch f\u00fcr T\u00fcbingen? In dieser Reihe geht es um die Facetten der Kleinstadt am Neckar. Eine Sache, die besonders \u201eReigschmeggde\u201c kaum \u00fcberh\u00f6ren k\u00f6nnen, ist der Dialekt. Geschw\u00e4belt wird \u00fcberall, von der Uni bis zum Supermarkt. Der Sprachforscher Rudolf B\u00fchler arbeitet in T\u00fcbingen an einem Sprachatlas und gibt einen Schw\u00e4bisch-Crash-Kurs.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rudolf B\u00fchler sitzt in der Bibliothek im T\u00fcbinger Schloss und spricht mit kaum h\u00f6rbarem Dialekt. B\u00fchler, 38, ist ein Meister der Sprachr\u00e4ume. Der Freiburger spricht eigentlich alemannisch, kann durch zahllose Mundart-Interviews aber von Dialekt zu Dialekt wechseln. Auch ins Schw\u00e4bische. Dabei ist Schw\u00e4bisch nicht gleich Schw\u00e4bisch. \u201eEs gibt nicht den einen Dialekt, sondern sehr viele Zwischenstufen\u201c, sagt er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">B\u00fchler arbeitet an der T\u00fcbinger Universit\u00e4t und untersucht, wo welche Mundart-Form gesprochen wird. Seit 2009 treibt er den <a href=\"https:\/\/publikationen.uni-tuebingen.de\/xmlui\/handle\/10900\/66399\">Sprachatlas f\u00fcr Nord Baden-W\u00fcrttemberg<\/a> voran. Daf\u00fcr f\u00e4hrt er mit einem Fragebuch und einem Aufnahmeger\u00e4t von Ort zu Ort und h\u00e4lt fest, wie und was die Menschen auf seine immer gleichen Fragen antworten. \u201eDanach vergleichen wir die B\u00fccher und zeichnen auf einer Karte ein, wo man W\u00f6rter wie ausspricht. So ergeben sich Gebiete, die die Verbreitung der einzelnen Dialekte zeigen\u201c, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Crash-Kurs f\u00fcr Nicht-Schwaben<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dialekte werden im ganzen Bundesgebiet kartiert, diese Tradition geht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zur\u00fcck. Die Daten geben wichtige Ausk\u00fcnfte: Sie lassen auf Migrationsbewegungen schlie\u00dfen, k\u00f6nnen Hinweise auf Handelsrouten geben und zeigen, wie sich Sprache ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr manche \u201eReigschmeggde\u201c, also Zugezogene, ist der schw\u00e4bische Dialekt anfangs schwer verst\u00e4ndlich. &#8222;Reigschmeggde&#8220;\u00a0gibt es in der Unistadt T\u00fcbingen einige: Etwa ein Drittel der knapp 29 000 Studierenden kommt nicht aus dem S\u00fcdwesten.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dialekte und Sprachen treffen in H\u00f6rs\u00e4len aufeinander \u2013 und verschmelzen manchmal auch.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">B\u00fchler erz\u00e4hlt von seiner Arbeit und gibt dazu einen Schw\u00e4bisch-Crash-Kurs. \u201eWir untersuchen beim Sprachatlas drei Ebenen. Erstens die grammatische Ebene: darunter z\u00e4hlt zum Beispiel die Endung \u2013le wie bei Sp\u00e4tzle. Zweitens die lautliche Ebene, also wie man etwas ausspricht: Sage ich Huus oder Hous?\u201c, erkl\u00e4rt B\u00fchler und wechselt munter von Mundart zu Mundart. \u201eUnd drittens die lexikalische Ebene: Wie hei\u00dft denn der Gegenstand?\u201c.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #808080;\">Zum Raten und Schmunzeln: Was\u00a0hei\u00dft denn das?<\/span><\/h5>\n<p><span style=\"color: #999999;\">Grammatik zum Raten: M\u00e4dla auf B\u00e4nkla?<\/span><\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-6070-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Grammatisch-final.mp3?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Grammatisch-final.mp3\">http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Grammatisch-final.mp3<\/a><\/audio>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Lautliches Wirrwarr?: A bissle un gar nix.<\/span><\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-6070-2\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Lautlich-final.mp3?_=2\" \/><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Lautlich-final.mp3\">http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Lautlich-final.mp3<\/a><\/audio>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Lexikalische Bonmots: A Kugelfuhr hann.<\/span><\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-6070-3\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Lexikalisch-final.mp3?_=3\" \/><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Lexikalisch-final.mp3\">http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Lexikalisch-final.mp3<\/a><\/audio>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline; color: #000000;\"><a style=\"color: #000000; text-decoration: underline;\" href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/?p=6070&amp;page=2&amp;preview=true\">Auf der n\u00e4chsten Seite: Schimpfen auf Schw\u00e4bisch und der T\u00fcbinger Stadtdialekt.<\/a><\/span><br \/>\n<!--nextpage--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Typisch schw\u00e4bisch?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob beim B\u00e4cker, Metzger oder im Restaurant: Sp\u00e4tzle, Weckle oder bissle sind oft geh\u00f6rte schw\u00e4bische Vokabeln, denn Verniedlichungen sind typisch. Der Butter, das Teller und der Socke \u2013 Bei anderen W\u00f6rtern wird im Schw\u00e4bischen das Geschlecht vertauscht. Weiterhin typisch und f\u00fcr manch einen gruselig sind Relativs\u00e4tze, die mit \u201ewo\u201c beginnen:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Apfel, wo vom Baum gefallen ist.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Stilbl\u00fcten des Schw\u00e4bischen sind W\u00f6rter wie woisch statt wei\u00dft oder Cannschdadd f\u00fcr den Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt. Auf dieser lautlichen Ebene gibt es viele Variationen, weil die W\u00f6rter je nach Region anders ausgesprochen werden. F\u00fcr B\u00fchler spannend und f\u00fcr Reigschmeggde schwierig ist die lexikalischen Ebene. &#8222;Wie man eine Sache nennt, ob man zu einer Kartoffel Grombiere oder \u00c4bbiere sagt, ist stark von der Region abh\u00e4ngig&#8220;, sagt der Dialektforscher.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">T\u00fcbingens Stadtdialekt<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">In T\u00fcbingen selbst spreche man laut B\u00fchler einen eigenen Stadt-Dialekt. \u201eEs gibt dabei teilweise noch immer Unterschiede zwischen der Ober- und der Unterstadt\u201c, sagt er. \u201eDie sozial h\u00f6her gestellte Bev\u00f6lkerung lebte in der Oberstadt und sprach n\u00e4her am Standarddeutschen als die \u00e4rmeren B\u00fcrger aus der Unterstadt.\u201c Doch der Grad des Dialekts h\u00e4nge heutzutage nicht mit der sozialen Stellung zusammen. \u201eBei unseren Interviews haben wir die Leute Zuhause besucht und ich habe dabei gemerkt, dass sie unabh\u00e4ngig von ihrer Wohnsituation Dialekt sprechen \u2013 oder auch nicht\u201c, so der Forscher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eReigschmeggde\u201c und Dialekt-Freunde k\u00f6nnen sich in Sachen Schw\u00e4bisch sogar gezielt weiterbilden: In T\u00fcbingen werden Sprachkurse angeboten. Im Internet existieren au\u00dferdem <a href=\"http:\/\/www.schwaebisch-schwaetza.de\">W\u00f6rterb\u00fccher, oft mit Audio-Dateien <\/a>zum Anh\u00f6ren. Und B\u00fchler und seine Kollegen arbeiten derzeit daran, mehr als 2 000 Mundart-Aufnahmen aus dem T\u00fcbinger Arno-Ruoff-Archiv zu \u00fcbersetzen und ins Netz zu stellen. Ob diese Angebote zum Schw\u00e4bisch Schw\u00e4tza f\u00fchren, sei dahingestellt. Doch zumindest kann man lernen oder nachlesen, was Schwaben manchmal meinen k\u00f6nnten.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und f\u00fcr Neugierige:<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schimpfen: Die Jungen und das Eibreddle.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-6070-4\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Schimpfen.mp3?_=4\" \/><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Schimpfen.mp3\">http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Schimpfen.mp3<\/a><\/audio>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der, die, was? Schw\u00e4bische Artikel.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-6070-5\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Dr-Zwiebel.mp3?_=5\" \/><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Dr-Zwiebel.mp3\">http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Dr-Zwiebel.mp3<\/a><\/audio>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4tzle-Exkurs: Was ist nur ein <em>Schb\u00e4ddzlesschebfr<\/em>?<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-6070-6\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Schb\u00e4zzles.mp3?_=6\" \/><a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Schb\u00e4zzles.mp3\">http:\/\/www.kupferblau.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Schb\u00e4zzles.mp3<\/a><\/audio>\n<p><em>Danke an Schw\u00e4bisch-Sprecherin\u00a0Aurora Balistreri, 22.<\/em><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">In dieser Reihen bereits erschienen:<\/span> <a href=\"http:\/\/www.kupferblau.de\/2016\/02\/03\/wie-die-uni-nach-tuebingen-kam\/2\/\">Wie die Uni an den Neckar kam<\/a>.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Es folgen:<\/span> Die Uni und die Bio-Branche sowie eine Glosse zur Kehrwoche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist typisch f\u00fcr T\u00fcbingen? In dieser Reihe geht es um die Facetten der Kleinstadt am Neckar. Eine Sache, die besonders \u201eReigschmeggde\u201c kaum \u00fcberh\u00f6ren k\u00f6nnen, &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":273,"featured_media":6294,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,316],"tags":[1258,11,1259,1260,1244,1261,1262,18,19,21],"class_list":["post-6070","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-studentenleben","tag-dialekt","tag-featured","tag-ludwig-uhland-institut","tag-schloss","tag-schwaebisch","tag-schwaetza","tag-sprachatlas","tag-studierende","tag-tubingen","tag-universitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6070","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/273"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6070"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6070\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23830,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6070\/revisions\/23830"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6070"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.kupferblau.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}